Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Die Sterblichkeit der Juden in Budapest 1901 - 1905
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2650397-3187703-3187714-3192136--1893-3192170- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 158 — Totgeborenen i23,6:100s Es werden also um ein Viertel mehr Knaben als Mädchen totgeboren. Gehen wir weiter zurück. Bei den Fehlgeburten des 1. bis 3. Schwangerschaftsmonats ist das Geschlecht noch nicht festzustellen, sie sind unbestimmten Geschlechts. Von Fehlgeburten vom 4. bis 7. Monat wurden gezählt: 2481 männliche und 1586 weibliche. Das Geschlechtsverhältnis der Fehlgeburten ist hier 156,4'. 100.*) Es wurden also um die Hälfte mehr männliche Früchte fehlgeboren als weibliche. Nun ist diese Zahl sicherlich noch bei weitem zu niedrig. Wir sehen zunächst, wenn wir das Verhältnis für die einzelnen Monate feststellen, eine nach rückwärts aufsteigende Reihe. Im 7. Monat ist das Geschlechtsverhältnis nach unserem Material 115,5:100, im 6. Monat 115,7 :100, im 5. Monat 163 :100 und im 4. Monat sogar 229 :100! Je weiter rückwärts aber desto größer sind naturgemäß die Lücken der statistischen Erhebung, sodaß grade für die frühen Monate mit ihrem großen Knabenüberschuß weit mehr Fehlgeburten anzunehmen sind. Dazu kommt, daß nach den gesicherten Ergebnissen der Forschung die Früchte des 1. bis 3. Schwangerschaftsmonats keineswegs etwa als geschlechtslos anzusehen sind, sondern als vollkommen geschlechtlich bestimmt. Nehmen wir für die Aborte des 1. bis 3. Monats, ohne das Gesetz des rückwärts steigenden Knabenx) Die Zahl stimmt vortrefflich zu dem von Raub er an den Embryonen anatomischer Sammlungen beob' achteten Geschlechtsverhältnis 159:100, Überschusses auch auf sie vollständig anzuwenden, nur das Geschlechts Verhältnis der Aborte des 4. Monats an (ca. 225:100) so ergibt sich unter der — sicher zur niedrigen — Ansetzung ihrer Zahl auf das Doppelte der Fehlgeburten vom 4.—7. Monat für alle Fehlgeburten zusammen ein Geschlechts Verhältnis von mindestens 200 :100. 3) Das wahre Geschlechtsverhältnis muß aber nach diesen Betrachtungen weit höher angesetzt werden als 106:100. Das wahre Geschlechtsverhältnis aller befruchteten menschlichen Keimzellen (Lebendgeborene, Totgeborene und Fehlgeburten zusammen) würde nach unserer Berechnung auf mindestens 120:100 anzunehmen sein, wahrscheinlich noch höher. Dieser Zahl als der Norm wird sich das Geschlechtsverhältnis der Lebendgeborenen um so mehr nähern, je weniger Fehlgeburten und Totgeburten vorkommen, je weniger Knaben also vorzeitig ausgeschaltet werden. Die geringere Zahl der Totgeburten und Fehlgeburten dürfte nun die Ursache sein, warum bei den Juden das Geschlechtsverhältnis der Lebendgeborenen in der Regel etwas höher gefunden wird. Für Budapest beträgt es etwa 109:100. Damit ist der größere Knabenüberschuß der Juden, der von Räuber u, a. als mystisches Rätsel angesprochen wurde, in einfacher und natürlicher Weise erklärt. (Zweiter Teil folgt.) 3) Die genauere Berechnung, für die hier nicht der Platz ist, muß für einen andern Ort aufgespart werden. Die Zahl der Jaden in der Türkei. Von, Dr. Arthur Ruppin, Jaffa. Im Anschluß an die politische Umwälzung in der Türkei spricht man davon, daß demnächst im türkischen Reiche eine Volkszählung stattfinden solle, die für viele staatliche Zwecke, z. B. die Ermittelung der Wahlfähigen und Wehrpflichtigen, außerordentlich wichtig ist. Es dürfte aber jedenfalls noch geraume Zeit vergehen, bis die Resultate der Zählung vorliegen, und deshalb verdienen die statistischen Angaben über die Zahl der Juden und Nichtjuden Interesse, welche Graf F. van den Steen de Jehai, Ministerresident des König-