Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 51 — 1778 Personen-= 20%. Die Juden nahmen an der günstigen Entwicklung des Landes teil. Es war im Lande leicht zu leben. Die Segnungen des lange entbehrten Friedens und freier Entwicklung aller Kräfte trugen damals die ersten Früchte. Die Juden wohnten zumeist noch in den Dörfern, und die guten Ernten jener Jahre, weiche das Gedeihen der Landwirtschaft zur Folge hatten, förderten auch die Wirtschaftslage und damit die Vermehrung der Juden. Es wohnten 1821 die meisten Juden in nachstehenden Oberämtern: Horb 1461, Mergentheim 1061, Künzelsau 1049, Neresheim 1021, Gerabronn 636, Riedlingen 718, Wiblingen 624, Neckarsulm 529. In der folgenden Periode von 1832 bis 1846 hielt die starke Zunahme an. Es wuchs die Zahl der Juden um 15,8 %, mehr als die der Evangelischen, die sich um 11,7% vermehrten und der Katholiken, die um 9,7 % zunahmen. Die jüdische Bevölkerung zählte im Jahre 1846, also in dem Zeitpunkt, wo bereits, w7ie oben geschildert, der wirtschaftliche Abstieg Württembergs einsetzte, 12 356 Personen 0,70 % der gesamten Bevölkerung des Landes. Gleich der Gesamtbevolkerung hatten auch die Juden damals ihren ersten Höhepunkt der Entwicklung erreicht. Die sich verschlechternde Lage der Landwirtschaft einerseits und das allmählich leise einsetzende industrielle Leben, vor allem aber die Hebung des Verkehrs durch den Bau von Eisenbahnen bewirkten, daß sich innerhalb der wüittembergischen Judenheit eine Bewegung nach doppelter Richtung hin geltend machte. Es begann einmal der Fortzug aus den zersteuten alten Judendörfern, die sich meist auf deutsch-ordenschem und ritterschaftlichem Gebiete gebildet hatten; man verläßt allmählich das Land und siedelt in die früher verschlossenen Städte über. Es verteilten sich die Juden noch im Jahre 1846 folgendermaßen auf Stadt und Land: in den Städten 2 326, in den Dörfern 10 030, d. h. von je 100 Juden saßen in den Dörfern 81,17 , in den Städten erst 18,83. Ferner hebt am Ende der Periode bereits die Auswanderung an, die erst im kommenden Jahrzehnt starke Dimensionen annahm. Stellen wTir zum Schluße noch die Verteilung der Juden auf die vier Kreise für die Jahre 1832 und 1846 einander gegenüber: Kreis 1832 1846 Zuwachs in % Neckarkreis.... 2376 2701 14 Schwarzw^aldkreis 1691 1953 16 Jagstkreis..... 4507 5095 13 Donaukreis .... 2096 2607 24 zusammen 10670 12356 16 Am stärksten war die Vermehrung im Donaukreis, am geringsten im Jagstkreis. Die Juden wohnten im Neckar- und Schwarzwaldkreis mehr in den Dörfern, in den beiden anderen Kreisen mehr in den Städten. Die zahlreichsten Niederlassungen hatten die Städte im Jagstkreis, sehr selten dagegen waren die Juden in den Städten des Schwarzwaldkreises. Die Zahlen für den SchwarzwTaldkreis sind besonders charakteristisch; hier, wo die Juden am meisten Landbewohner waren, waren sie auch am meisten abhängig von der Wirtschaftslage der ackerbautreibenden Bevölkerung. Ging es dieser gut, so ging es auch ihnen gut, und die hohe Zunahme von 16 % zeigt, daß das Prosperieren der Landbevölkerung ihnen ebenfalls zugute kam. Später ist gerade dieser Kreis am stärksten von der Abwanderung der Juden betroffen worden. Kehren wir nunmehr zur Gesamtbevölkerung zurück und verfolgen ihre Entwicklung in der unglücklichen Periode 1849 bis 1858. r*hi„„„ Volks- Abs. Zuwachs ^Kll?*' Zählung _ui au„u_ Zubezw. zahl bezw. Abnahme Abnahme 1849 1744 595 — — 1852 1733 263 — 11332 — 0,23 1855 1 669 720 — 63 543 — 1,23 1858 1 690 898 + 21 178 + 0,42 Die wirtschaftliche Katastrophe, welche über Württemberg Ende der 40 er Jahre hereinbrach, hatte einen bedeutenden Rückgang der Bevölkerungsziffer zur Folge. In der Zeit von 1849 bis 1852 betrug die durchschnittliche jährliche Abnahme 0,23% und verfünf-