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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-08-01 · Heft 8 (August 1908) · p. Seite 116

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 8 (August 1908)
Article
Die Armut unter den Juden in New-York
Date
1908-08-01
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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- 116 - wenn sie sich bestätigt fände. Ich habe mir deshalb die Aufgabe gestellt, die Proportion der auf die Wohltätigkeit Angewiesenen bei den aus den verschiedenen Ländern in die Vereinigten Staaten einwandernden Juden zu untersuchen. Dazu müßte man aber die genaue Zahl aller Juden in New-York und ihre Herkunftsländer wissen. Da diese jedoch nicht gegeben sind, so kann man sich nur in indirekter Weise darüber Gewißheit verschaffen. Wenn wir uns erinnern, daß beinahe 98% aller Hilfsbedürftigen Immigranten waren, und daß die gieße Majorität weniger als 5 Jahre im Lande war, so ist es klar, daß wir durch Feststellung der Zahl und der prozentualen Beteiligung der Herkunftsländer der Einwanderer die gesuchte Proportion finden können. So habe ich die Zahl der Juden zusammengestellt, die in den Jahren 1883—1905 in die Vereinigten Staaten eingewandert sind und unter ihnen gefunden: 551708 oder 67,94% aus Rußland 192809 „ 23,70% w Österreich-Ungarn 43757 „ 5,38% „ Rumänien 16619 2,04% „ Deutschland. Wenn wir jetzt die Zahl der Unterstützten nehmen, welche angaben, daß sie in den Jahren 1883—1905 in den Vereinigten Staaten eingewandert seien, so ergeben sich folgende Ziffern: 4716 oder 51,65% aller Unterstützten waren aus Rußland 2826 „ 29,69% „ n „ Östr.Ung. 342 „ 3,75% n „ \ n Deutsch!. 559 n 6,12% „ „ „ „ Rumänien 802 „ 8,79% „ n n , and.Länd, Wenn wir jetzt diese Prozentsätze vergleichen, so kommen wir zu folgenden Resultaten: Einwanderer Unterstützte Rußland " 67,94% 51,65% Österr.-Üngarn 23,70 % 29,69 % Deutschland 2,04% 3,75% Rumänien 5,39% 6,12%, woraus hervorgeht, daß die russischen Juden im Verhältnis zu ihrer Einwanderung in den Vereinigten Staaten den kleinsten Anteil an den Unterstützungen haben, während die deutschen, Österreich-ungarischen und rumänischen einen größeren Anteil daran haben, als im Verhältnis zu ihrer Einwanderungsziffer stände. Das wird noch besser durch folgende Ziffern ausgedrückt, die die Zahl der Hilfesuchenden nennen, die sich hätten melden müssen, wenn alle verschiedenen Gruppen gleichmäßig viele W ohltätigkeits-Kandidaten stellen würden, neben derjenigen Zahl, die sie tatsächlich gesteilt haben: Bittgesuche Prozent. Ziffer Tatsächl. Ziffer Differenz Rußland 6303 4716 — 1487 ÖstenvUugarn 2164 2711 + 547 Rumänien 491 559 + 68 Deutschland 186 342 + 156 Diese Zahlen zeigen, daß die russischen Immigranten der Wohltätigkeit am wenigsten zur Last fallen. Wenn die Juden aller Länder gleichmäßig dafür prädestiniert wären, so hätten Kußland 6203 statt 4716, Österr,-Ungarn 2164 j „ 2711, Rumänien 491 j „ 559, Deutschland fast nur die Hälfte der tatsächlichen Zahl, nämlich 186 statt 342 Unterstützte haben müssen* Mit anderen Worten, die Russen waren nur mit 76% der auf sie verhältnismäßig entfallenden Ziffer vertreten, dagegen die aus Österreich-Ungarn mit 125%, die Rumänen mit 112% und die Deutschen sogar mit 184%. Hiernach scheint es, daß die russischen Einwanderer prozentual nicht in dem Maaße „das Problem" sind, wie diejenigen gemeint haben, die sich für die Lage der Juden in den Vereinigten Staaten interessierte. Sie scheinen im Allgemeinen besser vorwärts zu kommen, als ihre Glaubensgenossen aus Australien, Rumänien und besonders Deutschland. Das einzige „Problem", das sie tatsächlich darstellen, liegt in ihrer großen absoluten Ziffer. Der Grund ist allen denen klar, die mit den Verhältnissen der jüdischen Einwanderer in New-York bekannt sind. Die große Zahl der russischen Immigranten kommen auf den Wunsch ihrer Freunde und Verwandten nach New-York, und sie werden von diesen viel häufiger ohne den Beistand der öffentlichen

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