Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Die Mischehe
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
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— 22 — dererseits gestattet. Grehört von 2 Nupturienten der eine der christlichen, der andere der jüdischen Religion an, so ist hiernach die Heirat nur möglich, wenn der eine zur Religion des andern übertritt oder wenigstens zu den Konfessionslosen austritt. Im ersteren Falle erscheint die Ehe in der Statistik überhaupt nicht als Mischehe, im zweiten Falle erscheint sie entweder als Ehe eines Christen oder als Ehe eines Juden mit einem Konfessionslosen. Nur die letzteren Ehen (zwischen einem jüdischen und einem konfessionslosen Ehegatten) können mit Sicherheit als Mischehen zwischen Christen und Juden angesprochen und unter die Mischehen in dieser Abhandlung aufgenommen werden; bei den Ehen eines christlichen mit einem konfessionslosen Ehegatten wird der konfessionslose Teil zwar vielleicht vielfach, aber durchaus nicht immer früher Jude gewesen sein. Man muß sich also vor Augen halten, daß die weiter unten gegebenen Zahlen für die Mischehen in Österreich nur die Ehen eines jüdischen mit einem konfessionslosen Ehegatten umfassen und deshalb unter derjenigen Zahl von Ehen erheblich zurückbleiben, die unter einer die Mischehe gestattenden Gesetzgebung als Mischehen abgeschlossen worden wären. Es wurden geschlossen in Österreich durchschnittlich jährlich: Ehen zwischen Juden und Konfessionslosen rein jüdische Ehen in 0/ derreiS in absol. Zahl. ... '0 , C1 1881—1884 3287 1885-1894 4576 1835—1899 5781 1900-1903 7303 52 61 122 140 jüdisch. Ehen 1,58 1,33 2A1 1,92 Die auffallend große Vermehrung der rein jüdischen Ehen ist darauf zurückzuführen, x) Die seltenen Fälle, in denen ein Jude, der sich durch Austritt zu den Konfessionslosen vom Judentum losgesagt hat, später doch einen jüdischen Ehegatten ehelicht, müssen hier außer Betracht bleiben. Ebenso diejenigen Fälle, in welchen ein getaufter Jude a) eine Jüdin oder b) eine getaufte Jüdin heiratet; im Falle a. erscheint die Ehe in der Statistik als Mischehe, obwohl sie vom anthropologischen Gesichtspunkte aus gar keine Mischehe ist; im Falle b) erscheint die Ehe in der Statistik als Ehe zwischen christlichen Ehegatten. daß bis vor einiger Zeit die Ehen in Österreich, insbesondere in Galizien, nur nach jüdischem Ritual geschlossen wurden und deshalb nach dem Staatsgesetz garnicht als legitime Ehen galten. In neuerer Zeit werden die Ehen auch bei den galizischen Juden mehr und mehr vor dem Standesbeamten geschlossen und daraus resultiert die Zunahme der Zahl der jüdischen Eheschließungen in der Statistik. Die Mischehen sind von 52 im Durchschnitt der Jahre 1881—1884 auf 140 im Durchschnitt der Jahre 1900—1903 gestiegen und machten im letzteren Zeitraum 1,92% der rein jüdischen Ehen aus. Der allergrößte Teil der Mischehen in Österreich wird in Wien geschlossen; hier kamen zustande durchschnittlich jährlich rein jüdische Ehen Mischehen zwischen Juden und Konfessionslosen . , 1 -r ut in % der rein in absol. Zahh .-./ü - judisch. Ehen 1881—1884 390 1885—1894 538 1895—1899 839 1900-1903 864 42 48 76 92 10,8 8,9 9,1 10.7 Außer in Wien kommen nur noch in Triest (siehe oben) und in Böhmen (hier wiederum hauptsächlich in Prag) Mischehen in größerer Zahl vor. In Böhmen sind von 1900—1903 durchschnittlich jährlich 675 rein jüdische und 20 Ehen zwischen Juden und Konfessionslosen geschlossen, die letzteren machten also 2,96 % der rein jüdischen Ehen aus. Dagegen sind in Galizien und der Bukowina die Ehen zwischen Juden und Konfessionslosen fast ganz unbekannt; 1900—1903 kamen in ganz Galizien nur 6, in der Bukowina überhaupt keine Mischehe vor. In Ungarn sind geschlossen worden durchschnittlich jährlich Mischehen Mischehen Ehen 1895-1899 6694 1900—1904 6754 rein jüd mitjüd< mitjüd. Mann Frau 184 188 in °/0 der überh. rein jücL 372 124: 21 10 Ehen 4,43 a V/.t^O Die Mischehen haben hiemach in der kurzen Zeit seit ihrer gesetzlichen Zulassung (1895) bereits eine ziemliche Verbreitung er«