Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- Die Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910 und die jüdische Bevölkerung in Oesterreich
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 146 (sequence 4)
- Language
- German
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— 146 — schuss im eigenen Gebiete nicht unterbringen können. Parallel mit der Zunahme bezw. Abnahme der Gesamtbevölkerung in den einzelnen Kronländern und Landesteilen, lässt sich die Zu- und Abnahme der jüdischen Bevölkerung konstatieren. Denn es ist natürlich, dass die Juden als ein wirtschaftlich vermittelnder Faktor, als Träger des Handels und Verkehrs, jene Gegenden als für sie wirtschaftlich unfruchtbar verlassen, wo die Bevölkerung abnimmt, dagegen naturgemäss jene Gegenden autsuchen, wo eine stärkere Zunahme der Bevölkerung zu verzeichnen ist. Wenn wir die Verteilung der jüdischen Bevölkerung auf die einzelnen Kronländer durchgehen, so lässt sich Folgendes konstatieren: Niederösterreich weist auch weiterhin eine starke Zunahme jüdischer Einwohner auf: 17,49 Proz. gegen 13,91 der Gesamtbevölkerimg, was hauptsächlich auf Rechnung von Wien und seiner nächsten Umgebung zu stellen istF wo ihre Zunahme noch immer mehr beträgt, obwohl sie gleichfalls prozentuell im Sinken begriffen ist. Von den 184,779 Juden Niederösterreichs wohnen in Wien 175,318 (8,6 Proz. der Einwohnerschaft1}; nächst Wien weist Niederösterreich in dem heute bereits sozusagen eine Zubehör der Reichshauptstadt bildenden Gerichtsbezirk Baden am meisten jüdische Einwohner auf (1015). In den übrigen Alpenländern blieben die Juden nach wie vor hauptsächlich auf die grösseren Städte beschränkt. Die Zahl der Juden hat in den letzten 10 Jahren fast in sämtlichen Alpenländern, wenn auch unbedeutend, zugenommen; infolge ihrer verhältnismässig geringen Zahl wurden sie in der IL Tabelle betreffend den *) Wien wies im Jahre 1880 — 73,222, im Jahre 1890 — 118,495, im Jahre 1900 — 146,926 jüdische Einwohner auf! Zunahmebezw. Abnahmeprozentsatz der Bevölkerung nicht angeführt. Von den 1215 Juden Oberes i^erreichs wohnt die Haifie (608, d. 0,3 Prozent der Einwohnerschaft) in der 1 andenshauptstatd Linz; die 285 Juden Salzburgs wohnen fast durchwegs (237, d. i. 0,6 Prozent der Einwohnerschaft) in der gleichnamigen Landeshauptstadt, Von den 2895 Juden Steiermarks wohnen in der Landeshauptstadt Graz 1971 (1.3 Proz. der Einwohnerschaft), Von 341 Juden Kärntens bewohnen die liautpstadt Klagenfurt 214 (0,7 Proz. der Einwohnerschaft); von 146 Juden in Krain wohnen in der Landesnauptstatd Laibach 116 (0,3 Prozent der Einwohnerschaft). Von 338 Juden in G ö r z u n d G r a d i s k a bewohnen die Hauptstadt Görz 252 (0,8 Prozent der Einwohnerschaft), Triest samt Umgebung weist zufolge seiner kommerziell hervorragenden Stellung eine grosse Anzahl jüdischer Einwohner auf: 5498 bezw. in der Stadt selbst 5161 oder 3,2 Proz. der Einwohnerschaft. In Istrien bewohnen die 667 Juden hauptsächlich die Bezirksgerichte, bezw. die Städte Poia (208) (0,3 Proz. der Einwohnerschaft), und Volosca (398) d. i, 1 Proz, der Einwohnerschaft), Tirol beherbergt von seinen 1624 Juden in der Hauptstadt Innsbruck 384 (0,7 Prozent der Einwohnerschaft), im Bezirksgerichte bezw. in der Stadt Meran 904 (2,3 Proz. der Einwohnerschaft). In V o rarlherg sind die wenigen (126) Juden hauptsächlich auf den Gerichtsbezirk •Dornbirn 70 (0,2 Proz. der Einwohnerschaft) bezw. die im Sprengel desselben gelegene alte Kultusgemeinde Hohenems beschränkt. Böhmen und Mähren, die beiden Kronländer West-Oesterreichs, welche —