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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 180

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
Die jüdischen Palaestina-Bestrebungen im Lichte der Bevölkerungstatsachen und der allgemeinen Landesentwickelung
Date
1911-12-01
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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— 180 — Propaganda der letzten 30 Jahre ausschließlich die landwirtschaftliche Siedelung betont hat. — Wenn demgegenüber die frühere Einwanderung ausschließlich städtischer Natur war, so ist doch zu bemerken, daß bei Beginn dieser neuen Richtung die Gesamtziffer der Juden im Lande nur ca. 25 000 betragen hat. Es hat also in diesen 30 Jahren eine Zunahme von 75 000 stattgefunden, von denen mir wenig mehr als ein Achtel auf die Kolonien entfallen.]) Dies ist eine Tatsache von grundlegender Bedeutung. Sie zeigt nämlich, daß die landwirtschaftliche Kolonisation — entweder nach den bisherigen Methoden oder überhaupt — bei weitem nicht die wichtigste Form der jüdischer. Ansiedelung im Lande darstellt. Umsomehr geht diese Folgerung aus den erwähnten Ziffern hervor, als ein sehr viel größerer Teil der während der letzten Generation erfolgten Einwanderung eben auf Grund der Landwirtschafts-Propaganda nach Palaestina kam, von den Verhältnissen aber gezwungen wurde, sich schließlich doch städtischen Berufen zuzuwenden. Es kann keinem Zweifel unterliegen und ist gerade durch die Erfahrungen der jüdischen Kolonien mehr als durch etwas anderes erwiesen, daß die Landwirtschaft Palaestinas noch eines sehr großen Aufschwungs fähig ist und von der einheimischen Bevölkerung in außerordentlich unrationeller Weise betrieben wurde und heute noch wird. Aber das ändert nichts an der mangelnden Eignung des einwandernden jüdischen Elements in seiner großen Mehrheit. — Eine gewisse Anzahl unserer Kolonisten hat die besten Erfolge aufzuweisen, die irgendwie vernünftigerweise vorausgesetzt werden konnten; die Gesamtheit der Kolonien ist heute so weit entwickelt, 2) Es zählen: Jerusalem ca. 62 000 Juden Jaffa , 11000 „ Safed „ 9000 „ Tiberias „ 7500 Haifa „ 2500 „ Die Kolonien zählten gegen Ende 1911 etwa 10000 Seelen. daß man trotz aller früheren Schwierigkeiten und Krisen im Großen und Ganzen eine gesicherte Existenz der Ansiedelungen konstatieren kann und für eine weitere gedeihliche Entwickelung jede Wahrscheinlichkeit vorliegt. Es ist sogar anzunehmen, daß wenn erst einige in der bisherigen Arbeit merkwürdig vernachlässigte Grundfragen genügend geklärt sein werden, die landwirtschaftliche Kolonisation dem Bisherigen gegenüber in wesentlich beschleunigtein Tempo vor sich gehen wird. (Zu diesen bisher ungeklärten Grundfragen rechne ich vor allem die Kostenfrage und die Arbeiterfrage. Diese beiden Probleme sind eigentlich eines. Ich werde an anderer Stelle zeigen, mit wie außerordentlich geringen Mitteln Kolonisten und Arbeiter sowohl im rein landwirtschaftlichen Betrieb, wie auch in Verbindung mit industrieller Beschäftigung angesetzt werden können. Meine wohl belegten Ziffern betreffen einen ganz geringen Teil der bisher als Minimum betrachteten.) Aber bei aller Sympathie für das landwirtschaftliche Ansiedelungswerk, die ich schließlich nicht nur in Worten sondern auch in mancherlei. Anregungen dargetan habe, die schon der heutigen Kolonisation zu gute kommen, kann ich nicht umhin immer und immer wieder darauf hinzuweisen, eine wie viel stärkere Position wir heute schon im Lande haben könnten, wenn man von vornherein nicht die nur-landwirtschaftliche sondern eine allseitige Kolonisation befürwortet hätte. Immerhin, auch das Ergebnis dieser einseitigen Propaganda hat den Beweis geliefert, daß die städtische Kolonisation dem jüdischen Ein Wandererelement außerordentlich viel mehr liegt und in viel größerem Umfange möglich ist. Wird man jetzt endlich — auf Grund der gewonnenen Erfahrungen und aus einer praktischeren Erfassung des Problems heraus — auch in Palaestina versuchen der jüdischen Einwanderung eine vorwiegend städtische und industrielle Basis zu geben, so würden wir auch ohne die neuen

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