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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. Seite 2

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Die Juden in Mecklenburg-Schwerin von 1810 - 1910
Date
1912-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wenn nun auch nach dem Gesagten die Zahl der Juden nur eine geringe war. so war ihre Bedeutung doch ungleich größer, als es scheinen mag. Ueber das ganze Land zerstreut, jedoch fast ausscließlich in den Städten wohnend, bildeten sie zahlreiche kleine Gerneinden, die bei der Kleinheit der mecklenburgischen Landstädte oft einen nicht unerheblichen Anteil an der Gesamtstadtbevölkerung bildeten (siehe Tabelle II.) Bei der geringen wirtschaftlichen Entwicklung dieser, zumeist aus Ackerbürgern bestehenden Kleinstädte, bildeten sie das Gros der handeltreibenden Bevölkerung, ja nahmen in einzelnen Zweigen, wie im Manufaktur waren- und Produktengeschäft direkt eine Monopolsteilung ein, deren Reste sogar heute noch zu erkennen sind. An dem Aufblühen des Landes und an der wachsenden Bevölkerung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahmen auch die Juden teil und ihre Zahl stieg von 2494 im Jahre 18101) auf 3318 im Jahre 1845. Dieser Aufschwung nimmt jedoch um die Mitte des Jahrhunderts ein Ende. Wie in allen überwiegend ländlichen Teilen Deutschlands hört um diesen Zeitpunkt die schnelle Bevölkerungszunahme auf, um ein langsameres Tempo einzuschlagen, hervorgerufen durch das Abströmen der Bevölkerung in die damals aufblühenden Industriegebiete und in die großen Städte. Für Mecklenburg kommen hier noch besondere in der feudalen Verfassung des Landes liegende Gründe hinzu, die Tausende alljährlich veranlaßten, den Wanderstab zu ergreifen und das Land zu verlassen. Parallel mit dieser Erscheinung bemerken wir jedoch in diesen Landesteilen einen Rückgang der jüdischen Bevölkerung. In Mecklenburg verloren, wie anderswo, die Kleinstädte durch die Schaffung der modernen Transportmittel ihre Bedeutung. War früher die Kieinstadt der wirtschaft- 1) Ueber die jüdische Bevölkerung vor diesem Jahre ist uns nichts bekannt, da die jüdischen Gemeinden ari' scheinend sohwer daran zu gewöhnen waren, ihre Gemeindeilsten vollständig und pünktlich einzusenden. Die erste vollständige Zählung fand erst IStS statt. liehe Mittelpunkt des sie umgebenden Landgebietes gewesen, in der alle Landbewohner ihren Konsum decken mußten, andrerseits auch ihre Produkte absetzen, ihre Geldgeschäfte abwickeln mußten, bei welch allen Maßnahmen ihnen der jüdische Händler oft unentbehrlich war, so änderte sich dies jetzt naturgemäß. Dadurch wurde den jüdischen Geschäften der Boden entzogen und es blieb den Juden, zumal da das mecklenburgische Land bei dem fast völligen Fehlen jeder Industrie wirtschaftlich wenig fortschritt, nur der Weg zur Auswanderung. Wir finden daher in Mecklenburg-Schwerin seit dem Jahre 1850 einen fast ununterbrochenen Rückgang der jüdischenBevölkevung (Tabelle I), der namentlich nach der Reichsgründung, mit der Einführung der Freizügigkeit und Gewerbefreiheit geradezu er- Tabelle I. Die jüdische Bevölkerung des Grcßher70gtums Mecklenburg Schwerin und deren Zu- oder Abnahme. •Z£ 55 5 *L'ı ) Abnahme (—) -—^ ^- ~r i 5? O 3 w S —.---- _—— V Jahr clisch ölker ozent ßevöll In ZähSp der sriode jähr Proz. p «0 n| — « 00 ü - '—• ii CQ in P Ges.- in absol. Zahlen : m%; 0 _ &.£ 25 <c £ -d 1810 ca. 2494 i) _ _ j ——! „ — 1815 ca. 2690 i) — 4-196 i 4- IM 4-1.56 ~~ 1820 2) 2881 0,73 -4-191! + "u i 4-1,42 — 1825 mo 0,73 +169 1 4- 5,85- 4-1,17 4-1,26 1830 3126 0,70 — 76! -f 2,5! 4-0.5 4-1,48 1S35 5117 0,67 - 9j 4- 0.3S: —0,07 4-0.68 1840 5211 0,65 + 94! + s;oi: 4-0.6 -i-1,20 1845 5318 0,64 4-107! 4- 3,34; +o;67 4-0,87 1850 3267 0,61 - 51; — 1.26; —0,25 4-0.8Q 1855 3105 0,57 -162! — 4.65; —0,93 4-0,16 1860 3190 0,58 ■4- 85; + 2,741 +0,55 -4-0.25 1865 3042 0,55 ' 148 — 4,65; —0.93 4-0,19 1871 2945 0.53 — 97! — 3,191 -0,53 4-0,21 1875 2786 0,50 —159: — 5,4! -1,35 -o;i8 1880 2580 0,46 -206| — 7?,6S: —1,54 +0/82 1885 2347 0,41 -233; — 9,07: —1,81 -0,07 1890 2182 0,38 —165! - 7,03: -,141 +0,11 1900 1763 0,29 —419: - 19,2: —1,92 +0,51 1905 1482 0,24 —218! —16,50. —3,50 +0,56 1910 3) 1413 0,22 — 69; - 4,66 —,01)3 +0,49 x) Berechnet aus der Zahl der über fünf Jahre alten ermittelte n jüdischen Bevölkerung. 2) Die erste vollständige Zählung 1818 ergab 2829 Juden. 3) Mitteilung des statistischen Amtes In Schwerin,

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