Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- Die angebliche Rassen-Immunität der Juden
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
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asiatischen Cholera verschont geblieben sein sollen. Nach allen ätiologischen Momenten bei der Cholera, außer dem Alkoholismus, müßten die Juden unter dieser Krankheit weit häufiger oder mindestens ebenso häufig leiden als die Andersgläubigen. Dennoch haben viele Schriftsteller angeführt, daß die Juden während der großen europäischen Cholera-Epidemien des 19. Jahrhunderts angeblich in geringerem Grrade ergriffen worden sind: Während einiger Epidemien sollen sie sogar eine völlige Immunität gezeigt haben. B ou diu berichtet, daß sie in Algier, obwohl sie in dunkeln überfüllten Wohnungen, häufig in Kellern lebten, doch eine geringe Erkrankungs¬ und Sterblichkeitsziffer während der Epidemie von 1844/45 gezeigt haben. Ähnlich berichtet Tormay, daß in Budapest 1851 die Sterblichkeit unter den Christen sieben Mal so groß war als unter den Juden, und während der Epidemie von 1866 waren von 100 Todesfällen im allgemeinen Hospital 51,76 Todesfälle an Cholera, im jüdischen Hospital dagegen nur 34,0. Aus einer 1868 erschienenen Arbeit von Dr. Scalzi, Professor der Medizin an der Universität Rom, geht hervor, daß die Sterblichkeit an Cholera 1866 unter den Katholiken 69,13 % war, unter den anderen nichtjüdischen Konfessionen 42,13 %, unter den Juden nur 22%- Im Verhältnis zur Bevölkerung war die Sterblichkeit an dieser Krankheit bei den Juden 0,45%, bei den Christen 1%, also mehr als doppelt so groß. Dr. Mopoter in Dublin stellte in einer seiner Vorlesungen über öffentliche Hygiene fest, daß unter den Juden in Whitechapel (London) während neuerer und früherer Cholera-Epide* mien eine überraschende Immunität beobachtet wurde. („Revue Seientifique", 1881, p. 625.) Mr. Wolff, der Armenarzt der spanischen und portugiesischen Synagogen in London sagt von der Immunität der Juden in London im Jahre 1849: „Sie leiden nicht unter der Schwächung durch chronische Vergiftung. Dieser ihr Vorzug befähigte sie während der Epidemie des Jahres 1849 fast eine Immunität gegen die Krankheit zu genießen, die mit furchtbarer Heftigkeit in der unmittelbaren Nachbarschaft des Distriktes wütete, in dem sie am dichtesten zusammenwohnten, und dessen gesundheitliche Bedingungen inbezug auf Reinlichkhit, Lüftung usw. entschieden ungünstig waren." („Medical Times and Gazette", London, vol. 7, 1853, p. 356). Man beachte, daß in diesen Fällen keine völlige Immunität der Juden behauptet wird, wie sie etwa der Neger gegen Gelbfieber und Malaria zeigt. Es wird nur berichtet, daß die Erkrankungsziffer und besonders die Sterblichkeit unter den Juden geringer war als unter den Andersgläubigen. Doch gibt es auch andere Berichte, nach denen in einigen Epidemien die Juden ebenso sehr und sogar mehr litten als die Christen. So berichtet Hirsch, daß die jüdische Bevölkerung von Algier und Smyrna bei der Epidemie von 1831 mehr von der Cholera litt, und dasselbe wurde bei den Juden in Polen, Rumänien (Jassy) und mehreren anderen Orten beobachtet. (Handbuch der historisch-geograhischen Pathologie; Band 1.) Haeser erwähnt diese Tatsache ebenfalls und fügt hinzu: „Wie man im Mittelalter die Juden wegen ihrer Immunität gegen die Pest verbrannt hatte, so vertrieb man sie jetzt als Träger der Cholera aus mehreren Städten. Boudin sammelte ebenfalls Be- Aveise dafür, daß die Cholera die Juden öfter rvs i i i n i i i t i i t ~i »• i ergrm, und aas mre öierDiicnKeit viel noner war als die ihrer nichtjüdischen Nachbarn, obwohl dreizehn Jahre später genau das Gegenteil der Fall war. Während der jüngsten Epidemie dieser Krankheit in Europa 1891—96 besaßen anscheinend die Juden wenigstens an einigen Orten eine relative Resistenz gegen die Krankheit. In Hamburg wurden 1892 während der Monate August und September auf den nichtjüdischen Friedhöfen 6,4 mal soviel Tote begraben wie im Durchschnitt der drei vorhergehenden Jahre; auf dem jüdischen Friedhofe nur 3,5 mal soviel. (Reincke, Deutsche med. Wochenschr., 1893, No. 3—5.) Buschan berichtet, daß ähnliche Verhältnisse in Berlin, Breslau etc, beobachtet wurden. (Globus,