Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Versuch einer anthropologischen Parallele zwischen den Juden und Nicht-Juden
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 28 (sequence 5)
- Language
- German
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— 28 — und klimatischen Bedingungen zerstreut leben, dennoch eine ziemlich gleichmäßige physische Organisation behalten haben, die denselben Rhythmus der Entwicklung aufweist, den auch alle übrigen Kulturvölker befolgen. Die frühere Meinung, die den Juden andere Proportionen des Körperc zuschrieb, muß jetzt als unbegründet weichen. So kann jetzt kaum einem Zweifel unterliegen, daß diese oder andere somatische Sonderheiten der jüdischen Rasse als Resultat der eigenartigen Einwirkung der Umgebung zu betrachten sind. Zu einer ähnlichen Schlußfolgerung gelangt auch Dr. Fishberg*) in seiner letzten Arbeit, in welcher er eine detaillierte Analyse der Körpergröße der Juden gibt. Der Autor mißt offenbar der Körpergröße der Juden keine große anthropologische Bedeutung bei, er erklärt vielmehr ihre geringe Körpergröße aus dem Einflüsse des Milieus und der Beschäftigungsart der Juden. Bis zu einem gewissen Grade kann man diesem zustimmen, andererseits erscheint jene These Fishbergs nicht immer zutreffend, nach welcher der "Wuchs der Juden mit dem der Nichtjuden, in deren Mitte sie leben, derart in Zusammenhang stehe? daß in Ländern, wo die autochthone Bevölkerung von großem Wüchse ist, die Juden durch eben diese Eigenschaft sich auszeichnen, hingegen in Ländern mit autochthoner Bevölkerung von kleinem Wüchse die Juden ebenfalls kleingewachsen sind. Aus der VIII. Tabelle der genannten Arbeit Fishberg kann man ersehen, daß z. B. die Rumänen von geringerer Körpergröße sind als die Kleinrussen, während die rumänischen Juden in demselben Verhältnis größer sind als die kleinrussischen Juden. Auch in unserer III. Tabelle kann man ein ähnliches Beispiel finden, daß nämlich die Italiener kleiner als die Kleinrussen sind, die von Talko-Grrinzewitsch erforscht wurden, während die italienischen Juden größer sind als die kleinrussischen *) Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. 3. Jahrgang, 1907. Juli' und August/September-Heft Probleme der Anthropologie der Juden, 11. Die Körpergröße. Juden, die derselbe Autor gemessen hat. Die Erklärung für die Nichtübereinstimmung der Fishberg'schen Regel mit den v/irkllchen Erscheinungen ist darin zu suchen, daß die Körpergröße das Ergebnis zweier verschiedener Faktoren ist; eines anthropologischen und eines ökonomischen. Auf diese Weise kann der im allgemeinen geringe Wuchs der Juden, wenn sie sich in besseren Verhältnissen befinden, ein wenig größer werden im Verhältnis zu dem größeren Wüchse der sie umgebenden Bevölkerung, besonders wenn diese noch außerdem unter schlechteren Bedingungen lebt. Andererseits bewirken schlechte Erwerbsverhältnisse bei den Juden eine noch geringere Körpergröße der Juden, welche in diesem Falle nicht darauf zurückgeführt werden kann, daß auch die umgebende nichtjüdische Bevölkerung von kleinem Wüchse ist. Was aber die anthropologischen Besonderheiten im engeren Sinne anbelangt, so zeigen die Juden dn der Tat einige in dem Kähmen der Rasse bleibende Verschiedenheiten, die nur den geographischen Bedingungen ihrer Verbreitung entsprechen (innerrassige Verschiedenheiten). Deinerseits aber bleiben ihre Beziehungen ausserhalb der Rasse (die außerrassigen Verschiedenheiten) immer dieselben: immer tritt der Allotypus der Juden im Vergleich mit der übrigen umgebenden Bevölkerung im gleichen Maße auf, was als unbestreitbarer Beweis für die Stabilität und Eigenart des anthropologischen Typus der Juden dienen kann. An der Richtigkeit dieser Tatsache zweifelt jetzt kaum jemand mehr. Weit größeren Streit und Widerspruch rief die Frage von der Abstammung der Juden hervor, die Frage nach dem Ursprünge jener anthropologischen Elemente, welche zur Bildung ihres Typus beigetragen haben. Die weit verbreitete Hypothese Luschan's wurde in letzter Zeit von Dr* B. Auerbach1) einer ausführlichen Kritik unterworfen, der auch die Theorie Fishbergs von der Annäherung der blonden Juden an *) Archiv für Rassen- und Gesellschafts-Biologie. Jahrgang 1907, 3. Heft.