Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
Die Entwickelung der jüdischen Bevölkerung in Berlin von 1811 - 1910
Date
1913-01-01
Page
Seite 11 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2650397-3187730-3187731-3192870--3725-3192909
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— ii — In der gleichen Zeit hat trotz der ungünstigen Verhältnisse ein ausserordentlich; starkes Wachstum der jüdischen Bevöl- \ kerung stattgefunden. Mit Ausnahme der \ Jahre 1852—1855 betrug die jährliche Zunahme 7 Proz. Der Geburtenüberschuss ' von 1846—1858 belief sich bei den Juden; auf 1067 Personen, die Zuwanderung auf 6343, war also 6 mal so stark als die natür-; liehe Zunahme. Besonders gross war sie; in den Jahren 1855 bis 1858, wo sie 2524 ■ Personen, d. h. 6,64 Proz. im Jahre ausmachte. Vom Anfang der sechziger Jahre ab be-; ginnt Berlin sich zur Weltstadt zu ent-; wickeln. 1861 hatte die Berliner Bevöl- \ kerung die halbe Million überschritten;; von 1861—1871 wuchs sie an auf 825 000, \ also um 300 000, d. h. um mehr als die : Hälfte; in den folgenden 10 Jahren auf; 1 122 000, d. h. um 61 Prozent; von j 1871—1875 allein um 140 000 Menschen. I Bis 1890 hielt das Anschwellen der Berliner j Bevölkerung an. Die Ent Wickelung der ' jüdischen Bevölkerung hielt gleichen Schritt i vermöge einer gewaltigen Einwanderung.; Es war nicht der Geburtenüberschuss, dem I die Berliner Gemeinde ihre Grösse ver- | dankt, sondern die Zuwanderung. Stellen j wir für die Jahre 1861/64 bis 1890 die natürliche Zunahme und die Wanderung ein- | ander gegenüber. j natürliche Zunahme Zuwanderung 1861/64 366 4961 1864/67 879 2448 1867/71 1273 7135 1.871/75 2209 7240 1875/80 3307 5145 1880/85 2885 7582 1885/90 2843 12060 Am stärksten war der Geburtenüberschuss im Jahrfünft 1875/80, die Wanderung im Jahrfünft 1885/90. Die Folge dieser großen Zuwanderung war, dass schon im Jahre 1875 nur 32 Proz, aller Juden in Berlin geboren waren, dagegen 67,89 Proz. zugezogen. Im Jahre 1880 hatte sich das gegenseitige Verhältnis etwas gebessert, indem 34,37 Proz. geborene Berliner waren. Von den Zugezogenen stammten damals aus Brandenburg 7.3 Proz., Pommern 5 Proz., Ost- und Westpreussen 12 Proz., Posen 18 Proz., Schlesien 9 Proz. Die übrigen Provinzen waren nur schwach vertreten, ebenso das Ausland. Die Zuwanderung aus dem Auslande hatte infolge der Ausweisung Anfangs der 80 iger Jahre ihr Ende erreicht, begann erst wieder in der zweiten Hälfte der 90 iger Jahre und nahm im ersten Jahrfünft dieses Jahrhunderts grössere Dimensionen an; es betrug im Jahre 1900 die Zahl der Reichsausländer in Berlin 11 651, d. h. 12,6 Proz., 1905 18 316, d. h. 18,4 Proz. Seit den 90 iger Jahren beginnt die Zunahme der Berliner Bevölkerung, sowohl der Gesamtbevöikerung wie der Juden immer mehr nachzulassen. Der Grund liegt darin, dass Berlin selbst mit Menschen gesättigt ist. Dagegen gewinnen die Vororte, namentlich Charlottenburg, Wilmersdorf, Schöneberg und Neukölln immer mehr an Bedeutung und schwellen zu Gross-Städten an. Wir müssen daher, um die weitere Entwickelung Berlins zu verfolgen, Gross-Berlin bezw. den Bezirk der jüdischen Grossgemeinde in den Kreis unserer Betrachtung ziehen. Die jüdische Grossgemeinde umfasst folgende Ortschaften: Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Dt. Wilmersdorf, Neukölln, ausserdem aus dem Kreise Teltow 29 und aus dem Kreise Nieder-Barnim 23 | Orte. Eine exakte Berechnung der Bevöl- | kerung des ganzen Gemeindebezirks lässt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.