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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. Seite 166

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Die Sterblichkeit der Juden in Budapest 1901 - 1905
Date
1908-11-01
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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— 166 — heiratete + verwitwete Frauen über 25 Jahre. Das Uteruskarzinom ergreift also die Ledigen in geringerem Grade. Wenn wir mit diesem Unterschied die Differenz der Juden erklären wollten, müßten also bei ihnen die ledigen Frauen sehr zahlreich sein. Das Gegenteil ist der Fall. Sie haben nur 13 % ledige Frauen über 25 Jahre unter sich, also halb so viele wie die Katholiken. Dadurch wird das Rätsel noch undurchdringlicher. Die Zahl der Krankheiten, in denen die Juden günstiger dastehen, ist sehr erheblich. Weitaus die größte Bedeutung unter ihnen hat die Lungentuberkulose, die mörderischste aller Krankheiten. Sie rafft unter 100000 Einwohnern bei den Katholiken 441,5, bei den Juden dagegen nur 200,6 Menschen dahin. Da sie zumeist Personen im erwerbsfähigsten Älter befällt, und zwar vorwiegend Männer, so liegt hier die wesentlichste Ursache des sozial so ungeheuer wichtigen Männerüberschusses der Juden in diesen Altersklassen, die bei den Nichtjuden erheblichen Frauenüberschuß zeigen. Es erhebt sich nun die Frage, ob das Verhalten der Juden soziale oder biologische Ursachen hat. Zur exakten Beantwortung dieser Frage würde ein ausführliches Eingehen auf die Wohlhabenheits¬ und Wohnungsverhältnisse erforderlich sein, und dazu ist hier nicht der Raum; wir wollen uns mit dem kurzen Hinweis auf den Einfluß der Berufsgliederung begnügen, Bei den körperlich Arbeitenden war unter den Toten jeder Dritte (!) an Schwindsucht gestorben, für die geistigen Berufe ist diese Zahl 4,6, für die Handeltreibenden 4,4. Es scheint demnach, als ob die Berufsgliederung und ihre Folgen zur Erklärung dieser Erscheinung nicht ausreichen, da die Juden als Gesamtheit noch unter dem Durchschnitt der Sterblichkeit in den geistigen Berufen rangieren. Wer will, mag hier an eine besondere Immunität der Juden glauben; ich für meine Person vermute als Ursache der größeren Widerstandsfähigkeit der Juden ihr Verhalten gegen den Alkohol. Die Verbreitung des Alkoholismus unter den Juden Budapests kann natürlich nur indirekt erschlossen werden, wie oben die Verbreitung der Syphilis. Aber wir haben genügende Handhaben für solche Schlüsse, Da ist vor allem die Säuferkrankheit kat exochen, die Leberschrumpfung (Girrhos e). An ihr starben unter 100 000 Nicht- Juden 13,0 bezw. 14,4, unter der gleichen Anzahl von Juden aber nur 5,4, also wenig mehr als ein Drittel. Das läßt sich nicht anders erklären, als durch größere Mäßigkeit der Juden im Alkoholgenuß. Ist man erst einmal auf diesen Gesichtspunkt aufmerksam geworden, so findet man noch mehr Hinweise darauf. Auch für die Nierenentzündung und die durch sie bedingte Schrumpfung ist der Alkohol eine der wichtigsten Ursachen, teils durch eine Schädigung des Nierengewebes selbst, teils durch frühzeitige Verkalkung der Gefäße. Für die Juden hätten wir hier, wo es sich in der Mehrzahl der Fälle um eine Erkrankung höherer Altersklassen handelt, eine stärkere Beteiligung zu erwarten; statt dessen finden wir bei ihnen die Zahl 37,2, bei den Nichtjuden 55,2 und 53,3. Ganz ebenso steht es mit den Schlaga«fällen, bei denen die Juden mit 35,2 gegen 41,7 und 45,2 auftreten, und der Arterienverkalkung, wo sie den Katholiken nur gleichkommen, anstatt sie — der Erwartung nach — zu übertreffen. Beides sind typische Alterserkrankungen, die jedoch infolge von Alkoholismus frühzeitiger und häufiger auftreten; auch die Syphilis spielt hier eine erhebliche Rolle. Alle diese Momente zusammen lassen wohl mit guter Berechtigung den Schluß ziehen, daß der Alkoholismus bei den Juden Budapests eine geringere Verbreitung hat als bei den Nichtjuden. Vielleicht unterliegt derselben Erklärung zum Teil auch die ganz auffallend geringe Sterbeziffer der Juden bei der Lungenentzündung: 89,1 gegen 176,9 bezw. 145,4. Welche Ursachen hier die Sterblichkeit im Kindesalter herabmindern, haben wir bereits

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