Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Die jüdischen Ackerbaukolonien in den Vereinigten Staaten
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
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— 69 — kultur der Farmer darstellen, abgesehen von einer kleinen Menge Korn, das sie für ihren persönlichen Bedarf bauen. Der Hauptmarkt, auf dem die Kolonisten von Alliance ihre Produkte absetzen, ist New-York. Diese Produkte zeichnen sich durch eine besonders gute Qualität aus, und in ganz besonderem Maße die Kartoffeln, die auf dem New-Yorker Markt mit 25 bis 50 Cents pro Faß mehr bezahlt werden, als diejenigen, die aus anderen Gegenden kommen. Einen neuen Aufschwung hat die Kolonie seit dem Jahre 1900 genommen, in welchem die Fels-Naphta-Soap Manufacturing aus Philadelphia dort eine große Fabrik errichtete, die^die Erzeugnisse der Farm verbraucht, so daß die Kolonisten zu einem großen Teil von den Kommissionshäusern in den großen Städten unabhängig geworden sind. Dem Besucher von Alliance fällt die Mannigfaltigkeit und gute Qualität des toten und lebenden Inventars auf. Alles wird sorgfältig gepflegt und sauber gehalten, und man staunt zu sehen, wie sich diese Städter der Landwirtschaft angepaßt, und welches Maß von landwirtschaftlichen Fähigkeiten sie erlangt haben. Im Jahre 1897 besaßen die Kolonisten insgesamt 55 Pferde, 79 Kühe und 4700 Stück Geflügel. Sie hatten 87 Wohnhäuser mit 141 verschiedenen Gebäuden, 1 Synagoge, 1 Bibliothek, 1 Postamt und 1 Abendschule. Der Wert der gesamten Farmen mit einer Bodenfläche von 1700 Acres wird auf 135 000 Dollars geschätzt. Von den 96 Familien (512 Personen), die im Jahre 1900 gezählt wurden, waren beschäftigt : 33 Familien ausschließlich in der Landwirtschaft, 15 Familien ausschließlich in der Schneiderindustrie, 12 Familien vereinigten Landwirtschaft mit Schneiderei, 36 Familien vereinigten Landwirtschaft mit Bauarbeit, Schusterei und Tischlerei. Von den 1500 acres, die im selben Jahre gezählt wurden, dienten der Fruchtkultur 530 acres und der Gemüsekultur 577 acres, während die übrigen Futterboden waren. Von den Früchten zeichnen sich besonders die Trauben aus, die in New-York Absatz finden. Auch wird in Alliance Wein gekeltert und hat auf den Märkten New-Yorks und Philadelphias einen besonderen Ruf; man schätzt seine Qualität sogar höher als die des Weins von Californien. Die Milchprodukte finden in der näheren Umgebung Verwertung: auf den Märkten von Bridgeton, Vineland und Millville. In den letzten Jahren ist die Kolonie von der Alliance-Land-Trust auf den Board of Trustees of the „Baron de Hirsh Fund" übergegangen. b) Die zweite Kolonie, die in South Jersey gegründet wurde, namens Rosenhayn, hat sich gleichfalls schnell entwickelt, und im Resultate zu einer immer steigenden Wohlhabenheit der Kolonisten geführt. Zwar liegt eine Grundverschiedenheit zwischen Alliance und Rosenhayn darin, daß in Rosenhayn die Industriearbeit im Verhältnis zu der Landwirtschaft viel größer ist als in der ersten; beide Kolonieen weisen aber auch, wie überhaupt alle Kolonieen New Jerseys, gemeinsame Züge auf, und zwar sowohl bezüglich der Bodenbe- I schaffenheit, als auch bezüglich ihrer Markt- | läge. Zunächst bilden die Hauptkultur der Farmen Rosenhayns, wie in Alliance, der Früchte- und Gemüsebau: Erdbeeren, Trauben, Tomaten, Süß- und Weiß-Kartoffeln etc., von denen die Süß-Kartof¥eln in großen j Mengen und von feinster Qualität erzeugt | werden, weshalb sie auf dem New-Yorker I Markt die höchsten Preise erzielen und die Haupteinnahmequelle der Farmer bilden. Die Kolonisten haben bedeutende Einkünfte, und die Farmer zeigen einen hohen Grad von Ordnung und Kultur; die Größe der kultivierten Fläche ist in stetem Wachstum begriffen. Die Ernten haben jährlich einen Gesamtwert von 10—12 Tausend Dollar, j Im Jahre 1901 gab es in Rosenhayn 47 Familien, die gänzlich oder zum Teil von der Landwirtschaft lebten und die im ganzen