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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-08-01 · Heft 8 (August 1908) · p. Seite 115

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 8 (August 1908)
Article
Die Armut unter den Juden in New-York
Date
1908-08-01
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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— Iis — Bittsteller sowohl, wie über Alter, Geschlecht, Beruf, Ursachen der Verarmung, Herkunftsländer etc. enthalten. Für diesen Artikel habe ich mich des Berichtes der „Vereinigten jüdischen Wohltätigkeitsanstalten" für 1905 bedient, den ich deshalb bevorzugt habe, weil er der umfassendste Bericht ist, den die Gesellschaft überhaupt veröffentlicht hat, sodaß sich in ihm viele Punkte finden, die weder in irgend einem früheren, noch in einem späteren Bericht erörtert wurden. Im Jahre 1905 wurdm-10015 Bittgesuche eingereicht. Diese Bittsteller repräsentierten eine Personenzahl von 44556. Darunter ist jedoch nicht die volle Zahl der Armen in New-York zu verstehen, denn die „Vereinigten jüdischen Wohitätigkeitsanstalten" sind nur für die Fälle in Mauhattau und Bronx zuständig. Schätzen wir die jüdische Bevölkerung dieser beiden Distrikte auf 600000, so finden wir, daß im Jahre 1905 etwa 7 % aller Juden gezwungen waren, Hilfe zu suchen. Mit der Lage in Rußland verglichen, wo nachgewiesenermaßen nahezu 1j6 aller Juden ganz oder teilweise verelendet sind, ist dieses ein kleiner Armuts-Prozentsatz. Aber im Vergleich zu der übrigen eingewanderten Bevölkerung anderer Nationalitäten und Konfessionen zeigt es sich, daß die Juden eine größere Zahl Hilfsbedürftiger stellen. Die hauptsächlichsten Ursachen sind darin zu suchen, daß es unter den Juden so gut wie keine Ackerbauer gibt, und daß sie kaum je in landwirtschaftlichen Betrieben Arbeit suchen, wo fast immer Arbeit zu vergeben ist. Auch sind nur sehr wenige ungelernte jüdische Arbeitskräfte bei Eisenbahn- und Tunnelbauten und in Minen-Betrieben beschäftigt, obschon sich in letzteren die Zahl der Juden zu vermehren beginnt. Die große Majorität der jüdischen Handwerker in New-York ist in der Bekleidungs-Industrie beschäftigt. Die Arbeitsteilung hat sich zu einer solchen Vollkommenheit entwickelt, daß nicht nur gelernte Schneider in diesen Betrieben Beschäftigung finden, sondern jeder, der arbeiten will. Daher kommt es, daß während die Löhne der gelernten Schneider ganz befriedigend sind, das große Heer ungelernter Arbeiter an der Nähmaschine, die Bügler etc., in der Regel sehr elende Löhne empfangen und auch oft keine Arbeit haben. Diese Leute und die Hausierer, Straßenverkäufer etc. sind es, welche oft gezwungen sind, die Hilfe der W ohltätigkeitsanstalten in Anspruch zu nehmen. Doch finden sich, wie ich bald zeigen werde, nur sehr wenige körperlich arbeitsfähige Juden unter denen, die die Hilfe der Wohltätigkeitsanstalten in Anspruch nehmen. Die interessantesten Eigentümlichkeiten zeigen sich bei einer Betrachtung der Herkunftländer der Unterstützungsbedürftigen. Von den 10015 Bittstellern waren nur 237 in Amerika geboren d. h. nur 2,3% gegenüber 97,7% Eingewanderten. Eine andere bemerkenswerte Tatsache ist die, daß während die große Majorität der Armen russische Juden waren, docH beinahe alle europäischen Länder vertreten waren. 8537, ä-. h. 85,7°/0 waren in Rußland, Österreich-Ungarn und Rumänien geboren und aus diesen Ländern eingewandert. Von den übrigen 1442 war beinahe jedes europäische Land und viele Teile Asiens und Afrikas und sogar Australiens vertreten. So waren 589 deutsche, 76 englische Juden, 24 aus Süd-Europa (Spanien, Portugal und Italien), 43 aus der Türkei (Syrien und Palästina). Algier, Tunis und Egypten stellten je 1 Bedürftigen; auch Frankreich, die Schweiz, Schottland, Holland, Schweden, Serbien und Australien waren vertreten, aber nur mit ganz kleinen Zahlen. Es ist viel diskutiert worden über die Wahrscheinlichkeit, daß die russischen Juden ihren westlichen Glaubensgenossen zur Last fallen werden, wenn sie Rußland verlassen. Man war der Meinung, daß der russische Jude eher dazu neige, die Hilfe der Wohltätigkeitsanstalten anzurufen als die Juden aller anderen Länder. Mit Rücksicht auf die große Zahl gelernter Handwerker, die sich im russischen Ansiedlungs-Rayon finden, wäre dies eine sehr erstaunliche Tatsache,

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