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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. Seite 147

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Article
Die Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910 und die jüdische Bevölkerung in Oesterreich
Date
1912-10-01
Page
Seite 147 (sequence 5)
Language
German
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— 147 — abgesehen von Wien — seit jeher am j meisten von Juden bewohnt waren, v/eisen insbesondere gegenüber dem Jahre 1900 einen weiteren starken absoluten wie relativen Rückgang der Juden, insbesondere auf j dem flachen Lande, auf. Die jüdische Bevölj kerung Böhmens hat im Zeiträume von 1891 bis 1900 um 1,84 Proz,, im Zeiträume 1901 bis 1910 sogar um 7,46 Proz. abgenommen, während die Gesamtbevölkerung des Landes inzwischen um 8,14 Proz. bezw. 7,13 Proz. gestiegen ist. In Mähren betrug die Abnahme der jü- | dischen Bevölkerung in den beiden letzten; Dezennien 2,34 Proz. bezw. 7 Proz., trotz-; dem die Gesamtbevölkerung um 7,07 Proz.; bezw. 7,57 Proz. zunahm. j Zum grossen Teile sind in diesen beiden j Kronländern der nationale und konfessioj nelle Boykott und die zufolge der wirtj schaftlichen Emanzipation der christlichen j Bevölkerung erschwerten Existenzbedingungen für die Juden, insbesondere auf dem flachen Lande bestimmend hierfür geworden, ihre alten Wohnsitze zu verlassen, und so manche Jahrhunderte hindurch bestanj dene Kultusgemeinden gehen einer siehe- | ren Entvölkerung und langsamen Auflösung! entgegen. Beinahe ein Drittel sämtlicher I Juden Böhmens bewohnt Prag und die j Vorstädte. 2) '-'} Im Prager Stadt- und Vorstadtkomplex hat die jüdische Bevölkerung während der letzten 30 Jahre konstant zugenommen, wie nachstehende Aufstellung beweist: 1380 1S9Ö | 1900 1 1910 16754 17635 18986 i 18041 Karolincntal . . . 1864 2020 O-Of.? .'■><. ■ j j 2908 Königl. Weinberge . 1221 O.t^'"; ii-iAv/ ö8(jy | 4683 Smichov .... 1246 1373 1562 1755 Zizkov .... 320 577 852 j 1501 Zusammen 21405! 24034 \ 27799 2S8S8 Eine grosse, immer zunehmende Anzahl der jüdischen Bevölkerung findet sich in der Industriestadt Reichenberg (1240), ferner in den städtischen industriereichen Gerichtsbezirken Pilsen (3656), Teplilz (3495), Karlsbad (1955), Aussig (1108), Die Gerichtsbezirke Saatz (1300) und Budweis (1695) haben im letzten Dezennium Abnahmen der jüdischen Einwohnerschaft zu verzeichnen; in noch grösserem Masse ist dies bei den alten Judengemeinden auf dem flachen Lande, wie Kolin, Chrudim, Jung-Bunzlau, Podersam, Tabor der Fall. Auch in Mähren tritt der Zug vom Lande in die Stadt immer deutlicher hervor, Brünn mit 8945 jüdischen Einwohnern (7.1 Proz. der Einwohnerschaft) ist der stärkste jüdische Bezirk. Eine konstante, wenn auch langsame Zunahme der jüdischen Bevölkerung weist auch die 2. Landeshauptstadt Olmütz auf. (1679) Iglau hat im letzten Dezennium eine Einbusse von 346 jüdischen Einwohnern (nur mehr 1304) zu verzeichnen. Die grösste absolute und relative Zunahme der jüdischen Einwohnerschaft hat der Gerichtssprengel Mähr. Ostrau "L Die nächst volksreichsten Gerichtsbezirke Mährens sind, was die jüdische Einwohnerschaft betrifft, Prossnitz (1511), Luncenburg (1315) und Göding (1201), wo aber die jüdische Bevölkerung im letzten Dezennium durchwegs abgenommen hat, was wohl weniger auf Rechnung der gleichnamigen Hauptorte der betreffenden Bezirke zu stellen ist, als auf Rechnung der Landgemeinden dieser Bezirke, wo die Anzahl der Juden stark zurückgegangen ist. Die Gerichtssprengel Boskowitz, Ung. Brod, Ung. Ostra, Nikolsburg, Gaya, Trebitsch etc. mit den gleichnamigen alten Judengemeinden zählten bei früheren Volkszählungen noch über 1000 jüdische

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