Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Der Rückgang der Geburtenziffer bei den russischen Juden
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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— 55 — blieben ist. Daraus ergibt sich das traurige Resultat-, daß die Zuwachsquote unserer Juden während eines Dezenniums mehr als um das Doppelte gesunken ist, — eine Tatsache, die für manchen Außenstehenden vielleicht verblüffend seil) ward. Daß die Ursache dafür nur in der Befolgung malthusischer Ideen zu suchen ist, ist erstens daraus zu folgern, daß die Bevölkerungszahl vonElisabethgrad in ihrem jüdischen Teil jedenfalls nicht ab-, sondern eher zugenommen hat. Und als zweiter wichtiger Beweisgrund dafür kann die Tatsache dienen, daß nach Tabelle I auch die Zahl der Ehen, wenn man der geringen Zunahme keine Bedeutung zuschreiben will, sich wenigstens nicht vermindert hat. Es entfallen somit jetzt auf jede Ehe weniger Kinder als früher, wTas nur durch den Gebrauch verschiedener Vorbeugungsmittel zu erklären ist. Leider wird die geringere Geburtenhäufigkeit infolge der schlechten hygienischen Verhältnisse in Rußland nicht durch die entsprechend geringere und ebenfalls allmählich, wenn auch selbstverständlich nicht in demselben Grade sinkende Sterblichkeit kompensiert, wie es in Deutschland der Fall ist. Diese Inkongruenz der Erscheinungen kam einst, und zwar in nicht so weiter Ferne fatal werden für die jüdische Bevölkerung Rußlands. Nun wird man sagen, diese Schwarzseherei sei nicht gut angebracht und nicht genügend begründet, da das Beobachtungsmaterial im Verhältnis zur Gesamtstärke der russischen Judenheit ein zu geringes ist. Dieser scheinbar berechtigte Einwurf wird dadurch entkräftet, daß auch jetzt schon genug Material vorliegt, um den von mir festgestellten Tatsachen volle Giltigkeit zu verleihen. So ist im 12. Bande der russischen Ausgabe der „Jewish Encyklopedia", S. 59, eine Tabelle über die Geburten- und Todesfälle unter den Juden in Odessa veröffentlicht worden, die in ihren Endresultaten mit den meinigen übereinstimmt. Ich gebe sie hier wieder (Tabelle II), vervollständigt durch die mir bereitwilligst von Rabbiner Polinkowsky mitgeteilten Zahlen der Eheschließungen für die entsprechenden Jahrgänge. | Die Zahl der Juden in Odessa, die im; Jahre 1897 138 935 betragen und seitdem I kaum nennenswerte Veränderung aufzuweisen! Tabelle II. | Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Odessa. Jahr geboren gestorben Zuwachs Eherizahl 1899 4901 2986 1915 1614 1900 4926 3442 1484 1455 1901 4914 3316 1598 1539 1902 5214 3229 1985 1672 1903 5385 3614 1771 1741 1901 5219 3834 1385 1609 IDOo 3988 4209 — 221 1203 1906 3784 3080 704 1668 1907 3665 3001 664 1468 1908 3703 2959 744 1319 1909 3379 3435 — 56 1252 1910 3507 2867 640 1372 hat, ist groß genug, um bindende Schlüsse zuzulassen. Nun sehen wir, daß auch dort die Geburtenzahl rapide fällt bei fast unveränderter Sterblichkeit. Nur sind die Verhältnisse in Odessa noch trauriger, in dem dort Jahrgänge mit negativem Zuwachs auftreten. Und wenn auch die erste negative! ö Zahl auf das Revolutionsjahr 1905 fällt, wofür erklärende Gründe hauptsächlich in den Opfern der Oktobertage zu suchen sind, so ist die zweite obgleich bedeutend geringere im Jahre 1909 nur den schlechten sozialen und hygienischen Lebensbedingungen zuzuschreiben, wTas bei den jetzigen Verhältnissen in Rußland kein außerordentliches Ereignis ist und deshalb bei fast unvermeidlicher Wiederholung wohl zu demselben Resultat führen wird. In Abweichung von den Beobachtungen in Elisabethgrad ist in Odessa auch die Ehenzahl etwas gesunken, aber bei weitem nicht in dem Maße wie die Geburtenzahl, und ist deshalb auch hier der fast um das Dreifache heruntergegangene Jahreszuwachs nur als die Folge der antikonzeptionellen Mittel zu be- | trachten. Es steht somit fest, daß bei den rus- I sischen Juden ein bedeutender Rückgang! der Geburtenzahl und mit ihm auch