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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 181

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
Die jüdischen Palaestina-Bestrebungen im Lichte der Bevölkerungstatsachen und der allgemeinen Landesentwickelung
Date
1911-12-01
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
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— 181 — türkischen Entwickelungen, die sich inzwischen vollzogen haben und weiter vollziehen müssen, bald mit wesentlich größeren Judenziffern in Palaestina zu tun haben als bisher. Bevor wir auf diese Möglichkeiten einer nächsten Zukunft eingehen, noch einige Worte über die Lehren der jüdischen Einwanderung in anderen Ländern. Die große Emigration aus Osteuropa, die im Durchschnitt pro Jahr etwa 1UOO0O (in manchen besonderen Jahren über 200000) Juden in ferne Länder schickte, konnte bisher weitaus der Hauptsache nach nur auf der Basis städtischer Berufe vor sich gehen. Von all den mehr als 2 Millionen Juden, die in den letzten 30 Jahren nach England, Nordamerika, Südafrika und Argentinien (und anderen minder wichtigen Auswanderungszielen) gewandert sind, ist noch nicht ein Prozent landwirtschaftlich tätig und dieses eine Prozent betrifft weitaus der Hauptsache nach die jüdischen Kolonien in Argentinien. Diese aber entsprechen ebenfalls nicht einer jüdischenNot wendigkeit sondern, wie wir bald sehen werden, der irrtümlichen Auffassung eines großen Philantropen, des Baron Hirsch. In Argentinien wurde nämlich ebenfalls auf ausschließlich landwirtschaftlicher Basis versucht eine große jüdische Kolonisation ins Leben zu rufen. In den 20 Jahren seit dem Auftauchen dieses Planes sind 90 000 Juden nach Argentinien gewandert — alle nur auf Grund des landwirtschaftlichen Planes —, aber von all diesen sind heute nur 20000 Seelen in den Kolonien beschäftigt, während der Rest sich in den Städten (hauptsächlich Buenos Aires) eine Existenz geschaffen hat. In Nordamerika und England, ebenso wie in Südafrika, ist von landwirtschaftlicher Ansiedelung der Juden mit Ausnahme von wenigen hundert Familien überhaupt nicht zu reden, während andererseits die Leistungen der jüdischen Einwandeier auf industriellem Gebiete, selbst in den industriell höchst entwickelten Ländern, derartig in die Augen springen, daß kein nüchterner Beobachter darüber in Zweifel sein kann, auf wrelchem Gebiete die großen jüdischen Fähigkeiten und Möglichkeiten liegen. Uebertragen wir nun diese allgemeinen jüdischen Erfahrungen auf die Kolonisation in Palaestina, so ergeben sich aus der jüngeren Entwickelung des Osmanischen Reiches folgende Verhältnisse. Die Türkei, die durch ihre Abmachungen mit den Großmächten noch bis vor kurzem verhindert war, eine eigene Industrie zu entfalten (sie durfte nicht mehr ais acht Prozent Einfuhrzoll erheben), hat sich von dieser Einschränkung befreit und gewinnt von Jahr zu Jahr größere Möglichkeiten einer selbständigen Entwickelung — auch auf dem Gebiete der Industrie, Nun ist die Türkei ein Gebiet von ca. 30 Millionen Einwohnern, und wenn wir die Vasallenstaaten etc. (besonders Aegypten) mitrechnen, sogar von 40 Millionen. Das gesamte Reicii hat aber als wirtschaftliche Basis bis heute fast ausschließlich die Landwirtschaft, und es bedarf nur geringer Ueberlegung, um sich klar zu werden, eine wie große Bevölkerung die Industrie eines Landes mit einer so großen Einwohnerzahl ernähren kann. — Eine Umwandlung ihrer landwirtschaftlich tätigen Volkselemente in Industriearbeiter ist aber in größerem Maßstabe so gut wie ausgeschlossen. Dies gilt sowohl im Interesse der Landwirtschaft, die ja nicht vermindert werden soll, wie auch von dem Gesichtspunkt aus, daß unter allen Volkse!ementen der Türkei eine bedeutendere industrielle Befähigung kaum zu finden ist. Wird es nun von jüdischer Seite verstanden, im Hinblick auf das große Industriebedürfnis dieser Länder sich die hohe Eignung der Juden zu nutze zu machen, um ihnen in diesem dem Aus wände rungs gebiete so nahen Land er kreise neue Existenzmöglichkeiten zu schaffen, so können wir in ganz naher Zukunft auf eine mögliche jüdische Einwohnerschaft für Palaestina (und in

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