Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Die jüdischen Ackerbaukolonien in den Vereinigten Staaten
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
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— 71 — dukte. Nach Millville und Vineland liefert Woodbine auch, große Mengen Brennholz für den Gebrauch der Glasfabriken. d) Die vierte Kolonie der New-Jersey-Gruppe befindet sich teilweise in Millville, teilweise in Deerfield-Township; sie heißt Carmel. Im Gegensatz zu den anderen Kolonien wurde Carmel aus eigener Initiative und mit dem eigenen Gelde jüdischer Einwanderer gegründet. Keine philanthropische Gesellschaft wurde von ihnen in Anspruch genommen Die Kolonisten kämpften und arbeiteten mit allen Kräften, um jede philanthropische Unterstützung zu vermeiden. Als die Kolonie im j Jahre 1882 gegründet wurde, befanden sich dort insgesamt 16 Familien,, Im Jahre 1883 enthielt die Kolonie schon 100 Familien mit 300 Seelen. Jede Familie besaß 20 acres. — Sieben Jahre lang haben die Kolonisten gekämpft und mußten endlich doch zu der Einsicht kommen, daß, falls nicht eine größere Unterstützung von außen käme, die j Farmen gänzlich zugrunde gehen müßten, j Sie wandten sich daher an den Baron Hirsch, j und derselbe bewilligte ihnen die Summe von j 5000 Dollar als Anleihe. Die Kolonisten j wurden auf solche Weise vor dem Untergange j gerettet, und fingen seit jener Zeit an j mit besserem Erfolge zu wirtschaften. Im j Jahre 1889 besaßen die Farmer in Carmel j 848 acres, von denen 123 kultiviertes Land waren; im Jahre 1901 nannten sie 1862 acres, davon 662 kultiviert, ihr eigen. Die Bodenerzeugnisse aus dem Jahre 1900 hatten einen Wert von 12 585 Dollar, davon wurde für 8 200 Dollars verkauft und das übrige von j den Kolonisten selbst konsumiert. j In Carmel bestehen 3 Fabriken, welche j 1 j alle der Bekleidungsbranche angehören und j 85 Arbeiter beschäftigen. Ausschließlich mit j Landwirtschaft beschäftigt sind 19 Familien; I in Landwirtschaft und Schneiderei 23 Famij lien;ausschließlich in Schneiderei 33 Familien; j in anderen Berufen 23 Familien; zusammen j 89 Familien mit 471 Seelen. Der totale Eigentums wert der Kolonie wird! auf 84574 Dollars geschätzt, die darauf lastenden Schulden betragen 26273 Dollars. Die Kolonisten besitzen 36 Pferde, 114 Kühe und 3300 Stück Geflügel. Die New England- Kolonieen. Dieselben bilden keine zusammenhängenden Siedelungen, sondern sind in den vielen Staaten New, Englands zerstreut, in Rhode Island, Massachusetts, Connecticut, Maine, Vermont und New Hampshire. Sogar innerhalb Connecticut State selbst, wo die große Mehrheit der Kolonieen sich befindet, tragen sie zum großen Teil das Gepräg e individuell zerstreuter Farmen, nicht aber zusammengehöriger Kolonien. Die erste Siedelung in New England datiert vorn Jahre 1891, als 19 eingewanderte Familien 2376 acres Farmland im Werte von 20 800 Dollar in Connecticut erwarben. Im Jahre 1892 wurde in Connecticut durch den Baron de Hirsh Fund eine Molkerei gegründet, und neue Siedelungen entstanden dann in der Nachbarschaft von New London, Oakdale, Falmerton, Chesterfield und Salem. Im Jahre 1893 ließen sich in derselben Gegend eine Anzahl russischer Juden nieder, die in den Kleiderfabriken in Colchester gearbeitet und hier Geld zum Kaufe von Land erspart hatten. Der Unterschied zwischen den New England- Farmen und denen in New Jersey ist bedeutend. Der Charakter des Bodens, die Methode der Landwirtschaft, die Marktlage, alles ist von Grund aus verschieden. Worin aber der Kontrast am schroffsten hervortritt, das ist die Zentralisation der jüdischen Farmen in New Jersey und die Dezentralisation derselben in New England. Die Kolonisten von New England sind meistenteils von Yankee- Nachbarn umgeben. Letztere haben einen gewissen indirekten Einfluß auf die Entwicklung der jüdischen Farmen ausgeübt, und zwar durch die Methoden und Art der Wirtschaft, der sich die Juden anzupassen lernten, eine Tatsache, die ihren Ausdruck im besonderen Maße bei der jüngeren Generation fand. Man kann ohne weiteres behaupten, daß ohne die Freundschaft und die Ratschläge