Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Die Sterblichkeit der Juden in Budapest 1901 - 1905
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
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— 155 — jede 3. unehelich ist Den großen Einfluß dieser Tatsache können wir sofort nachweisen. Auf 1000 eheliche Lebeftdgeborene kommen eheliche Totgeburten Tabelle XXV.__ Katholiken •.........— — — — — — 29,84 Juden •.........................22,14 Übrige Konfessionen •.............28,12 oder: bei den Juden ist von ehelichen Geburten jede 45., bei Katholischen bereits jede 34., bei den übrigen Konfessionen jede 36. Geburt eine Totgeburt. Wir sehen jetzt, daß die G-esamtziffer bei den Juden um Vn, bei den Katholiken um V5? bei den übrigen Konfessionen sogar um 3/4 höher ist als die der ehelichen Totgeburten. Diese Erhöhung ist nun durch die unehelichen Totgeburten hervorgerufen und darum bei den Juden so gering. Es kommen nämlich auf 1000 uneheliche Lebendgeburten uneheliche Totgeburten: ______Tabelle XXVI. Katholiken •.....................47,51 Juden - .........................88,87 Übrige Konfessionen •..............-51,84 bei den Katholiken ist demnach jede 21., be1 den übrigen Konfessionen jede 20., bei den Juden jede 26. uneheliche Geburt eine Totgeburt. Durchgehends, bei ehelichen und unehelichen Geburten, zeichnen sich also die Juden durch eine recht geringe Totgeburtenziffer aus. Wir haben jedoch keinen Grund, darin den Ausdruck einer besonderen Lebenskraft der jüdischen Leibesfrucht zu sehen, nachdem wir die hohe Sterblichkeit an angeborener Lebensschwäche bei ihnen nachgewiesen haben, sondern müssen die Erklärung in jenen äußeren Hilfsursachen sehen, die obeii aufgezählt sind. Höchst auffallend ist nun auf den ersten Blick trotz der geringen Zahl der Totgeburten die starke Belastung der Juden mit Fehlgeburten. In dem Jahrfünft 1901-1905 sind Fehlgeburten notiert bei _Tabelle XXVII. Katholiken...................~ .^8012 Juden..........................2716 Übrige Konfessionen •................1837 Vergleichen wir diese Zahlen mit denen für die Totgeburten, so finden wir, daß auf 100 Totgeburten kamen Tabelle XXVIII. Katholiken...............318.6 Fehlgeburten Juden..................5()9',6 Übrige Konfessionen..........287,0 ,; Bei der Berechnung auf 1000 Lebendgeborene zeigt sich dieselbe Erscheinung: Tabelle XX5X. Katholiken •...................113,04 Juden.........................123,03 übrige Konfessionen.................101,01 Wenn wir versuchen, eine Aufklärung durch die Verteilung der Fehlgeburten auf eheliche und uneheliche zu erhalten, bietet sich uns eine neue Absonderlichkeit. Es entfielen nämlich Tabelle XXX. Auf 1000 ehe liehe Geburten eheliche Fehlgeburten Auf 1000 uneheliche Geburten uneheliche fehlgeburten Katholiken......... 116,00 106,43 Juden............ 123,55 119,24 Übrige Konfessionen.... 94,55 116,21 Es sind also (außer bei den „übrigen Konf.") die Zahlen der ehelichen Fehlgeburten größer als die der unehelichen, und überall marschieren die Juden an der Spitze, also alles iust umgekehrt wie bei den Totgeburten. O O Die beiden Rätsel haben eine gemeinsame Lösung. Die Statistik über die Fehlgeburten in Budapest kommt zustande durch die Meidungen von Hebammen und Ärzten, denen eine Meldepflicht für Aborte auferlegt ist. Infolgedessen kann die Statistik, da aus naheliegenden Gründen zahlreicheAborte verheimlicht werden, nicht die tatsächlichen Verhältnisse wiederspiegeln, sondern wird eine starkeMehrbelastung mit Aborten bei den Bevölkerungsklassen vortäuschen, die Arzt und Hebamme hierbei am häufigsten zuziehen. Das trifft nun zunächst allgemein für eheliche Aborte zu, indes.