Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Die Entwickelung der jüdischen Bevölkerung in Berlin von 1811 - 1910
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 3)
- Language
- German
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— 10 — in 2 Jahren um 14 Proz. abnahmen. Der Aufschwung nach den Freiheitskriegen dauerte nur ganz kurze Zeit. Dann kam eine schwere wirtschaftliche Depression, die namentlich in den Jahren 1816 und 1817 besonders stark war, wie aus dem Stillstand der Bevölkerungsziffer ersichtlich ist. Die Gesamtbevölkerung Berlins wuchs in diesen drei Jahren nicht einmal um 1 Proz. im Jahre; auch bei den Juden war die Zunahme im Vergleich zu der vorhergehenden Zeit gering. Erst von 1822 ab machte sich eine Besserung bemerkbar, die in dem gleichmässigen Wachstum der Berliner Bevölkerung — mit Ausnahme der 2 Zeitstrecken 1833—1840 und 1843—1846 — zum Ausdrucke kommt. Es war dies eine Zeit, in welcher Berlin unter der Einwirkung der Gewerbefreiheit und Zollgesetzgebung auf dem Gebiete der Industrie und des Handels sich zu entwickeln begann. Bei den Juden ging das Wachstum nicht in gleicher Weise vor sich, sondern zeigte ein Auf und Nieder, wie es bei einer Bevölkerung der Fall zu sein pflegt, die starken Zustrom von Aussen erhält. Die Entwickelung ging wellenmässig vor sich; so folgte auf die grosse Zunahme von 4,76 Proz. in den Jahren 1828—1831 ein Sinken bis 1,35 Proz. in den Jahren 1834—1837; hierauf ein abermaliges Anschwellen bis auf 9,78 Proz. in den Jahren 1840—1843 und darauf sogar eine Abnahme von 0,43 Proz. Die Eigenentwicklung der jüdischen Bevölkerung in Berlin während dieser Zeitstrecke war überaus gering. Der Geburtenüberschuss betrug von 1816—1840 -nicht mehr als 570 Personen. Erwägt man, dass damals die Taufbewegung sehr stark war, so würden sich die Juden in Berlin überhaupt nicht vermehrt haben, wenn nicht die Zuwanderung stattgefunden hätte. Der Geburtenüberschuss ist in Berlin im Verhältnis zur Grösse der Bevölkerung nie besonders hoch gewesen. Es war zwar die Geburtenziffer recht hoch, aber die Sterblichkeit war ebenfalls sehr beträchtlich. So betrug die Zahl der Geburten 1816/19 254, der Sterbefälle 240, 1819/22 die Zahl der : Geburten 286, der Sterbefälle 260, 1828/31 i die Zahl der Geburten 328, der Sterbefälle j 310, 1838/41 die Zahl der Geburten 458, der : Sterbefälle 460. Die Geburtenziffer, d. h. die Zahl der Geburten auf 1000 Juden belief j sich im Jahre 1816 auf 29,6 pro °/oo, 1331 | 27,2 pro °/oo, die Sterbeziffer im Jahre 1816 ■ 26,6 pro a/oo, im Jahre 1831 24 pro 0/s9. Rechnungsmässig wanderten von 1816 bis 1846 4697 Personen zu, in Wirklichkeit wird I wohl wegen der Zahl der Taufen die Zuwanderung noch stärker gewesen sein. Sie war am höchsten in den 3 Jahren 1843— 1846, wo 1206 Juden nach Berlin zogen. Es wanderten durchschnittlich ein in den Jahren; 1816/19 2,21 Proz. 1828/31 3,87 Proz. 1837/40 4,77 Proz. 1840/43 8,91 Proz. Die Zeit von 1846 bis 58, das ist die Zeit der Verfassungskämpfe und der darauf folgenden Reaktion, brachte grosse Geschäftsstörungen und Arbeitslosigkeit. Im Lande selbst begann sich zwar nach der Gewährung der Verfassung wieder frisches Leben zu entfalten, aber Berlin selbst litt sehr unter den unruhigen Zeiten. Die Bevölkerung wuchs von 1846 bis 1849 nur um 1 Proz. jährlich, von da ab bis 1852 noch weniger. Von 1855—1858 an steigt die Zunahme auf 2 Proz. jährlich. Erst zu Ende der Reaktionszeit ist in Berlin wieder ein regeres wirtschaftliches Leben zu bemer- | ken.