Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Die Sterblichkeit der Juden in Budapest 1901 - 1905
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
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— 154 — liehe hat. Es läge am nächsten, die Zahlen auf die Gesamtzahl der gestorbenen Kinder der betreffenden Konfession zu verrechnen, aber das ist deswegen nicht ratsam, weil beim Zurücktreten einer wichtigen Todesursache wie z. B. des Darmkatarrhs bei den Juden die Zahlen für andere Krankheiten prozentual in die Höhe gedrückt werden, so daß sich ein schiefes Bild ergibt. , Tabelle XXlil. Auf 1000 Lebendgeborene der betr. Konfession starben Krankheit Katholiken juden übrige Konf. 15,4 16,2 14,4 Hirnhautentzündung •...... 1U 9,7 8,7 Tuberkulöse Hirnhautentzündung 9,7 7,0 6,7 10.4 6.6 9,3 Lungenentzündung nach Masern 6/7 3,2 5,3 Katarrh. Lungenentzündung 14,8 4,4 14,7 15,6 8,0 11.3 10,7 6,5 8^5 Deutlich treten aus dieser Tabelle die Unterschiede der beiden Krankheitsgruppen hervor. Die erste setzt sich aus Krankheiten zusammen, die entweder wie die tuberkulöse Hirnhautentzündung absolut tötlieh sind, oder wie der Scharlach einer Beeinflussung ihres Verlaufes durch Pflege oder ärztliches Ein» greifen wenig zugänglich sind. Bei ihnen zeigen die Juden keine spezifische Bevorzugung. — Die zweite Gruppe dagegen enthält Krankheiten, bei denen ein tötlicher Ausgang vielfach durch rechtzeitige ärztliche Hilfe vermieden werden kann. Am deutlichsten, auch für den Nichtarzt, tritt das bei der Diphtherie hervor. Ein gutes Beispiel geben auch die Masern ab. Hier erfolgt ein tötlicher Ausgang wohl stets durch Komplikationen, besonders von Seiten der Lunge. Diese Komplikationen der Lunge nun lassen sich viel eher vermeiden, wenn bei geeigneter Pflege für Entfernung des katarrhalischen Sekrets der Luftröhren gesorgt wird. So kommt es, dass die Mindersterblichkeit der Juden, die bei Masern sehr deutlich ist, noch stärker hervortritt, wenn nur die Lungenentzündung nach Masern betrachtet wird, am allerstärksten, wenn die katarrhalische Lungenentzündung überhaupt zur Berechnung kommt. Die geringe Kindersterblichkeit der Juden ist abgesehen von sozialen Momenten — auf die wir an dieser Stelle nicht eingehen können — durch die gesteigerte elterliche und ärztliche Fürsorge bei den Juden zu erklären. 4, Tot- und Fehlgeburten.1) Tot- und Fehlgeburten haben gewisse gemeinsame Ursachen, mit deren Stärke sie an Zahl zu- und abnehmen. Schlechte Ernährung und schwere Arbeit der Mutter während der Schwangerschaft, Alkoholismus der Eltern, besonders auch des Vaters, Syphilis und Infektionskrankheit begünstigen eine vorzeitige Unterbrechung der Schwangerschaft und die Geburt eines toten Kindes. Für die Totgeburten kommen femer Abweichungen im Beckenbau der Mutter und Mangel an rechtzeitiger kunstgerechter Entbindungshilfe in Betracht. Tabelle XXIV. Es ereigneten sich Totgeburten in den Jahren 1901—1905 bei 2501 533 640 auf 1000 Lebendgebor. 35,29 24,U 3519 Katholiken........ Juden ........... Übrigen Konfessionen Bei den christlichen Konfessionen ist also jede 29. Geburt eine Totgeburt, bei den Juden erst jede 42. Alle eben namhaft gemachten Faktoren zur Vermehrung der Totgeburten wirken eben bei den Juden in geringerem Grade als bei den Nichtjuden. Sehr wesentlich aber ist vor allem auch das Verhalten der unehelichen Geburten, bei denen bekanntlich aus denselben Gründen die Ziffer der Totgeburten ganz bedeutend höher ist. Nun erinnere man sich, dass bei den Juden jede 8. Lebendgeburt, bei den Nichtjuden dagegen x) Totgeburt heisst die Geburt eines toten, aber ausgetragenen Kindes (im 8.—10. Schwangerschaftsmonat); Fehlgeburt die vorzeitige Unterbrechung der Schwangerschaft im 1.—7. Mon^t.