Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- Zur Krankheitsstatistik der Juden
- Date
- 1912-02-01
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 24 — Tuberkulose auf die Hälfte bis zwei Drittel der übrigen Bevölkerung (Krakau, Budapest. Wien, New York etc., in Lemberg nur ein Drittel). Wenn man bedenkt, daß die allgemeine Sterblichkeit nur etwas mehr als die dreifache Tuberkulosesterblichkeit beträgt, wird man die Größe des Unterschiedes bei den Juden begreifen. Aehnliche Wunderdinge werden von der Festigkeit gegen Malaria berichtet (Sofer, Th eil habe r 1910, S. 41), die es den jungen Juden gestattet, in Palästina jetzt in die Bezirke einzurücken, die von den russischen Bauern geräumt werden mußten, weil sie in Massen der Malaria erlagen. Andere Beobachter berichten von einer Immunität gegen Typhus und verschiedene andere Infektionskrankheiten, zu denen z. B. Scharlach gehört. Wir haben uns jetzt mit einer ganzen Reihe von Tatsachen bekannt gemacht, die uns gezeigt haben, daß mehr oder weniger gut beobachtet, mehr oder wenig zuverlässig und günstig oder ungünstig für die Juden lautend, dieses Volk in der Krankheitsstatistik den anderen Völkern gegenüber eine andere, und zwar im allgemeinen günstigere Stellung einnimmt. Man mag dabei die allerverschiedensten Hypothesen aufstellen, man mag die Abstinenz verantwortlieh machen oder die Speisegesetze oder man mag selbst eine Rassenimmunität annehmen, niemals wird man sich außerhall) des Rahmens dessen bewegen können, was das jüdische Religionsgesetz geschaffen hat, denn das jüdische Volk und das jüdische Gesetz sind eins wie Schale und Kern und eins schmiegt sich an das andere unmittelbar an, um das zu bilden, was ich das jüdische Milieu nennen möchte. Es gehört dazu die Frühehe, die Innigkeit der Familienliebe, die Keuschheit des Familienlebens, die Speisegesetze, die Mäßigkeit besonders im Alkoholgenuß, die Beobachtung des Sabbats und der Festtage sowie der Reinheits- und der Keuschheitsgesetze. Schon die Vernachlässigung eines unter ihnen stört die Harmonie des Ganzen und führt zu weiteren Verstößen; ein Glied der festgefügten Kette zieht das andere nach sich. Die Innigkeit der Familienliebe, die durch eine frühe Ehe leichter bedingt wird, sorgt für eine gute Erziehung der Kinder, entdeckt ihre Krankheiten und setzt alles an ihre Heilung, hält die Kinder später durch den Gedanken an ihre Eltern von bösen Taten zurück und gewährleistet schließlieh den Eltern ein sorgenloses Alter durch die I Kinder. Außerdem ist aber eine glücklich | und in Liebe verbrachte Kindheit ein großer Schutz vor Nervosität, deren Grund oft schon beim Kind gelegt wird. Die Keuscheit des Familienlebens hält die | Kinder vor eigenen Vergehen in dieser Bej ziehung zurück und bewahrt sie so vor Ge- | schlechtskrankheiten, die Speisegesetze! lehren sie Selbstzucht üben und schützen sie vor den verschiedensten Schädlichkeiten, vielleicht auch vor Infektionskrankheiten, wie L. Sofer schreibt*): „Die Speisegesetze, welche gerade von den in den gedrücktesten Verhältnissen lebenden Juden am genauesten befolgt werden, sind in Wahrheit eine Schutzwehr gegenüber den von den Verdauungsorganen ausgehenden Infektionskrankheiten.*' Eine genaue Befolgung der Sabbatgebote und Festtage sollte vor Ueb er arbeitung auch in geistiger Beziehung schützen, die Fasttage sind wohltuende Ruhetage der Verdauungsorgane wie sie zu Heilungszwecken immer mehr von der Medizin verwandt werden, die I Reinheits- und Keuschheitsgesetze dienen den | verschiedensten Zwecken, und die Mäßigkeit j im Alkoholgenuß schützt nicht nur vor der | Infektion mit Tuberkulose und anderen so- | genannten Infektionskrankheiten, sondern auch vor der Unkeuschheit, dadurch vor Syphilis und den durch sie bedingten Erscheinungen und ferner vor eigener Geisteskrankheit und Degeneration der Kinder. Nun besteht aber ein Zustand, wie wir ihn als jüdisches Milieu kennen gelernt haben, heute nur in relativ sehr wenigen *) Zur Biologie und Pathologie der jüdischen Rasse, : 1906. S.86.