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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. Seite 58

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
Der Anteil der Juden in Deutschland an dem Beamtenstande und den freien Berufen
Date
1912-04-01
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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- 58 — für andere Unterrichtsgegenstände angestellt werden dürfe. Sei aber infolgedessen die Schule nicht konfessionell, so könne die Forderung, daß die Lehrämter an bestimmten Schulen regelmäßig nur Angehörigen eines bestimmten Bekenntnisses zugänglich sein sollen, als aus der Natur der Sache folgend und deshalb unter die natürliche Ausnahme des Gesetzes Tom 3. Juli 1869 fallend nicht angesehen, sondern müsse vielmehr als dem Reichsgesetze widersprechend betrachtet werden. Dieser theoretisch einwandfreie Standpunkt muß nun aber auch in die Praxis umgesetzt werden. Es geht nicht an, ruhig mit anzusehen, daß die jüdischen Volksschullehrer eine Ausnahmestellung einnehmen. Die Organisation, welcher die Vertretung der Interessen der jüdischen Yolksschullehrer obliegt, hat die dringende Pflicht, dafür zu sorgen, daß der Beruf des Volksschullehrers an öffentlichen nichtjüdischen Volksschulen den Juden uneingeschränkt erschlossen v/erde. Während an den Volksschulen noch einigermaßen der Prozentsatz der jüdischen Lehrer dem der jüdischen Schüler entspricht, ist das Mißverhältnis bei den Mittelschulen ganz besonders stark. Man kann sich zwTar auf den durchaus richtigen Standpunkt stellen, daß der Prozentsatz der Lehrer einer Konfession an einer Schule völlig unabhängig sei von dem Prozentsatz der Schüler des betreffenden Glaubensbekenntnisses. Da aber, wie wir oben gesehen haben, die Regierung seihst dieser Auffassung nicht huldigt, sondern die Erteilung des Ordinariats an einen jüdischen Lehrer abhängig gemacht hat von der Zahl der jüdischen Schüler, so ist die Forderung berechtigt, daß die Anstellung der jüdischen Lehrer wenigstens im entsprechenden Verhältnis zur Zahl der jüdischen Schüler erfolge. In den preußischen Mittelschulen, das sind jene Schulen, welche ein höheres Lehrziel als die Volksschule (Elementarschule), jedoch insbesondere durch das Fehlen des fremdsprachlichen Unterrichts ein niedrigeres Lehrziel als die höheren Lehranstalten und nicht mehr als 8 Klassen haben, also normaler Weise von den Schülern innerhalb der 8 schulpflichtigen Jahre durchlaufen werden können, ist der Anteil der jüdischen Schulkinder folgendermaßen : Schulen für Knaben: 1896 1446 3,10 Prozent 1901 1442-2,53 „ 1906 1237 - 2,16 [ Gemischte Schulen: 1896 361 2,48 Prozent 1901 385 - 1,29 „ 1906 668 1,72 „ Dagegen waren jüdische Lehrkräfte unter den vollbeschäftigten Lehrkräften an der gesamten Mittelschulen Schulen für Mädchen: 1277 3,55 Prozent 1344 2,81 „ 1241 2,50 Ä O elf entliche höhere Mädchenschulen: 6142 13,39 Prozent 6494-12,14 „ 7080 9.95 1895 21 - 0,43 1901 35 0,56 1906 36 0,47 a.Mittelsch u. zwar 1 * „ 1 « , 1 Lehrer: b. höhere Mädchensch. 21 15 Lehrerinnen: 2 7 3 10 4 16 Das preußische statistische Landesamt bemerkt hinsichtlich der Zunahme der evangelischen, katholischen und jüdischenLehrkräfte im Vergleich zur Schülerzahl der betreffenden Bekenntnisse folgendes: Die evangelischen Lehrkräfte, deren Zahl sich von 1896 bis 1906 um ungefähr die Hälfte vermehrt hat, sind im Lehrkörper der öffentlichen mittleren u. höheren Mädchenschulen noch etwas stärker vertreten, als der Zahl der evangelischen Schüler und Schülerinnen entspricht. Mehr noch haben die katholischen Lehrkräfte zugenommen, um fast V3 des Bestandes vom Jahre 1896, überschreiten aber damit im Jahre 1906 kaum V10 sämtlicher Lehrer und Lehrerinnen, während der Anteil der katholischen Schulkinder an der Gesamtzahl noch etwras höher ist. Die jüdischen Lehrkräfte sind zwar in dem gleichen Zeitraum von 19 auf 36 gestiegen, bilden aber damit noch nicht V2 von 100 sämtlicherLehrkräfte, während die jüdische

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