Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Die Sterblichkeit der Juden in Budapest 1901 - 1905
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
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— 157 — Nur bei den Juden liegt der Gipfel der Kurve bereits im ersten Abschnitt; die beiden andern Eairven entsprechen sich durchaus. Trotzdem ist nach den vorangegangenen Auseinandersetzungen kein Zweifel, dass die Kurve der Juden der natürlichen Kurve am nächsten kommt. Jeder Arzt weiss, dass die Fehlgeburten in frühen Monaten die grosse Mehrzahl bilden. Wenn unsere Betrachtung über die Ursachen der grösseren Fehlgeburtenziffern der Juden richtig war, so gibt es eine Probe aufs Exempel: die unehelichen Fehlgeburten. Hier wirken die Momente, welche die Ziffer der frühen Fehlgeburten herabdrücken, bei Juden und Nichtjuden in ähnlichem Masse ein, die Verheimlichung und die Vernachlässigung. Wir dürfen erwarten, dass die Ziffern sich hier viel ähnlicher sind. Auf 1000 uneheliche Lebendgeborene (1903—1905) kamen uneheliche Fehlgeburten : Tabelle XXXIV. 1. Monat 4.-7. Mon. |8,—lO.Mon. Übrige Konfessionen 31,40 39,53 31,38 78,65 75,76 86,36 50,28 40,84 48,15 Hier sind in der Tat die Unterschiede zum großen Teil ausgeglichen, und auch die Kurve der Juden nimmt jetzt den Typus der beiden anderen Kurven an. (Figur 7.) 2o 40----L-- ^3 4-7 g-io Entsprechend der höheren Totgeburtenzahl der Unehelichen ist hier auch die FehlgeburtenziiTer vom 4.-7. Monat bereits höher, da Fehlgeburten in dieser Zeit schon ernste Ereignisse bedeuten, die sich nicht so leicht der statistischen Erhebung entziehen können. Im ersten Zeitabschnitt ist auch hier noch die Ziffer der Juden etwas höher als die der Übrigen, während die tatsächlichen Verhältnisse sicher umgekehrt liegen. Die Mindestgröße des Fehlers, den die Zahlen hier bieten, schätze ich für die Juden auf das 372 fache, für die Nichtjuden auf das 4Vj fache der durch die statistische Erhebung gewonnenen Zahl. Wir können daher mit voller Bestimmtheit sagen: Die hohe Fehlgeburtenziffer der Juden beruht nicht auf den wirklichen Verhältnissen, sondern auf den Mängeln der statistischen Erhebung. y~j Schließlich wollen wir, obwohl das nicht streng hierhergehört, wegen des hohen allgemeinen Interesses der Frage einen Bück auf das Geschle c h tsverbältnis der Tot- und Fehlgeburten werfen. Bekannt ist das eherne Gesetz, nach dem in allen genauer untersuchten Ländern Europas auf 100 Mädchen stets etwa 106 Knaben geboren werden. Auch für Budapest gilt in dem Zeitraum 1901—1905 bei den Lebendgeborenen als Verhältnis der Knaben zu den Mädchen 105,8 :100 oder rund 106 : 100. Dieser Überschuß von Knaben aber ist nur ein vorübergehender. Schon in der Säuglingszeit sterben merkwürdigerweise vom „starken" Geschlecht weit mehr als vom schwachen, diese Erscheinung setzt jich in die Kinderjahre fort und führt dazu, daß um das 18.—20. Jahr herum das Verhältnis meist ein umgekehrtes ici+ r\-p-d* ar»Vi/"YT-» -Ptmt V» ar* XOU« V1U XJL UIJ.VJL . Diese größere Hinfälligkeit der Knaben gibt Veranlassung zu der Frage nach dem Geschlechtsverhältnis der Totgeborenen. Bei unserem Material*) finden wir nun, daß in den fünf Jahren 1901—1905 totgeboren wurden 2031 Knaben und 1643 Mädchen. Demnach besteht das Geschlechtsverhältnis der J) Wir betrachten hier, um größere Zahlen zu gewinnen, alle Konfessionen zusammen*