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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. Seite 50

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910
Date
1913-04-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 — Württemberg seit den 20 er Jahren des 19. Jahrhunderts ziemlich genau orientiert sind. Wenn auch leider für die Juden sowohl wie für die übrigen Konfessionen nicht jene Faktoren, die für die Entwicklung einer Bevölkerung grundbedingend sind, Geburten, Sterbefälle und Wanderungen — wenigstens bis in die neueste Zeit — gesondert behandelt sind, so ist doch von den Bearbeitern der Volkszählungen nie unterlassen worden, mit längeren oder kürzeren auf große Sachkenntnis gestützten Bemerkungen jeweils auch die Verhältnisse der einzelnen Konfessionen zu j skizzieren und über die Verteilung nach dem; Geschlecht, die örtliche Gliederung, den Zug i vom Lande in die Stadt, Aufschluß zu geben. ■ Da die Juden bis in die Mitte des 19. Jahr- \ hunderts hinein zum weitaus größten Teil j noch auf dem Lande wohnten, wird ihr Schick- I sal durch das Schicksal der Landbevölkerung; mitbestimmt. Wir werden daher versuchen i müssen, aus der Darstellung der Wirtschafts-; läge der Gesamtbevölkerung rüeksehließend den Gang der Entwicklung, welchen die jüdische Bevölkerung genommen hat, zu kon-; struieren. j Beginnen wir mit dem Jahre 1812, für j welches wir bereits ganz zuverlässige Angaben j über die Zahl der Gesamtbevölkerung besitzen und lassen die Zeit von 1812 bis 1849, die erste Periode der württembeigischen Wirtschaftsgeschichte im vorigen Jahrhundert an uns vorüberziehen, wie sie sich in dem Zuwachs bezw. Abgang der Bevölkerung während der einzelnen Zählungen wiederspiegelt: . , Volks- Abs. Zunahme jährliche ' zahl bezw. Abnahme proz. Zunahme 1812 1379 501 — — 1817 1394 376 14875 0,21 1822 1458 749 64373 0,92 1827 1535356 76607 1,05 1832 1578147 42 791 0,57 1834 1571012 — 7135 — 0,09 1837 1612073 41061 0,52 1840 1646871 34798 0,43 1843 1680 798 33927 0,41 1846 1726 716 45 918 0,43 1849 1744 595 17 879 0,21 Der geringe Zuwachs der Bevölkerung von 1812 bis 1817 ist eine Folge der Krisenjahre und der Teuerung, die auf ihnen folgte. In der steigenden Vermehrung von 1817—1827 dagegen kommt deutlich die Wirkung der fruchtbaren 20 er Jahre mit ihren reichen Ernten zum Ausdruck. Nach einem kurzen plötzlichen Niedergang von 1827 bis 1832, der sogar zu einer vorübergehenden absoluten Abnahme der Bevölkerung führte, beginnt eine Periode ruhiger Entwicklung, die bis 1849 dauerte. Es stieg in dieser Zeit die Bevölkerung, Avenn man ihre Zahl für 1834 mit 1000 ansetzt, auf 1111 im Jahre 1849. Die Periode kann charakterisiert werden als eine Zeit weitgehender Parzellierung des Grund und Bodens, befördert durch den Mangel an größerer Industrie, in welcher die im Ackerbau und Kleingewerbe entbehrlichen Kräfte hätten beschäftigt werden können, begünstigt ferner durch das Geldkapital, das seine Anlage hauptsächlich gegen Verpfändung von Liegenschaften suchte, und war deshalb die Zeit einer fortschreitenden Vermehrung der Bevölkerungszahl, mit der aber die Steigerung der Erwerbsverhältnisse nicht gleichen Schritt zu halten vermochte. Als daher Mitte der 40 er Jahre die Kartoffelkrankheit sich immer mehr ausbreitete und hierdurch vielen bäuerlichen Wirtschaften das Fundament entzogen wurde, und als ferner zur Kreditlosigkeit und Entwertung von Immobilien anfangs der 50 er Jahre noch vier unzureichende Ernten kamen, mußte eine durch die genannten Ursachen vorbereitete wirtschaftliche Katastrophe hereinbrechen. Verfolgen wir nun einen Augenblick die gleichzeitige Entwickelung der jüdischen Bevölkerung. Wir besitzen genaue Angaben über die Zahl der Juden erst ab 1821. Es betrug damals die Zahl der Juden 8892 0,61% der Gesamtbevölkerung, im Jahre 1829 bereits 10196 - 0,65% und im Jahre 1832 10670 0,68%. Es wuchs also in der Zeit von 1821 bis 1832 die jüdische Bevölkerung etwras stärker als die Gesamtbevölkerung. Die Zunahme von 1821 bis 1832 betrug

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