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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. Seite 165

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Die Sterblichkeit der Juden in Budapest 1901 - 1905
Date
1908-11-01
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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— 165 — trinkt er viel, wenn der Jude viel Durst hat, läßt er seinen Urin untersuchen. Angaben über die Häufigkeit dieser Krankheit unter den Juden haben also nur dann einen Wert, wenn sie an einem großen, nicht ausgewählten Material gewonnen sind, und solche Angaben existieren meines Wissens nicht. Sicherer sind Schlüsse aus der Sterblichkeitsstatistik; doch wird auch hier eine gewisse Reduktion der für die Juden gefundenen Ziffern notwendig sein. Es sterben nämlich nur relativ wenige Diabetiker unter Erscheinungen, die auch bei vorher nicht bereits festgestelltem Diabetes die Diagnose kurz vor dem Lebensende noch nahelegen; die meisten gehen vielmehr an Neben krankheiten zu Grunde, die aber in direktem Zusammenhang mit dem Diabetes stehen (Lungenschwindsucht, Arterienverkalkung, bes. des Herzens, Sepsis, Pneunomie etc.). Der Arzt wird in diesen Fällen, wenn ihm der Diabetes bekannt ist, ihn meist auch als Todesursache anführen, und diese Diagnose wird ihm beim Juden weit häufiger entgegenbracht werden. — Diese Einschränkung kann aber der Tatsache nichts von ihrem Gewicht rauben, daß die Juden Budapests an Diabetes 3V2 Mal so viele Menschen verlieren als die Katholiken. Die Tatsache steht fest, ihre Deutung ist zunächst zweifelhaft. Liegt hier wirklich eine besondere Rassendisposition der Juden vor? Das anzunehmen ist erst erlaubt, wenn andere Erklärungsversuche versagen. Die Erklärung ist jedoch ganz analog der bei der Paralyse gegebenen, daß die Disposition der Juden zum Diabetes wenigstens teilweise^ eine berufliche, wahrscheinlich das Nervensystem treffende, ist. Im Durchschnitt der Jahre 1902—1905 war nämlich von den gestorbenen körperlich Arbeitenden jeder 296. dem Diabetes erlegen, von den Angehörigen der geistigen Berufe aber jeder 128., von den Handeltreibenden sogar jeder 65! Die Disposition der geistigen Berufe war also 2 V3 Mal, die der Handeltreibenden sogar 4V2 Mal so groß als die der körperlich Arbeitenden. Diese Differenzen würden genügen, um das Verhalten der Juden zu erklären. Es ist allerdings nicht festzustellen, wie weit die jüdischen Mitglieder dieser Berufe die Verschiedenheit der Zahlen selbst bedingen, sodaß ein endgiltiges Urteil hier nicht abgegeben werden kann. Jedenfalls müßte diese Spur weiter verfolgt und Material für die Vergleichung der Todesursachen nach Berufen zwischen Juden und Nichtjuden gesammelt werden. Daß überhaupt solche berufliche Differenzen bei den Todesursachen von wesentlicher Bedeutung sind, sehen wir sofort, wenn wir andere Fälle zum Vergleich heranziehen, in denen sie augenscheinlich nicht wirksam sind. Das beste Beispiel sind die Kr e b s e. An Krebsen waren gestorben von den körperlich arbeitenden Männern jeder 16., von den geistig arbeitenden jeder 15., von den handeltreibenden jeder 17. Mann. Gleichmäßig trifft diese Geißel der Menschheit alle Stände. Wenn wir zunächst den Gebärmutterkrebs ausschalten, so zeigen auch die Juden keinerlei Sonderstellung. Ihre Ziffer entspricht genau den „übrigen Konfessionen" und weicht von den Katholiken nur um ein Zehntel ab. Eine merkwürdige Ausnahme bildet der Ge b är mutt er k r eb s. Die Juden haben hier nur ein Drittel der Totenziffer bei den christlichen Gruppen, nämlich 8,6 gegenüber 24,0 bezw. 26,0. Vorläufig fehlt jede Möglichkeit eines Erklärungsversuches; die Tatsache selbst ist mir auch von Berliner Frauenärzten mit großer Erfahrung bestätigt worden. Selbst wenn man annimmt, daß mehr Jüdinnen durch rechtzeitiges ärztliches Eingreifen gerettet werden, so kann das unmöglich die riesige Differenz der Zahlen erklären, denn dasselbe müßte sich dann auch bei anderen Karzinomen zeigen. Man könnte daran denken, daß es für die Entstehung eines Uteruskrebses wesentlich ist, ob eine Frau ledig oder verheiratet ist. Unter den Todesfällen an Gebärmutterkrebs fielen nun 16,3 % auf unverheirate, 83,7 % auf verheiratete + verwitwete Frauen (sämtlich über 25 Jahre). Nach der Volkszählung von 1901 fanden sich aber unter den Katholiken 25,5 % ledige und 74 % ver-

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