Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Die Entwickelung der jüdischen Bevölkerung in Berlin von 1811 - 1910
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 5)
- Language
- German
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— 12 — sich nur für die Jahre 1871, 1885, 1895 und 1905 und 1910 herstellen, was in folgender Tabelle geschehen ist. Jahr Gesamtb e - völkerung Juden % der Juden 1871 874117 36326 4,15 1885 1412884 65611 4,45 1895 2104043 94391 4,48 1905 3030757 130487 4,30 1910 8510251 142289 4,05 Vergleicht man den Bezirk der Grossgemeinde mit dem Stadtkreis Berlin, so sieht man, dass in Berlin selbst der Anteil der Juden grösser ist als im Gemeindebezirk, Die Entwicklung ist dagegen in gleicher Weise vor sich gegangen. Auch hier beginnt die Abnahme des Prozentsatzes im Jahre 1895; die Gesamtbevölkerung ist eben stärker gewachsen als die jüdische Bevölkerung. Greifen wir zum Schlüsse die wichtigsten Vororte Berlins heraus und verfolgen die jüdische Bevölkerung zurück bis 1871: Städte Absolute Zahl der Juden 1871 1885 1895 1900 1905 1910 Charlotttobg. 142 478 4687 9701 15604 22580 Schöneberg 35 159 1399 2994 6929 1641 Wilmersdorf 8 14 354 989 4297 9698 Neukölln — 82 220 450 1176 2980 Lichtenberg 6 41 185 316 471 685 Am grössten ist gegenwärtig der Prozentsatz der Juden in Wilmersdorf, wo er 8,8 beträgt, hierauf folgt Charlottenburg mit 7,3 und an dritter Stelle Schöneberg mit 6,7. In einem zweiten Aufsatz soll die natürliche Bewegung der jüdischen Bevölkerung Berlins eingehend behandelt werden. Austritte aus dem Judentum in Oesterreich Von Maximilian Paul-Schiff, Wien. Ich habe wiederholt, u. a, auch an dieser Stelle auf irrige Deutungen hingewiesen, denen die statistischen Ziffern betreffend die Austritte aus dem Judentum in Oesterreich ausgesetzt sind. Auch die Erläuterungen, welche zu den im Septemberheft des vorigen Jahrgangs enthaltenen statistischen Ziffern gegeben jsind, stellten die tatsächlichen Verhältnisse teilweise unrichtig dar. 1. Der Verlust, von 2 818 Personen, welchen die jüdische Gemeinde in Wien innerhalb 5 Jahren erlitten hat, ist — wie richtig bemerkt — tatsächlich weit grösser, da Kinder unter 6 Jahren, welche automatisch mit den Eltern übertreten, von der Statistik nicht erfasst werden. Zu Vergleichszwecken kann aber diese Ziffer nicht verwendet unzulässig. Ein nicht unerheblicher Teil der Austritte ist schliesslich auf das Konto der Sozialdemokraten zu buchen, die im Gegensatz zu Deutschland (s. die Selbstbiographie der Sozialdemokrat. Reichstagsabgeordneten in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", 1912) den Austritt als klassenbewusste Pflicht anzusehen scheinen. Diese Erscheinung gehört zu den vielen Ueberspanntheiten, welche die Politik in Oesterreich zeitigt. 2. Die grosse Zahl der Austritte beim ledigen weiblichen Geschlecht findet ihre Erklärung darin, dass viele vermögenslose Jüdinnen eher von Christen als von Juden geheiratet werden. Dieses unbestreitbare, durch die tägliche Erfahrung bestätigte Faktum ist, — man mag die wirtschaftliche Fundierung der Ehe noch so richtig finden, — nicht auf die Aktivseite des Judentums zu buchen. 3. Der auf pag. 132 enthaltene Hinweis,