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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. Seite 144

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Article
Die Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910 und die jüdische Bevölkerung in Oesterreich
Date
1912-10-01
Page
Seite 144 (sequence 2)
Language
German
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— 144 — nähme * der jüdischen Bevölkerung ganz Oesterreichs gegenüber den vorhergegangenen 2 Decennien. Die Ursachen dieser Tatsache sind mannigfacher Natur. Bekanntlich sind es insbesondere 2 Faktoren, welche die Volksbewegung beeinflussen, die natürliche Bevölkerungsbewegung (Verhältnis der Geburten und Sterbefäilef bezw. der Ueberschuss der Lebendgeborenen über die Gestorbenen für die betreffende Zählungsperiodej und die Wanderbewegung (Verhältnis der Aus- und Zuwanderung). Inwieweit jeder einzelne derselben die Entwicklung der Bevölkerung im allgemeinen und in Bezug auf die Konfessionen in den einzelnen Reichsratsländern im Laufe des letzten Dezenniums beeinflusst hat, lässt sich auf Grund der bisher veröffentlichten Volkszählungsergebnisse noch nicht feststellen. Es lassen sich jedoch schon jetzt auf Grund der bekannten allgemeinen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung und der früheren amtlichen Feststellungen die Gründe der Fluktuierung der jüdischen Bevölkerung innerhalb der einzelnen Landesgebiete und auch ausserhalb des Staatsgebietes hinaus und ihr Verhältnis zur übrigen Bevölkerung der betreffenden Kronländer, \ wenigstens in j grösseren Umrissen erörtern. Wie bereits feststeht, hat die Wanderbewegung unter den Juden schon seit dem vorhergegangenen Dezennium ziemliche Dimensionen angenommen. Bereits der Volkszählungsbericht aus dem Jahre 1900 konstatiert, dass die Auswanderung der Jsraeliten eine Höhe erreicht hat, welche selbst die „aussergewöhnliche natürliche Zunahme dieser Glaubensgenossen" paralysiert. Im Dezennium 1890 — 1900 sind aus Galizien allein über 100 000 Jsraeliten ausgewandert. Ein dritter den Stand der jüdischen Religionsbekenner beeinflussender Faktor sind ferner die Uebertritte aus dem jüdischen Glauben. Auch diesbezüglich sind die Ziffern noch nicht amtlich erhoben; es ist jedoch bereits festgestellt, dass die absolute Abnahme der jüdischen Konfession nicht vereinzelt dasteht, sondern, dass neben ihr auch die beiden grössien Konfessionen, die römisch - katholische und die griechischkatholische, auffallende Abnahmen erlitten haben, während die Zahl der Angehörigen der evangelisch-augsburgischen Kirche und der Konfessionslosen absolut und relativ zugenommen hat. Bei dem evangelisch-augsburger Bekenntnisse dürfte die im Verhältnisse zur Volkszunahme viel raschere Vermehrung dieser Konfessionsangehörigen in erster Linie auf die Uebertritte aus der römischkatholischen Kirche zurückzuführen sein, welche bekanntlich im abgelaufenen Jahrzehnt in grösserem Umfange unter dem Einflüsse einer darauf abzielenden Propaganda (der sog. Los von Rom-Bewegung) stattfanden, während die Konfessionslosen sich zum grössten Teile aus früheren Angehörigen des jüdischen Glaubensbekenntnisses rekrutieren dürften. Um nun die für die Volksbewegung hauptsächlich in Betracht kommenden erstgenannten 2 Faktoren bezüglich der Judenschaft zu erörtern, muss eine kurze Zusammenfassung der Volksbewegung der Gesamtbevölkerung Oesterreichs vorausgeschickt werden, da diese mit der Bewegung der jüdischen Bevölkerung im engen Zusammenhange steht. Was nun die Bewegung der Gesamtbevölkerung innerhalb der Grenzen Oesterreichs betrifft, so ist sowohl die natürliche als auch die Wanderbewegung sehr verschieden, da sie nicht einmal für die einzel-

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