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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-10-01 · Heft 10 (Oktober 1908) · p. Seite 153

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 10 (Oktober 1908)
Article
Die Sterblichkeit der Juden in Budapest 1901 - 1905
Date
1908-10-01
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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— 153 — in die Höhe und erreicht die Sterblichkeit der „übrigen Konfessionen". Mit einem Schlage ist die große Differenz in der Kindersterblichkeit geschwunden. Hieraus können wir den bündigen Schluß ziehen, daß die erstaunlich geringe Kindersterblichkeit der Juden nicht in einer besonderen Lebenszähigkeit der jüdischen Kinder ihren Grund hat, sondern in denselben Ursachen, deren Fortfall die Sterblichkeit der Unehelichen steigert. Was das nun ist, wissen wir längst: Die Sterblichkeit der unehelichen Kinder ist höher durch geringere Fürsorge seitens der Mutter (selteneres Stillen etc.) und durch ungünstige soziale Verhältnisse. Dieser Sterblichkeitszuwachs aber beträgt bei den Nichtjuden Budapests etwa 9 %, bei den Juden dagegen 57 %. Umgekehrt erhalten wir dadurch einen Maßstab für die größere Fürsorge, die den ehelichen Kindern zuteil wird. Wenn wir es hausbacken ausdrücken wollen: Die Fürsorge für die ehelichen Kinder ist bei den Nichtjuden um 9 % größer, bei den Juden um 57 % Noch schlagender läßt sich beweisen, daß nicht etwa den jüdischen Säuglingen an sich eine größere Lebenszähigkeit zukommt, wenn wir die beiden Würgengel der kleinen Kinder einander gegenüberstellen: die angeborene Lebensschwäche und den Darmkatarrh. Die angeborene Lebensschwäche gewährt der elterlichen und ärztlichen Fürsorge nur ein kleines Feld; nur ein kleiner Teil dieser Kinder läßt sich retten. Anders der Darmkatarrh : Hier bedeutet die Fürsorge der Mutter, vernünftige Ernährung, rechtzeitige Beachtung von Störungen, frühes Herbeiholen ärztlicher Hilfe alles. Und nun die Zahlen : Tabelle XXI. Es starben an angeborener Lebensschwäche Katholiken Juden übrige Konfessionen 2841 | 666 an Darmkatarrh im Alter von 0—2 2247 | 302 626 ahren 1903—1905 *) 493 1) Unser Material erlaubt nur diese Ausscheidung. *) Die gesamte Kindersterblichkeit der Juden wird durch die weit größere Sterblichkeit ihrer unehelichen Kinder nur wenig erhöht infolge der sehr geringen Zahl unehelicher Geburten bei den Juden. Bei ihnen sind nämlich die Unehelichen 12,0 % cter Lebend* geboren, bei den Nichtjuden über 30 %. Tabelle XXII. Von 100 gestorbenen Sängiingen starben an angeborener Lebensschwäche Katholiken.......................24,1 Juden..........................30,7 Übrige Konfessionen..................24,7 Von 100 gestorbenen Kindern im Alter von 0 — 2 Jahren starben an Darmkatarrh Katholiken......................24,7 Juden..........................17,9 Übrige Konfessionen..................24,6 Bas besagt alles. Die jüdischen Kinder sind von Natur hinfälliger als die nichtjüdischen. Trotz aller Fürsorge sterben bei den Juden 6 % mehr infolge angeborener Lebensschwäche als bei den Nichtjuden. Beim Darmkatarrh dagegen gelingt es den Juden 7 % mehr der Kinder dem Tode zu entreißen. Der ganze Spielraum von 13 % zwischen der Mehrsterblichkeit der Juden an der unerbittlichen und der Mindersterblichkeit an der abwendbaren Todesursache gibt uns einen ungefähren Maßstab dafür, was die jüdischen Eltern durch gesteigerteFürsorge im Kampf gegen den Kindertod zu leisten vermögen. Diese selbe Erscheinung nun finden wir auch bei den anderen wichtigeren Todesursachen der Kinder. Ein Teil unterliegt sehr wenig der Möglichkeit einer Beeinflussung; in diesen Fällen zeichnen sich auch die Juden nicht durch besonders geringe Kindersterblichkeit aus. In einer anderen Reihe von Todesursachen aber liegen die Dinge genau so wie beim Darmkatarrh. Rosenfeld1) hat in einer schönen Studie über die Sterblichkeit der Wiener Juden auf diese Verhältnisse aufmerksam gemacht, und wir können das an unserem Material durchaus bestätigen. Wir geben im folgenden Ziffern für die Kinder= Sterblichkeit an einzelnen Krankheiten, bezogen auf die Zahl der Lebendgeborenen der betreffenden Konfession. Es ist diese Berechnung gewählt, um einen vergleichbaren Index zu gewinnen, obwohl sie manches Mißi) Archiv für Rassen- und GesellsehaftS'Biologiel907.

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