Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- Zur Krankheitsstatistik der Juden
- Date
- 1912-02-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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Budapests an, bei der sich manche bedeutsamen Resultate bei näherem Zusehen in ihr Gegenteil verkehren3) Müssen wir diese Verhältnisse schon in der allgemeinen Krankheitsstatistik berücksichtigen, so treten sie unter der speziell jüdischen Statistik noch mehr in den Vordergrund. Weit verbreitet ist die Ansicht, daß die Zuckerharnruhr ihre Opfer sich vorzugsweise unter den Juden sucht, daß der jüdische Stamm viel unter Verdauungsstörungen und Herzkrankheiten zu leiden hat, so daß er den Hauptbestandteil der Bäderbesueher bildet, und daß die Zahl der geisteskranken Juden so groß ist. daß man von einer Disposition dazu bei ihnen gesprochen hat. Angesichts solcher Tatsachen müssen wir uns fragen: Liegen diesen Erscheinungen natürliche Ursachen zu gründe, wie sie die jüdische Moral und Hygiene bieten, wie sie ferner in Begleitung der Berufe auftreten, denen sich die Juden miu einmal besonders gewidmet I haben, oder aber sind es Rassendispositionen, die den Sohn Israels als den Angehörigen einer Hasse für gewisse Krankheiten ohne weiteres empfänglich machen und vor anderen schützen? Ein himmelweiter Unterschied besteht dazwischen; denn erkennen wir eine Rassen - disposition an, so dürfen wir Jeden, der seine jüdische Abstämmling nachweist, als Juden betrachten, soweit unsere Statistik in Frage kommt, ob der betreffende sich streng, weniger streng oder gamicht an die jüdischen Gebräuche und Anschauungen hält, ja auch wenn er getauft ist: stellen wir uns aber auf den anderen Standpunkt, den z.B.E.Auerbach einnimmt, so wird unsere ganze Statistik in Frage gestellt, da wir es Niemandem ansehen können, ]) Dr, Elias Auerbach, Zeitschrift für Demographie und Sratistik der Juden 19ÖS, rieft 11. Die Krankheiten der Verdauungsorgane z. B. scheinen ein für die Juden sehr günstiges Ergebnis zu liefern; schaltet man aber den Darmhatarrh der Säuglinge aus, an dem aus später zu erörternden Gründen nur wenig jüdische Kinder sterben, so kehrt sich das Verhältnis um. Aus 9,5:11,0 wird aus 4,5:3,4. Aehnllches auch bei vielen anderen Krankheiten. inwieweit er im Essen und Handeln den jüdischen Religionsgesetzen nachkommt, und wieweit er hei einer Assimilation von den Sitten und Unsitten — ich erinnere nur an das Trinken — seiner Umgebung angenommen hat. Nicht einmal der vermittelnde Standpunkt Fishbergs aus New York, der nur für gewisse Krankheiten eine ererbte Immunität statuiert, ist für die Statistik haltbar, da er den heute noch wirkenden, bei jeder Assimilation schwindenden spezifisch jüdischen Momenten eine zu große Rolle bei der Krankheitserzeugung oder Verhütung zuzuweisen gezwungen ist. Theoretisch gibt es daher kein Material, auf das wir unsere ßeweisausführung gründen können, denn was wir brauchten, sind Statistiken ganz frommer jüdischer Bezirke, die mit gleichartigen Andersgläubigen verglichen und genau nach Alter, Beruf, einzelner Erkrankung und Todes- I Ursache geordnet, ein genaues Bild zu geben imstande wären. Vor uns liegen aber nur summarische ,nachOrgankrankheiten geordnete, Berichte aus großen Städten, deren Morbidität durch den Zugang aus der Umgebung beträchtlich entstellt wird. Wollen wir aus diesen Berichten unsere Schlüsse ziehen, so können wir nns folgendes vor Augen halten: Unleugbar gibt es eine jüdische Rassendisp osition, denn was so viele Geschlechter in sich an lebenskräftigen Eigenschaften und Anpassungseigenschaften aufgebant und vererbt haben, das zeistört ein Jahrhundert nicht gänzlich; unleugbar aber auch ist die gewaltige Rolle, die das Ritualgesetz im Einzelleben spielt. Was lange vererbt ist, bildet sich im Nachkommen weiter aus, wenn er unter denselben Verhältnissen lebt; und wenn er anders lebt, so dürfen wir, um das Alte zu rekonstruieren, mindestens das abziehen, was ganz offenbar jenem neuen Leben zur Last gelegt werden muß. Als erste, rassenbiologisch wichtige Tatsache stellen wir eine geringere Sterblichkeit der Juden, den anderen Völkern