Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- Die angebliche Rassen-Immunität der Juden
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
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— IIS — sciiiedenheiten in der Empfänglichkeit und der Immunitat gegen Krankheiten auf verschiedene Weisen, die mehr mit unserem Wissen über den bakteriellen Ursprung der ansteckenden Krankheiten übereinstimmen. Daneben neigen einige dazu, diese Unterschiede im Auftreten von Infektionskrankheiten bei verschiedenen Völkern auf Rassenunterschiede zurückzuführen. Es zeigt sich z.B., daß derNeger nur selten vom Gelbfieber befallen wird, und daß er der Malaria weit besser widersteht als der Weisse. Hier haben wir einen Fall, in dem Rassenverschiedenheiten mit Unterschieden in der Empfänglichkeit gegen Krankheiten zusammenfallen. Die wissenschaftliche Erklärung dieser Erscheinung ist, daß der Neger eine weitgehende Immunität durch einen Prozeß natürlicher Auslese und Vererbung erworben hat. Diese Krankheiten waren wahrscheinlich früher unter den schwärzen Rassen stark verbreitet, und alle für sie empfänglichen Individuen gingen zugrunde, während die unempfänglichen überlebten. Da die Eigenschaften, denen sie ihr Überleben verdankten, für die Art von Nutzen waren, kann man annehmen, daß sie leicht durch Vererbung übertragen wurden. Andererseits wird eine Bevölkerung, die einer solchen Auslese nicht unterworfen ist, von einer neu eingeführten Krankheit heftig ergriffen. Wenn Masern, Scharlach, Diphtherie usw. auf Inseln eingeschleppt wurden, auf denen sie bis dahin unbekannt waren, wurde die Bevölkerung in kurzer Zeit stark dezimiert; denn ihre Vorfahren hatten keine Immunität erworben und durch Vererbung übertragen. Es ist fraglich, ob man diese Art besonderer Empfindlichkeit gegen ansteckende Krankheiten im strengen Wortsinn „rassenhaft" nennen kann. Man muß bedenken, daß nach wenigen Epidemien, d. h. nachdem die meisten der empfänglichen Individuen erlegen sind, eine Rasse zurückbleibt, die in dieser Hinsicht sich garnicht von anderen Rassen unterscheidet. Aber man kann nicht sagen, daß anthropologisch irgend ein Unterschied zwischen dem verhältnismäßig immunen Volke und seinen außerordentlich empfänglichen Vorfahren besteht. Viele oft zitierte Beispiele für den Einfluß der Rasse auf die Verbreitung von Krankheiten haben sich bei sorgfältigem Studium als Folgen äußerer Unterschiede herausgestellt. So sah man die Schlafkrankheit, eine im äquatorialen Afrika heimische Seuche, bis in die jüngste Zeit als eigentümlich für die Negerrasse an, und Europäer sollten völlig immun gegen sie sein. Aber neue Untersuchungen haben gezeigt, daß die „Immunität" der weißen Rasse nur daher rührt, daß wenig Weiße in Westafrika leben, und die dort lebenden stehen unter besseren hygienischen und sanitären Bedingungen, und aus diesem Grunde entgehen sie gewöhnlich der Seuche. Tatsächlich sind auch neuerdings mehrere Fälle von Schlafkrankheit unter den Weißen berichtet worden. Dieses und manches ähnliche Beispiel zeigt, daß, bevor wir von einer Rassen- Immunität oder -Disposition sprechen, wir viele Umstände beachten müssen, die zu der beobachteten Eigentümlichkeiten beitragen können. Die „Rasse" ist viel zu oft als Deckmantel für unsere Unwissenheit benutzt worden, während wir in vielen Fällen finden, daß das Milieu mehr Einfluß auf die Entstehung von Krankheiten hat als der ethnische Ursprung. Diesen verbreiteten Fehler, die Vernachlässigung des Einflusses der Umgebung in der Ätiologie der Krankheiten, begehen viele Autoren, indem sie von der Rassen-Immunität der Juden gegen gewisse Krankheiten sprechen. B u s c h a n („Globus", Bd. 67, p. 45) findet sogar, daß die pathologischen Charakteristika der Juden ihm einen ausreichenden Beweis für die Reinheit der jüdischen Rasse liefern. Er sagt: „Ich habe stets den Eindruck gewonnen, daß der Jude sowohl physisch als auch psychisch (psychologisch) sich von dem europäischen Arier (?) streng unterscheidet. Die Rassenpathologie bestätigt solche Auffassung. Wir sehen, daß die jüdische Rasse im Gegensatz zu der arischen dem Einflüsse gewisser pathologischer Vorgänge bald eine | erhöhte Disposition, bald einen erhöhten