Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Die Juden in Mecklenburg-Schwerin von 1810 - 1910
Date
1912-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2650397-3187717-3187719-3192312--3285-3192340
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

während die kleineren an Zahl abnehmen, was auf eine Konzentrierung der jüdischen Bevölkerung in die größeren Gemeinden hinweist, da die eigene Vermehrung schon seit 1845 (Tabelle I) aufhört. Diese Konzentrierung ist seit 1860, außer in Bezug auf die Stadt Rostock, nur für wenige Gemeinden festzustellen und hört für diese seit 1875 gänzlich auf (Tabelle III). Rostock dagegen erhielt dauernden Zuzug aus den übrigen Gemeinden. Bereits vier Jahre, nachdem es seine Tore den Juden geöffnet hatte (1871), zählte die jüdische Gemeinde 118 Seelen, die sich in rascher Folge (bis 1890) auf 312 vermehrten, wodurch Rostock die bisher größte Gemeinde desLandes—Sc h we rin — überflügelte.Seitdem ist allerdings ein Stillstand in der Entwicklung eingetreten, der bis heute noch nich». überwunden ist. Da in den letzten Jahren zahlreiche osteuropäische Juden1) sich in der Stadt niedergelassen haben, so muß auch von Rostock beieits wieder eine Abwanderung erfolgt sein. Von den Juden Mecklenburg-Schwerins wohnten in Rostock 1865 0,0% 1871 4,01% 1875 6,28% 1880 8,19% 1885 10,27°o Von den in der Tabelle III aufgeführten Gemeinden erreichen, außer Rostock, 9 (Bützow, Crivitz, Ludwigslust, Malchin, Parchim, Penzlin, Waren, Röbel und Teterow) ihre höchste Bevölkerungszahl in der Zeit des Wachstums der jüdischen Bevölkerung. Die übrigen, außer Wrismar, erreichen jene in der Periode der Konzentrierung, die bis 1875 dauert. Von diesem Jahre an nehmen auch diese Gemeinden dauernd ab, von geringfügigen Schwankungen abgesehen (Tabelle III). Was endlich Wismar anbelangt, das gleich Rostock erst seit 1867 Juden in seinen Mauern birgt, so hat dieses an Einwohnern nichts verloren, 1890 14,28% 1900 17,58% 1905 18,94°/o 1910 22,43 °/0 x) Gegenwärtig ca. 60 nach Mitteilung des Gemeinde' Vorstandes, was dem Zuzug ausländischer Juden zuzuschreiben 13t.1) Die Tabelle III zeigt uns den gänzlichen Zerfall der jüdischen Gemeinden. Von den alten vor 1867 bestehenden Gemeinden sind heute nur noch zwei, nämlich Schwerin und Güstrow, lebensfähig, und auch sie zeigen Zeichen baldigen Niedergangs. So ging die Zahl der jüdischen Einwohner in Güstrow von 214 im Jahre 1871 auf 115 „ „ 1910 zurück, diejenige Schwerins von 391 im Jahre 1875 auf 218 „ „ 1910. Andere einst blühende Gemeinden sind gänzlich zu Grunde gegangen, so Bützow, das 1860 noch 136 jüdische Einwohner besaß, zählte deren 1910 nur noch 12(1), in Stavenhagen gab es 1860 : 145, 1910 : 32 Juden. Der zweite Teil der Tabelle III unterrichtet uns über den prozentualen Anteil der jüdischen Bevölkerung an der gesamten Bevölkerung der betreffenden Stadt und sucht so ein Bild von der wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung der Juden für den von ihnen bewohnten Ort zu geben. Die verhältnismäßig größte Zahl von Juden besaßen Stavenhagen 1830 mit 7,22% und Neubukow 1850 mit 6,36. Letzterer Ort besitzt auch heute 1910 noch die relativ stärkste jüdische Bevölkerung, jedoch mit nur noch 1,89%. Wenn die Prozentzahlen teilweise einen nicht so rapiden Rückgang zeigen, so liegt das daran, daß die mecklenburgischen Kleinstädte sich nur wenig vermehren, ja einige sich in ununterbrochenem Rückgang befinden. Was die Berufsverhältnisse der mecklenburgischen Juden anbelangt, so stehen uns zu ihrer Prüfung nur die Berufszählungen2) von 1895 und 1907 zur Verfügung. 1) Gegenwärtig 10. 2) Statistisc hes Handbuch für das Großherzogturn Mccklenburg'Schwerin. 1. Ausgabe 1898. 2. Ausgabe 1910.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.