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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. Seite 52

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910
Date
1913-04-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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- 52 - fachte sich in der darauffolgendenZeitspannevon 1852 bis 1855, wo sie durchschnittlich jährlich die Höhe von 1,23% erreichte. Erst in den folgenden Jahren bahnte sich eine leise Besserung an. Es sank die Zahl der Ehen, die Fruchtbarkeit ließ nach, die Sterblichkeit stieg und eine massenhafte Auswanderung lichtete die Bevölkerung. Rümelin hat die Zeit von 184!) bis 1861 sorgfältig untersucht und beschreibt sie in einem Aufsatz „Die württembergische Bevölkerung nach dem Alter, Geschlecht und Familienstand auf Grund der Zählung voni31. Dezember 1861" im Jahrgang 1863 der einleitend genannten „Württembergischen Jahrbücher" folgendermaßen: „Im Jahre 1849 erscheint in der Volkszählung eine Abnahme der Familienzahl, während die Seelenzahl in diesem Jahre noch steigt. Bei der Volkszählung von 1852 dagegen tritt teilweise wohl infolge gleichzeitiger Mißernten eine nicht unbedeutende Verminderung der Familien- und Personenzahl zugleich auf. Dies wiederholt sich in noch stärkerem Maße bei der Volkszählung von 1855, namentlich infolge der äußerst starken Auswanderung und der vermehrten Sterblichliehkeit. Die Familien- und Seelenzahl sank auf einen niederen Stand als auf den des Jahres 1843 zurück. Erst die Zählung von 1858 ergab wieder eine namhafte Zunahme der Bevölkerung. Von 1846 bis 1861 betrug der Verlust der württembergischem Bevölkerung 190 241 Personen oder mehr als Vg der mittleren Bevölkerungszahl während dieses Zeitraums. 15 Jahre waren erforderlich, um auf den Stand von 1849, von welchem die Bevölkerung bis 1855 um fast 75 000 Seelen zurückgewichen war, hinaufzusteigen. Da das Jahr 1849 noch eine mittelgute Ernte und einen außerordentlichen Öbstsegen, das Jahr 1850 noch eine der höchsten Geburtenzahlen bei einer mäßigen Auswanderung und enormer Sterblichkeit aufweist, selbst aber die Reihe der ungünstigen und schlechten Weinjahre eröffnet, so ist die höchste Wahrscheinlichkeit, daß die ländliche Bevölkerung noch bis in die zweite Hälfte des Jahres 1850 im Zunehmen war und damals einen Stand erreicht haben muß, der den Stand des späteren Jahres 1861 noch übertrifft. Die rückläufige Bewegung, welche Ende 1850 oder im Frühjahr 1851 begonnen hat, kann hinsichtlich ihrer Dauer nicht mit aller Sicherheit festgestellt werden. Wahrscheinlich dauerte sie bis in die Periode 1855/58. Das Jahr 1854 bedeutet den Höhepunkt des Notstandes und der Auswanderung zugleich, aber eine reiche und gute Ernte dieses Jahres war der Anfang der Besserung. Der Umschlag begann frühestens im Jahre 1856, sodaß die rückläufige Bewegung im ganzen sechs Jahre gedauert hat, dagegen volle acht Jahre notwendig waren, um auf die früher erreichte Volkszahl zurückzukehren." Wie verhielt sich die jüdische Bevölkerung in dieser Zeit? War ihr Wachstum in der früheren Zeit stärker gewesen als bei der übrigen Bevölkerung, so war der Verlust, den sie jetzt erlitt, andrerseits stärker als bei der Gesamtbevölkerung. Letztere ging von 1846 bis 1858 um 3,5% zurück, die jüdische Bevölkerung um das dreifache, nämlich um mehr als 10'V0. Der absolute Rückgang der | Juden betrug 1268, sodaß ihre Zahl im Jahre | 1858 nurmehr 11088-0,65% ausmachte. Ob! auch bei den Juden eine Abnahme der Eben I und Fruchtbarkeit stattfand, begleitet von j einer steigenden Sterblichkeit, wissen wir | nicht; zweifellos aber ist der Hauptverlust | auf das Konto der Auswanderung zu setzen. | Die starke Auswanderung, welche ani fangs der 50 er Jahre einsetzt, lenkte die | Aufmerksamkeit der Regierung auf diese | volkswirtschaftlich sehr unerfreuliche Er- I scheinung, und es fand von 1856 bis 1871 all-; jährlich eine Feststellung der Zahl der Aus- | und Einwanderer statt mit Unterscheidung | nach dem Alter, der Konfession, dem Berufe, j dem Ziel und der Herkunft der Wandernden.! Da aber neben der gesetzlich ermittelten | Wanderung auch noch eine illegale stattfand, i indem Viele das Land verließen, ohne ihren j Wegzug bei der Behörde anzumelden, so! spiegelt sich in den amtlichen Ziffern die

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