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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. Seite 21

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Article
Zur Krankheitsstatistik der Juden
Date
1912-02-01
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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— 21 — der Interessen der Juden; sie zersplittern den? Geist und reiben ihn auf. Noch andere Ursachen werden angegeben. Die jugendliche Verblödung (dementia praecox), für die die Wissensehaft oft keine Ursachen angeben kann, führt Dr. A. Pilcz auf die Inzucht zurück, die er den Juden zuschreibt. Mit Recht wird schließlich auch darauf hingewiesen, daß die Juden meist Städtebewohner sind, sich am liebsten in die Großstadt begeben, teils infolge des Berufs oder aus höherem Streben, durch die Bildungs¬ und Wirksamsmöglichkeiten gelockt. Bekanntlich ist aber der beste Boden für Nervenkrankheiten die Großstadt mit ihrem aufregenden Hasten und Lärmen, ihren dumpfigen Wohnungen, in die nur spärlich die belebende Sonne dringt, und mit ihrer in jedem Sinne ungesunden Atmosphäre. Betrachten wir jetzt in einem Rückblick das ganze Milieu und den ganzen Menschen, wie es die modernste Medizin tut, so verschmelzen NervenundStoffwech selkran kheiten zu einem Ganzen. Derselbe Beruf, der den Geist aufreibt, zwingt zum Stillsitzen und bietet gute Gelegenheit zu einer reichlichen Ernährung, die zur geleisteten körperlichen Arbeit in einem Mißverhältnis steht (Fettsucht, Diabetes), und neigt zur Ueberanstrengung (Arteriosklerose, Herzleiden). Ja, wir können noch »mehr sagen: die so häutig bei Juden gefundenen Verdauungsstörungen lassen sich auch z. T. daraus ableiten. Denn wie oft wird gerade in diesen Ständen unregelmäßig gegessen, das Essen nicht gut gekaut und hastig geschluckt, und wie oft wdrd das Mahl ohne Appetit eingenommen, j Wie soll da eine geregelte Verdauung zuj stände kommen? So entsteht schnell ein j Magendarmkatärrh, dessen Häufigkeit Dr. j Glottes*) betont. Viele andere z. T. imj bekannte Ursachen gibt es noch dafür, und! ich möchte nur darauf hinweisen, daß auch j Nervosität dauernd schwereMagenverStimmung j *) Das Rassenmoment in seinem Einfluß auf Zt* Kränkungen (Canstatts Jahresbericht 1864, Bd. 2.) erzeugen kann. Schiechte Verdauung führt dem Körper Gifte zu, diese wirken auf Nerven und Stoffwechselorgane, und der circulus vitiosus ist geschlossen. Neben diesen, alles überragenden krankheitsbedingenden Faktoren und ihren Wirkungen, die sich überall fast gleich bleiben, ' kommen die anderen kaum in Betracht. Denselben Quellen entstammt das Glaukom als Leiden des höheren Alters und die auch vererbte Kurzsichtigkeit, die bei Juden viereinhalb bis fünfmal stärker vertreten sein soll als unter der anderen Bevölkerung *); auch Taubheit hat man bei Juden an einigen Orten häufiger gefunden. Nieren- und Gallensteine sind in ihrer weiteren Aetiologie noch nicht ganz geklärt, sie sind auch bei Juden nicht gar so viel öfter gefunden worden; ähnlich geht es den Hautkrankheiten, die auf so viel ganz verschiedene Ursachen zurückzuführen sind, daß man ihnen unter diesem Sammelbegriff garnicht auf den Grund gelien kann: dieser Name bedeutet daher für unsern Zweck einen schweren Mangel der Statistik. Eine solche Tatsache mahnt uns wieder, nie eine skeptische Kritik der bisherigen Daten bezüglich ihrer Ausbreitung auf alle Juden aufzugeben und ganz besonders nicht bei den jetzt zu erwähnenden Berichten über die größere Empfänglichkeit der Juden für gewisse Infektionen, vorzugsweise des Halses wie Croup und Diphtherie. Es wäre ein S hritt ins Uferlose, wollten wir alle Statistiken darüber verfolgen, von denen jede neue eine neue Krankheit bringt, während sie der eben von anderer Seite an einem anderen Orte aufgestellten widerspricht; zufällig werden an einer Stelle die Juden von einem Leiden stärker befallen als anderswo. Diese Uneinigkeit der Meinungen finden wir nicht nur in den neuen Berichten, sondern auch in denen der früheren Jahrhunderte. Die Immunität der Juden gegen den schwarzen *) Schnabel allerdings hält Kurzsichtigkeit bis fünf Dloptrieen nur für eine Anpassungserscheinung: an die intellektuellen Berufe und keine Krankheit.

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