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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. Seite 84

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Article
Die Entwickelung der Juden in Preussen während der letzten hundert Jahre
Date
1912-06-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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— 84 — stirnmtheit die Zahl fesstellen. Letzten \ Endes ist dies auch gänzlich bedeutungslos, denn es genügt vollkommen zu wissen, dass; im Jahre 1885 mehr als 17 000 Juden in j Preussen weniger vorhanden warenals; hätten da. sein müssen. In schwächerer \ Weise dauerte die Abwanderung auch noch I 1885 bis 1890 und 1890 bis 1895 fort; ins-! gesamt mögen etwa 30 000 Juden in 15 \ Jähren abgewandert sein. Vergleicht man j diese Zahl mit der oben von Neumann j berechneten für die Zeit von 1840 bis 1871! (ca. 35 100 in 30 Jahren), so wird man meine : an anderer Stelle aufgestellte Behauptung, dass die Abwanderung von 1880 ab jene! um die Mitte des vorigen Jahrhunderts an I Stärke überstieg, gerechtfertigt finden.*) Bevor ich mich der dritten Periode von | 1895 bis 1910 zuwende, deren Eigen- 1 tümlichkeit im Gegensatz zur vorhergehenden darin besteht, dass sie eine Z u Wanderung ausländischer Juden aufzuweisen. *) Ruppin hat in Heft 6 des 1. Jahrg. dieser Zeitschrift in dem Artikel: ..Das Wachstum der jüdischen Bevölkerung in Preussen" den Wanöerungsverlust und -Gewinn von 1885 bis 1900 berechnet. (Fortgeführt von Rudolf Wassermann in Heft 4 des 8. Jhrg. in dem Artikel „Neomalthusianismus und Judentum" bis 1909). Ruppin hat das wichtige Jahrfünft von 1S80 bis 1885 nicht berücksichtigt. Auch für die Folgezeit stimmen seine Ergebnisse mit meinen Berechnungen nicht überein, da er m. E. die Zahl der Taufen und Austritte zu hoch schätzt. Ausserdem zieht er eine zu grosse Zahl von Kindern aus Mischehen von dem Geburtcnüberschuss ab. Es werden nämlich schon bei der Berechnung der Zahl der jüdischen Geburten nur 50 Prozent der aus jüdischen Mischehen geborenen Kinder dem Judentum zugerechnet. Ruppin ziehe nun noch einmal etwa 25 Prozent ab und übersieht, dass diese bereits in der Zahl der Getauften und Ausgetretenen enthalten sind. Vgl. hierzu den Aufsatz: .,Austritte aus dem Judentum und Uebertritte zum Judentum im Jahre 1903 in Deutschland'" (Heft 10 des 1. Jhrg.l. In einem der nächsten Hefte dieser Zeitschrift werde ich bei der Betrachtung der Bevölkerungsbewegung in Preussen im Jahre 1910 das gesamte Zahlenmaterial von tSSO an zum Abdruck bringen. hat, eine kurze Charakterisierung der Entwickelung von 1880 bis 1910: Es betrug die Zahl der Juden in Preussen im Jahre 1880 363 790, im Jahre 1895 379 716, im Jahre 1905 409 301, und im Jahre 1910 415 867, Es trafen auf 100 000 Personen der Gesamtbevöikerung im Jahre 1880 noch 1330 Juden, also ebensoviel wie 1840, 1895 nur 1190, 1905 1100 und 1910 1030. Es hat also die jüdische Bevölkerung seit 1880 sich in viel schwächerem Masse vermehrt als die Gesamtbevölkerung. Schuld daran ist die Abwanderung, deren ich bereits Erwähnung getan habe, die Verluste durch Taufe und Mischehen, vor allem aber der ständig sinkende Geburtenüberschuss, der von 4004 im Durchschnitt der Jahre 1881 bis 1885 auf 1394 im Durchschnitt der Jahre 1905 bis 1909 gesunken ist. Es liegt nicht im Rahmen dieses kurzen Referates, diese wichtige Frage aufzurollen, deren Erörterung einen ganzen Abend beanspruchen würde. Es genügt festzustellen, dass die Zunahme der preussischen Juden seit 1880 vor sich gegangen ist im Zeichen des sinkenden Geburtenüberschusses. Auf einen anderen wichtigen Punkt aber möchte ich nunmehr eingehen, nämlich auf die Zuwanderung in den letzten 15 Jahren. Es herrschen über die Höhe derselben übertriebene Vorstellungen. Wir sind leider nicht in der Lage, einwandsfrei festzustellen, auf wie hoch sich die Zuwanderung in Preussen beläuft, und zwar wegen der ungenügenden Kenntnis der Zahl der Taufen und Austritte, die wir nur schätzen können. Während aber für die Höhe der Abwanderung der genaue Kenntnis derselben nicht sehr erheblich nicht unbedingt erforderlich ist. ist es umgekehrt für die Zuwanderung sehr wesentlich zu wissen, wie viel von dem Geburtenüberschuss durch Taufe, Mischehe, Abwanderung abgeht und wie viel auf Konto der Zuwanderung zu setzen ist. Betrachten wir einmal die Jahrfünft e von 1895 bis 1910 gesondert, ohne Rücksicht auf die Höhe der Taufen. Es würde sich dann ergeben, dass von 1895 bis 1900 819 Juden eingewandert sind. Wenn man nämlich die Bilanz zieht, d. h. wie schon

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