Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Die Juden in Mecklenburg-Schwerin von 1810 - 1910
Date
1912-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2650397-3187717-3187719-3192312--3284-3192339
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— \i — schreckende Dimensionen annimmt, was durch j folgende Zahlen illustriert wird.! Jüdische Bevölkerung: 1871: 294-") '; 1905: 1482. j Also eine AbnaJmne von fast 50% in 24 Jahren! | Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung j in Mecklenburg-Schwerin zeigt uns Tabelle L j Wir können hierbei 3 Perioden unter- | scheiden. Die erste reicht bis 1845, in der i wir eine, in den ersten Jahren sogar ziemlich j beträchtliche Zunahme der jüdischen Be-! völkenmg konstatieren können, die allerdings I mit jener der Gesamtbevölk erring nicht Schritt j hält, soda ß ihr Autei 1 an de r Gesamtbevölkerung in dieser Periode von 0.7:X % auf 0,62 % j zurückgeht. Auf die Periode der Zunahme; folgt eine solche des Stillstandes, in der sich j die Zahl der Juden wenig verändert, j 1845 bis 1860. Bei der minimalen Zm j nähme der Gesamtbevölkerung in diesem Zeit, räum sinkt der Anteil der jüdischen Bevölkerung nurlangsam, ja steigt sogar einmal (1855/60) um ein geringes. In der dritten Periode, die mit dem Jahre 1860 einsetzt, sinkt die Bevölkerungsziffer dauernd und rapide. Trotzdem die Gesamtbevölkerung stellenweise abnimmt, sinkt der Anteil der jüdischen Bevölkerung von 0,58 {% im Jahre 1800 auf 0,22 % r MIO. Die Abnahme der jüdischen Bevölkerung, die im Jahrfünft 1900-......1905 die Höhe von 3,5 % pro Jahr erreicht hatte, scheint während der Zählperiode 1905—1910 etwas zum Stillstand gekommen zu sein. Doch ist dies nur darauf zurückzuführen, daß sich in den letzten Jahren ausländische (osteuropäische) Juden M in Mecklenburg niederlassen, die als Altwarenhändler und Hausierer unter anderm bei den zahlreichen slavischen Landarbeitern einen gewissen Absatz ihrer Waren finden. Der Niedergang der jüdischen Bevölkerung wdrd aber am besten gekennzeichnet durch l) Leider existieren über ihre Zahl keine statistischen Angaben. Nach Mitteilungen der GemeindevorstIr.de an rfen Verfasser dürften gegenwärtig ca. 30 ausländische Juden im Land© ansässig sein. den der jüdischen Gemeinden. Von den 11 Gemeinden, die 1850 noch eine Seelenzahl von über 100 hatten, sind heute nur 2 übriggeblieben (Viehe Tabelle II). Dazu ist Rostock getreten. Hier hat sich nach dem Jahre 1867. das. wie wir bereits erwähnten, den Juden den Zutritt in Rostock und Wismar verschaffte, schnei] eine Gemeinde entwickelt, die heute die größte Mecklenburgs ist, und deren Bestand in einer sich kräftig entwickelnden Stadt mit lebhaftem Handel und nicht unerheblicher Industrie von allen Gemeinden allein gesichert erscheint. Dagegen hat sich in der zweiten Handels¬ und Industriestadt des Landes, in Wismar, bis heute keine nennenswerte jüdische Bevölkerung bilden können und auch für die Zukunft besteht hierzu wenig Aussicht (Tabelle III). In der Tabelle III haben wir den Niedergang der jüdischen Gemeinden an Hand der Entwicklung der 17 größten Gemeinden des Landes darzustellen gesucht. Wismar haben wir mit aufgenommen, um einen Vergleich mit Rostock zu ermöglichen. Wenn wir die jüdischen Gemeinden ihrer Größe nach in 5 Klassen teilen, so gab es Gemeinden: Tabelle JI. Gemeinden mit Einwohnern?*i cc CC; x cc •X cc X X X r~* ~ ~ bis 25 3 4 4: 3 3 5 10 19 27 31 26— 50 17 14 9 11 10 17 19 13 12 8 51—100 15 17 22 17 20 18 12 8 2 1 101-200 6 i 7 10 8 2 1 2 1 1 über 200 1 1 1 1 1 2 2 2 2 2 zusammen 42 43 43 42 42 44 44 44 44 43 Hierbei fällt uns vor allem die rapide Zunahme der Zwerggemeinden mit 25 und weniger Einwohnern im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, auf. Gab es deren noch 1860 nur drei, so sind es 1910 einunddreißig geworden, die den weitaus größten Teil der jüdischen Gemeinden bilden. Wir sehen, daß sich die größeren Gemeinden bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus stark vermehren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.