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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. Seite 23

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Article
Zur Krankheitsstatistik der Juden
Date
1912-02-01
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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— 23 — doch die Unlust auch viel dazu bei. Eine echt jüdische Mutter aber wird es sich nie nehmen lassen, ihr Kind selbst zu nähren, wenn es nur angeht, und dadurch nicht nur seine Lebensfähigkeit erhöhen, sondern auch viel inniger mit ihm verwachsen, beides wichtige Gründe für die geringere Kindersterblichkeit. Bei der so sehr lange dauernden Geschlechtsfunktion der Jüdin, und den dadurch erzeugten Sorgen sollte man meinen, daß sie bedeutend mehr an Frauenkrankheiten leiden müßte als jede andere. Das Gegenteil ist der Fall. Zwar erwähnt Beadle, daß, wie der Jude häufig j von Paralyse befallen werde, so die Jüdin j von Wochenbettspsychosen, aber die eigentlich bösartigen Leiden und besonders der Krebs der Gebärmutter finden sich auffallend selten.*) In der Theilhaberschen Klinik z.B. ergaben sich 40 Proz. der Fälle von gutartigen Muskelgeschwülsten der Gebärmutter bei den Jüdinnen, also ziemlich viel, während sich von dem so häufigen Gebärmutterkrebs, der allgemein 35 Proz., nirgends aber unter 25 Proz. der Krebse bei Frauen ausmacht, bei Jüdinnon nur 10 Proz. fanden, unter diesen wieder der sonst häufige und gefährliche Halskrebs bei Theilhaber nur in 0,75 Prozent der Fälle, Für diese auffällige Tatsache hat man eine stärkere Durchblutung der Genitalien bei den Jüdinnen angenommen, die überhaupt infolge ihres südländischen Blutes stattfinden sollte, für das Vorwiegen der Muskelgeschwülste hat man die Neigung zur Fettsucht herangezogen. So wenig oder so viel diese Theorien auch für sich haben mögen, so möchte ich doch mindestens für ebenso wichtig die jüdische Hygiene erklären, die mit ihrer Einteilung des Ehelebens und der Frühehe die Bedingungen zu einem langen Leben und zur Gesundheit schafft. Zwei Vorwürfe werden der Frühehe jedoch gemacht. Erstens soll sie die Schuld an den Wochenbettspsychosen tragen und zweitens eine öfter bemerkte *) F. Theilhaber: Zeitschrift für Demographie j und Statistik der Juden, 1910, 3. 43.! Sterilität der Mädchen infolge Verkümmerung der Genitalien bedingen. Xoch andere Ergebnisse sucht man darauf zurückzuführen wie häufige Kindersterblichkeit, häufige Lebensschwäche und Totgeburten an einigen Orten, aber mit wenig Grund, da diese Erscheinungen allzu sporadisch auftreten und nur lokal sind. Budapest z. B. zeigt unigekehrt im Jahre 1902 ein auffallend günstiges Ergebnis in dieser Beziehung. Man wird es verständlich rinden, daß ich mich bemüht habe, die Gegensätze in den Statistiken möglichst auszugleichen oder doch im Interesse der Uehersichtlichkeit auf ein geringes Maß zu reduzieren, je nachdem die Gründlichkeit des Forschers einen Schluß auf die Exaktheit des Resultats zuließ: aber ein Gebiet gibt es, auf dem sich so ziemlich alle Berichte einig sind, das ist die relative Seltenheit der Lungentuberkulose. Sobald wir sie unter die Gesamtrubrik „Lungenkrankheiten" rechnen und deien Zahl mit anderen Konfessionen vergleichen, erhalten wir ein falsches Bild; die anderen Lungenkrankheiten differieren kaum bei den Christen, eher noch zu Ungunsten der Juden. Diese Tatsache hat die Statistiker sehr befremdet. Der Jude, der mit seiner schmalen Brust, dem eingesunkenen Brustkasten, hager und schlecht genährt in den dumpfen Ghettos von London und New York haust, der geradezu alle Vorbedingungen der Tuberkulose in idealer Weise besitzt, entgeht ihr während mancher kräftige Nachbar dahingerafft wird. Das mußte Eassenimmunität sein, ererbt oder erworben, wieFishberg nieint, erworben durch das Ghettoleben, das alle untüchtigen Elemente dahinsterben ließ und so ein Geschlecht schuf, das den Verhältnissen gewachsen war. Die Abstinenzler behaupten, es sei der Alkohol, der die Widerstandsfähigkeit gegen die Schwindsucht breche ebenso wie gegen vieles andere, und die Abstinenz der Juden schaffe ihnen eine Immunität. Aus den Zahlen, die Fishberg anführt,51') ergibt sich die Sterblichkeit an *) Zeitschrift für Demographie und Statistik der juden. 1903, S. 186.

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