Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1913)
- Article
- Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
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männl. Juden weibl. Juden auf 1000 männliche trafen weibliche Juden 1049 hültnis der beiden Geschlechter ergibt sich aus nachfolgender Gegenüberstellung: Volkszäblungsjaiir 1861 5531 5807 1864 5683 5927 1043 1867 5705 5957 1044 1871 6052 6193 1023 1880 6656 6675 1003 Das Normale ist annäherndes Gleichgewicht der Geschlechter. Im allgemeinen überwiegt das weibliche Geschlecht. In den ersten drei Volkszählungen 1861, 1864, 1867 überwog das weibliche Geschlecht bedeutend, was wohl ausschließlich auf das Konto der stärkeren'Auswanderung von Männern zu setzen ist. Charakteristisch ist, daß von 1867 ab der Frauenüberschuß immer mehr zurückging, bis im Jahre 1880 Gleichgewicht der Geschlechter herrschte. Daraus ergibt sich klar und deutlich, daß in dem Jahrzehnt 1870 bis 1880 infolge der günstigen Wirtschaftslage die Juden im Lande blieben. Bei der gesamten württembergischen Bevölkerung war damals der Frauenüberschuß noch größer. Es trafen auf 1 000 Männer 1 050 Frauen. Wie in Bayern und anderen süddeutschen Staaten ist aber hieran nicht lediglich die größere Beteiligung der Männer an der Abwanderung schuld, sondern nicht zum mindesten die hohe Kindersterblichkeit, welche die männlichen Säuglinge hinwegraffte und das urspüngliche Plus der Knabengeburten rasch aufzehrte. An dem erfreulichen Aufschwung Würtembergs, der schon vor den Kriegsjahren eingesetzt hatte, aber namentlich das Jahrzehnt 1870 bis 1880 ausfüllte, nahmen die Juden in hervorragendem Maße Anteil; darauf deutet schon das durchschnittlich jährlich 10-, ja 12 fach stärkere Anwachsen der jüdischen Bevölkerung von 1867 bis 1875 hin. Man hat indes die Juden nicht zu Unrecht das „Barometer für die Entwicklung der Gesamtbevölkerung0 genannt. Schon einige Jahre, bevor der wirtschaftliche Niedergang seine Einwirkung auf das Wachstum der württembergischen Gesamtbevölkerung äußerte, verspürte die jüdische Bevölkerung das Herannahen der Krise. Der Zusammenbruch war ein industrieller und gewerblicher und darum traf er sofort und in besonders stakem .Maße jene Elemente, die in der Industrie und im Gewerbe engagiert waren; dies waren in jener Zeit in erster Linie die Juden. Die Zunahme der Juden sank von 1875 bis 1880 auf 1,16%. Die hier beobachtete Erscheinung zeigt sich auch in anderen deutschen Staaten; in Preußen sowohl wie in Bayern äußert sich der Rückschlag bei den Juden schon von 1877, bei den übrigen Bevölkerungsschichten erst vom Anfang der 80 er Jahre ab. Mag auch hier zum Abschluß dieser Zeitspanne ein Rückblick auf die Verschiebungen geworfen werden, welche innerhalb der jüdischen Bevölkerung in den vier Kreisen vor sich gingen. Kreis 1853 1871 1880 ^^« Neckarkreis 2809 4227 5288 - 88,3% Schwarzwaldkrcis 1476 1328 1505 -f 1,9 „ Jagstkreis 4230 4024 3911 - 7,5 „ Donaukreis 2572 2666 2627 2,1 zusammen 11088 12245 13331 + 20,2 „ Im Verlauf von 20 Jahren hatte sich die jüdische Bevölkerung des Neckarkreises durch Zuzug nahezu verdoppelt. Hier liegen die großen Städte Stuttgart, Heilbronn, Ludwigsburg, welche von der Ausgestaltung des Bahnwesens am meisten Vorteil zogen und eine handeltreibende Bevölkerung anlockten. Der Schwarzwald- und Donaukreis wiesen nur eine sehr schwache Zunahme auf, ersterer erst von 1871 ab, nachdem er bis dahin stets Menschen abgegeben hatte. Nur der