Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Die jüdischen Ackerbaukolonien in den Vereinigten Staaten
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2650397-3187703-3187709-3191788--1629-3191836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 70 1388 acres, von denen 948 kultiviert waren, besaßen. Sie hatten in ihrem Besitz 7415 Fruchtbäume, 28770 Weinstöcke, 128 Pferde und Kühe und mehr als 6000 Stück Geflügel. Der Gesamtwert der Farmen in Rosenhayn beläuft sich auf 85520 Dollar, die darauf lastende Schuld auf 26986 Dollar. Im Gegensatz zu Alliance nimmt die Agrikultur in Rosenhayn nicht die erste Stelle ein — ein großer Teil der Bevölkerung ist in verschiedenen Industrieen beschäftigt. Es sind vorhanden 9 Fabriken, die 188 Arbeiter beschäftigen: 160 in der Blekleidungsindustrie, 22 in der Bauindustrie, 4 in Gießereien und 2 in Nagelfabriken. Der Lohn beträgt durchschnittlich 10 Dollar wöchentlich, und die Lage der Arbeiter ist eine recht gute. Fast 50 % von ihnen sind Eigentümer der Häuser, in denen sie wohnen. Die industrielle Bevölkerung der Kolonie ergänzt auf solche Weise die landwirtschaftliche und bildet einen bedeutenden Absatzmarkt für die Produkte der letzteren. Die gesamte Bevölkerung in Rosenhayn, die bei dessen Gründung im Jahre 1882 aus 6 Familien bestand, beträgt heute 800 Seelen. c) Die Kolonie Woodbine, Cape May County, ist auf anderen Grundlagen als die übrigen Kolonieen New Jerseys aufgebaut und trägt auch in der Gegenwart ein wesentlich anderes Gepräge. Während Alliance und Kosenhayn zum großen Teil und Carmel, auf das wir noch zurückkommen, gänzlich aus sich selbst, durch die Kraft und die Anstrengung der Farmer, geschaffen wurden, ist Woodbine durch und durch ein Kind der Philanthropie des Barons Hirsch. Im Jahre 1891 kaufte der „Board of trustees of the baron de Hirsh Fund", die heute den Titel „Woodbine Land-Improvement Company44 trägt, 5300 acres Boden, und im Jahre 1892 waren dort schon 50 Familien, ungefähr 300 Seelen, ansässig. Im Jahre 1894 wurde in Woodbine die „Baron de Hirsh Agricultural und Industrial school" gegründet, mit der Absicht, der heranwachsenden Generation die moderne Theorie und Praxis der Landwirtschaft beizubringen.Die Schule, die auf moderne Grundlage eingerichtet wurde, hat auch die gewünschten Resultate gehabt, und einen großen Einfluß auf die Farmer und Farmen ausgeübt. Als im Jahre 1896 die Ausstellung der Cape May County für Getreide, Obst etc. stattfand, erhielt die Schule für alle Artikel erste Preise, außer für Korn, für das ihr ein zweiter Preis erteilt wurde. Im Jahre 1901 besuchten 96 Schüler die Schule; die Schulfarm enthielt 270 acres, davon befanden sich 175 acres in Bebauung. Als das Bedürfnis nach landwirtschaftlicher Bildung sich ausdehnte, kam der Baron de Hirsh Fund zu Hilfe und errichtete ein neues College, das 25 000 Dollar kostete. Die Entwickelung der Kolonie Woodbine hat dazu geführt, daß sie immer mehr das städtische Element m sich aufnahm, und daß ihr landwirtschaftliches Gepräge in Zusammenhang und Abhängigkeit von der Industrie gebracht wurde. Im Jahre 1901 wurde die gesamte Bevölkerung Woodbines auf 2500 Seelen geschätzt, davon kamen auf die industrielle städtische 60 %, auf die landwirtschaftliche nur 40 %. Von der industriellen Bevölkerung waren beschäftigt: in der Bekleidungsindustrie . . . 50%, in der Maschinenindustrie . . . 25%? im Baugewerbe ....... 12 %, im Handel und in den freien Berufen 13 %. Der durchschnittliche Lohn der Arbeiter beträgt 500 Dollar jährlich. Von den 52 Farmern besaßen 49 je 15 acres zwei besaßen 10 und einer 30 acres, zusammen 785 acres, von denen 500 bebaut waren, und deren gesamter Wert 75000 Dollar ist. Der Gesamtwert Woodbines wird auf 250000 Dollars geschätzt, von denen 63 V2% der Woodbine Land Improvement Company und 36 V2 % anderen Eigentümern gehören. Woodbine spielt in der Umgebung eine bedeutende Rolle, es verschafft den in der Nähe liegenden Dörfern industrielle und den benachbarten Städten landwirtschaftliche Pro