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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-12-01 · Heft 12 (Dezember 1908) · p. Seite 179

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 12 (Dezember 1908)
Article
Die angebliche Rassen-Immunität der Juden
Date
1908-12-01
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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Widerstand entgegenbringt," Buschan steht mit dieser Ansicht nicht allein. Zahlreiche andere Ärzte haben von der „bemerkenswerten Immunität der Juden" gegen ansteckende Krankheiten gesprochen, von der Tatsache, daß sie von den meisten Epidemien, die während des Mittelalters wüteten, verschont blieben, und daß sie noch heutzutage weniger oft als die Christen oder „Arier", unter denen sie grade leben, von infektiösen Krankheiten wie Typhus, Masern, Scharlach, Diphtherie etc. ergriffen werden. Der Beweis für diese Ansicht ist meines Wissens bisher niemals nach unserer heutigen Kenntnis von dem Ursprung und der Ausbreitung der Infektionskrankheiten analysiert worden. Ich beabsichtige nun in dem folgenden Aufsatz die Berichte über Unterschiede zwischen Juden und Christen in ihrer Neigung zu Infektionskrankheiten kritisch zu prüfen und nebenher zu sehen, ob irgendwelche Gründe vorhanden sind, die beobachteten Differenzen auf rassenhafte Ursachen zurückzuführen. Viele Legenden sind aus dem Mittelalter auf uns gekommen über die Immunität der Juden gegen den schwarzen Tod, der in Europa vom 12. bis zum 16. Jahrhundert wütete. Jeder Kenner der jüdischen Geschichte wird überhaupt gegen die Wahrheit dieser Fabeln argwöhnisch sein. Es ist klar, daß ihre Feinde ihre angebliche Festigkeit gegen dieKrankheit als Waffe gegen sie benutzte. Die Juden wurden beschuldigt, direkte Sendlinge des Teufels zur Verbreitung der Pestilenz unter die Christenheit zu sein. Es scheint, daß Satan sehr begierig war, soviel Christen als möglich in Europa zu töten, und zu diesem Zweck die Juden antrieb, die Brunnen zu vergiften, deren Wasser den Christen, die davon tranken, mit Sicherheit die Krankheit brachte. Als Dank des Satans wurde den Juden ein besonderer Schutz gegen die Krankheit verliehen. Selbstverständlich wies die Priesterschaft alle guten Christen darauf hin, daß die Allmacht versöhnt werden müsste, bevor man erwarten könnte, daß sie etwas dazu tun würde, die Grausamkeit der Seuche zu lindern. Daneben wurde nachdrücklich betont, daß Satans Pläne am besten durchkreuzt würden, indem man seine Sendboten, die Juden folterte und mordete, und besonders, indem man ihr fluchbeladenes Eigentum konfiszierte. Das bewährte sich in der Tat als glänzendes Schutzmittel gegen die furchtbare Plage; denn diese wich endlich von der Christenheit — allerdings nicht, bevor sie 25 Millionen Menschen, ein Viertel der damaligen Bevölkerung Europas, hinweggerafft hatte. Wir haben also hier ganz dieselben Argumente, wie sie oft in vielen anderen Fällen gegen die Juden gebraucht wurden, so z. B. bei der Ritualmordbeschuldigung und ähnlichem, Aber die Geschichte weist als Tatsache auf, daß die Juden nicht überall von der Plage verschont blieben. Hoeniger („Der schwarze Tod in Deutschland4' 1881) weist nach, daß sie ebenso oft von der Krankheit ergriffen wurden wie ihre christlichen Nachbarn. Ähnliche Beispiele wurden von Hirsch undHecker erwähnt, und H a e s e r sagt: „Die Juden litten an vielen Orten von der Seuche weniger als die übrige Bevölkerung, wie in so manchen Epidemien", aber an anderen Orten litten sie ebenso sehr wie die Christen, während sie in einigen Städten schlimmer litten als die anderen. So wurde nach Haeser während de:: 14. Jahrhunderts „in Avignon . . . vorzüglich das gemeine Volk, insbesondere die Juden und die sehr unrnässigen Spanier von der Pest ergriffen. Bei den Juden, von denen der zehnte Teil starb, erschien die Krankheit als ausgebildete Bubonenpest", und ähnliche Beispiele werden aus Prag 1713 und aus Polen 1770 berichtet. Alles in allem ist es leicht verständlich, daß in vielen Epidemien die Juden, die isoliert im Grhetto lebten, verschont bleiben konnten. Die Pest- und Cholera-Epidemien haben gezeigt, daß sehr oft Städte nicht ergriffen wurden, während ihre Nachbarstädte von der Krankheit schwer heimgesucht wurden. Oft wurde irgend ein Teil einer Stadt verschont, während der Rest recht schwer litt. Wieviel leichter die Juden dank ihrer Isolierung von der nichtjüdischen

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