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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. Seite 54

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
Der Rückgang der Geburtenziffer bei den russischen Juden
Date
1913-04-01
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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- 54 — rumänischen und anderen östlichen Juden sind; Arme und Elende, und ihre Not schreit zum : Himmel. Aber es sind uns Fremde, sie wollen es sein, und ihre Art zu denken, zu ' erwerben, zu leben paßt nicht in das Wesen; und die Ordnung der westlichen Kulturstaaten.! Man helfe diesen Juden des Ostens aus dem Jammer ihres Leibes und ihrer Seele — so; wie jeder die Hilfe für am wirksamsten hält. Nur nicht länger auf die Weise, daß man sie unbeschränkt bei uns aufnimmt. Diese; Juden sind unser aller Unglück; sie lassen \ immer von neuem Schranken erstehen, führen i uns immer wieder Ghettoluft zu und sind die; größte Gefahr für das Gedeihen und die Harmonie der Völker. Es ist im höchsten \ Maße beklagenswert, daß die Erkenntnis und; jeder Versuch der Abwehr dieser Gefahr bis- : lang als ein Zeichen politisch-reaktionärer i Gesinnung betrachtet und in den Parlamenten : demgemäß nur den ganz rechts stehenden Parteien überlassen worden ist." j Diese Worte stammen von Max Marcuse! und finden sich in der Zeitschrift „Sexualj Prob lerne1,4. j Die für das deutsche Judentum bestehende j Gefahr scheint wirklich groß zu sein, wenn j ein Autor in einem sonst ruhig gehaltenen j Artikel über die „christlich-jüdische Misch-; ehe" (obige Zeitschrift, 1912, S. 691—749) am \ Schluß (S. 748) zu den zitierten Angst-Hallu- | zinationen gelangt. Indem ich jene Äußerungen j entschieden zurückweise, möchte ich nur! darauf hinweisen, daß Marcuse jede historische Perspektive fehlt, da vielleicht sein Vater, gewiß aber sein Großvater auf dem Kulturniveau der mittleren russischen Juden von heute gestanden haben, und er deshalb für Deutschland doch nicht verloren gegangen ist. Und wenn er meint, etwas neues gesagt zu haben, so irrt er sich: er möge die Gej schichte der Juden in Bordeaux nachlesen, j wo erfinden wird, daß die dortigen Sephardim | seinerzeit die Aschkenasim oder deutschen Juden als kulturfeindliches Element hinstellten, ebenso wie er es jetzt den russischen j gegenüber tut. i Alle Diejenigen, die mit mir der Meinung sind, daß obige Worte nicht ohne Widerspruch bleiben dürfen, werden die scheinbare Abweichung vom eigentlichen Thema entschuldigen. Zu letzterem übergehend, muß ich vorwegnehmen, daß das russische Judentum nur dem Uneingeweihten als stagnierende Masse erscheinen kann, denn in Wirklichkeit wird es von denselben Problemen bewegt, die auch sonst in Europa in Geltung sind. Und so sehen wir auch da unter anderem den Neomalthusianismus in fast erschreckender Schnelle Einkehr halten. Die Zeit ist vielleicht nicht so fern, wo die Überproduktion in Rußland nicht mehr so groß sein wird, um den ruhigen Schlaf Marcuses beeinträchtigen zu können. Der Rückgang der Geburtenzahl fiel mir als praktischem Arzt in meinem Wirkungskreise in E1 i s a b e th grad schonlängst auf, und habe ich diese Tatsache auch statistisch feststellen können. In meiner Abhandlung: „Zur Biotik der südrussischen Juden" im „Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie", 1912, S. 200—206, habe ich die betreffenden Verhältnisse ausführlich erläutert und möchte hier nur die gewonnenen Resultate kurz wiedergeben. Tabelle I- Bevvegung der jüdischen Bevölkerung in Elisabethgrad. Jahr geboren gestorben Zuwachs Ehenzah! 1901 841 415 426 183 1902 922 423 499 211 1903 915 475 440 238 1904 966 520 446 243 1905 717 455 262 1U 1906 733 475 258 226 1907 743 494 249 211 1908 697 435 262 232 1909 650 463 187 204 1910 586 531 55 246 1911 611 395 216 221 Tabelle 1 zeigt, daß die Geburtenzahl bei den Juden in Elisabethgrad im Laufe der Jahre 1901—1911 um etwa 30 Prozent abgenommen hat, während die Sterblichkeit unter ihnen ungefähr auf demselben Niveau ge-

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