Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Versuch einer anthropologischen Parallele zwischen den Juden und Nicht-Juden
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 6)
- Language
- German
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— 29 die Slaven bestreitet. Wir verschieben die Kritik der Ansichten Auerbachs über die Lehre Luschans betreffend die Abstammung der Juden für später, können jedoch nicht zugeben, daß die Annäherung der blonden Juden an die Slaven, wie Fishherg meint, durch das Ergebnis einer detaillierten Analyse dieser Frage bestätigt werden wird. Gerade die Judenverfolgungen, welche gegenwärtig und im Laufe der letzten Jahre in verschiedenen Städten Rußlands inszeniert wurden, überzeugten jeden Beobachter, daß in diesen unglücklichen und für unsere Zivilisation entsetzlichen Ereignissen nicht die Vergewaltigung der jüdischen Frauen, nicht die Blutmischung der letzteren mit ihren Gewalttätern und Räubern die Hauptrolle spielte, sondern die Ermordung der Juden ohne Unterschied des Geschlechtes und Alters, die Aneignung fremden Eigentums, Beraubung und Plünderung. Das Fazit waren — hunderte von jüdischen Leichen und eine immer steigende Zunahme der emigrierenden Flüchtlinge, welche eine andere freundlichere und friedlichere Heimat suchen. Unserer Ansicht nach unterliegt es keinem Zweifel, daß die Pogrome weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit das Eindringen slavischen Blutes in die Adern des jüdischen Volkes fördern und damit die Erscheinung eines größeren oder kleineren Prozentsatzes blonder Juden bedingen können. Ferner wies Auerbach schon früher in dieser Monatschriftl) darauf hin, daß der Identität der Slaven und blonden Juden die Ziffern von Haar- und Augenfarbe entgegenstehen. Das Zusammentreffen von Körpergröße mit diesem oder jenem Kopfindex kann man in der Tat 2) Jahrgang 3, 1907, Heft 6. in manchen Fällen durch den Einfluß von Rassenelementen in der Bevölkerung erklären, in anderen Fällen erscheint es jedoch als Ausdruck eines auf reiner Konstruktion beruhenden Gesetzes, nach welchem innerhalb der Grenzen einer Rasse die Körpergröße von der größeren oder geringeren Neigung zur Dolicho- oder Brachycephalie abhängt, wie dies einleuchtend der talentvolle, leider aber früh verstorbene russische Anthropologe Dr. W. W. Worobjew behauptete Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als uns mit Auerbach einverstanden zu erklären und die Frage von dem Ursprung der blonden Juden, wie verlockend die Hypothese auch scheinen mag, als noch ungelöst zu betrachten. Als einer der wichtigsten Bestandteile des ganzen Problems erfordert die Frage der Abstammung des anthropologischen Typus der Juden für ihre Lösung vor allem noch weitere Beobachtungen mit Hilfe des Zirkels und Metermaßes. Ferner ist es zweifellos, daß in das Problem der Abstammung der blonden Juden die Biologie viel Licht bringen wird, besonders iener Teil derselben, welcher sich u ' mit der Selektionstheorie und der Vererbung befaßt. Diese beiden Prozesse bildeten in letzter Zeit den Gegenstand detaillierter und gründlicher Forschungen, und man darf hoffen, daß die Anthropologie hier kostbares und möglicherweise auch entscheidendes Material für ihre nächsten Aufgaben und speziell auch für eine tiefere Kenntnis des anthropologischen Typus der Juden zutage fördern wird. *) Ueber das Verhältnis zwischen der Körpergröße und den wichtigsten Dimensionen des Kopfes und des Gesichtes beim Menschen. „Russisches anthropologisches Journal" Jahrgang I, 1900 Heft 3, S. 98 (Russisch). Deutfchland. Statistisches Archiv. fllkoholismus unter den Juden. In der Berliner Irrenanstalt Dalldorf wurden im Jahre 1905 unter 1419 Männern 540 oder 38% mit Alkoholismus aufgenommen. Bei den Juden waren unter 48 Aufnahmen 4 mit Aiko* holismus oder 8,3%, eine immerhin recht beträchtliche Prozentzahl, die wiederum für die zunehmende Alkoholisierung der Juden besonders in der Großstadt spricht, Hoppe.