Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- Die Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910 und die jüdische Bevölkerung in Oesterreich
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 145 (sequence 3)
- Language
- German
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— 145 — nen Länder den Ausdruck einer gleichartigen Entwicklung bildet, vielmehr nur das Ergebnis von oft recht verschiedenen Bevöikerungsverhältnissen kleinerer örtlicher Gebiete darstellt, bedingt durch die grosse Mannigfaltigkeit der wirtschaftlichen und physikalischen Verhältnisse der einzelnen Länder und kleineren Gebiete. In physikalischer Beziehung sind es bekanntlich die geographische Höhenlage, Klima etc., in wirtschaftlicher Beziehung der Charakter der Gegend (industrieller oder agrarischer), die Erwerbsverhältnisse, die verschiedenen Betriebsformen in der Landwirtschaft, Bodenbesitz und seine Verteilung und andere Umstände, welche nebst den Rasseneigentümlichkeiten sowohl den Grad der natürlichen Volksvermehrung als auch der Wanderbewegung bedingen. Was letztere betrifft, so erscheinen als Zuzugsgebiete meist die in fortgesetzter Industrieentwicklung begriffenen Grossstädte, wie Wien, Prag, Lemberg etc. und ihre unmittelbaren Nachbarbezirke, zumal die stark anwachsende Bevölkerung infolge der räumlichen Einschränkung des Stadtgebietes und des dadurch bedingten Wohnungsmangels immer mehr gezwungen ist, sich an der Peripherie und in den umliegenden Orten niederzulassen. Zuzugsgebiete sind ferner die einzelnen Industrie- und VerkehrsZentren, wie das Ostrauer-Kohlenrevier, bestehend aus den Bezirken: Mähr. Ostrau in Mähren, Pohl. Ostrau, Oderberg und Freiberg in Schles., weiter die Industriebezirke des nordöstlichen Böhmens, die Bezirke Chrzanow und Oswiechn, Drohobycz and Turka in Galizien etc. Während sich nun einerseits die Gebiete und Bezirke mit reicher Industrie oder regem Verkehr wanderungsaktiv gestalten, weisen andererseits die Gebiete mll n^rari^ciicvn Charakter meist eine passive Wanderungsbilanz auf, welche in der bekannten Erscheinung der Landflucht und des Zuge* in die Städte und Industriezentren zu Tage tritt, wobei diese an und für sich in volkswirtschaftlicher Beziehung höchst bedenkliche Entvölkerung agrarischer Gebiete zufolge der teilweise bereits abgeschwächten Aurnahmsfähigkeit der einheimischen Arbeitsmärkte den Strom der Auswanderer vielfach auch über die Staatsgrenzen und selbst über den Kontinent hinaus gelenkt hat. Eine Gegenüberstellung dieser zwei die Entwicklung der Bevölkerungzahl bestimmenden Faktoren ergibt bereits auf Grund der vorhandenen Daten, dass sowohl das Aktivuni der natürlichen Bewegung als auch das Passivum der Wanderungsbilanz im Steigen begriffen sind. Das Ergebnis dieser Veränderung ergibt, berechnet auf je 1000 Personen der in Betracht kommenden ortanwesenden Gesamtbevölkerung während der Perioden: Zunahme bezw. Abnahme; Du roll natürliche .Bewegung Durch che Wancicrbewegung Sröln tatsch lieh 1881 — 1890 - S.S1 - 0.9Ö - 7.9 1891 — 1900 -11.11 - 1.67 - 0.4-1 1900 - 1910 -11.87 — 2.61 - 9.20 sodass der aus der natürlichen Erstarkung des Volkes sich ergebende Gewinn ohne jedweden sichtbaren Effekt für die tatsächliche Zunahme der Bevölkerung durch die in viel rascherem Tempo zunehmende Auswanderung verloren geht. Die für die Juden in Betracht r. in enden Länder Galizien, Bukowina. Diahren, ferner Krain und Dairnatien weisen wohl die relativ höchsten natürlichen Zunahmen, aber auch die grosster? Verluste durch die Ali:-Wanderung auf. ein Zeichen, dass diese Länder den cv/enon starken Volksüber-