Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
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— 176 — Tabelle XVII. Das Verhalten bei ansteckenden Krankheiten, Krankheit Von 100 Erkrankten starben Es waren Juden mler 10O Juden 1 Christ. Erkran. Gestarb. I. Epidemische Krankheit. Blattern..... 10,0 36,0 14,9 4,7 Flecktyphus .... 4,5 10,3 12,5 6,1 Ruckfalltyphus . . . 0 1,9 12,2 0 Cholera..... 40,0 58,3 9,4 6,7 II, Endemische Krankheit. Unterleibstyphus . . 7,0 19.8 43,7 21,6 Diphtherie .... 9,0 35,6 48,2 18,9 liasern..... 1,9 9,6 56,6 20,4 Scharlach . 4 . . . 9,4 24,4 51,2 28,7 Keuchhusten .... 6,7 32,8 44,0 13,7 üumps...... — 51,4 — Windpocken .... -- — 64,2 — Brechdurchfall . . * 2,4 4,8 33,5 20,0 Rotlauf..... — 51,1 — bei den einzelnen Krankheiten darauf aufmerksam gemacht, daß hier gewisse Fehler der Statistik unterlaufen sind, indem Erkrankungssätze wie 64,2 (Windpocken) oder 56,6 (Masern) u. dgl. auf keine andere Weise zu erklären sind. Auch wurde schon mehrmals darauf hingewiesen, daß die ungewöhnliche und nach allen Erfahrungen unmögliche Mortalität bei einigen Krankheiten einen indirekten Beweis für die Unzulänglichkeit unserer Statistik überhaupt sowie ihres die Christen betreffenden Teiles im speziellen liefert. So können am Keuchhusten nicht nur keine 32,8 (Christen) sondern auch keine 6,7 (Juden) Prozent sterben. Die Christen zeigen überhaupt eine im Verhältnis zur Morbidität zu hohe Mortalität, was sich durch anteil bedeutend übersteigt. Nun wurde schon die ungenügende Registrierung ihrer Erkrankten in plausibelster Weise erklären läßt. Für die Richtigkeit unserer Annahme spricht auch der Umstand, daß die* Mortalität bei den epidemischen Krankheiten viel geringere Differenzen nach den Bekenntnissen aufweist als die bei den endemischen Krankheiten, indem nämlich infolge der Vermehrung des ärztlichen Personals während der Epidemiezeiten, worauf in der Einleitung und sonst hingewiesen wurde, auch eine bessere Registrierung erreicht wird. Aber auch mit Anbringung dieser Korrektur bleibt die Tatsache bestehen, daß die Juden sich an den epidemischen Krankheiten viel schwächer als an den endemischen beteiligen. Und der Grund dafür scheint nur darin zu liegen, daß die Juden den eingewurzelten endemischen Krankheiten, deren Kontagien überall in der Stadt heimisch sind, ebensowenig entgehen können wie die Russen, wobei ihre schlechten Wohnungsverhältnisse noch dazu beitragen die Kontagiositat zu erleichtern, weshalb es nicht ganz unmöglich ist, daß die Juden an einigen besonders ansteckenden Krankheiten, wie z. B. der Scharlach oder die Masern, auch wirklich mehr leiden als die Russen.1) Dagegen gelingt es den Juden den epidemischen Krankheiten, die plötzlich auftreten und deren Ursachen und Ausgangspunkt meistens bekannt sind, durch verschiedene Vernunftmaßregein, die sie ihrer höheren Intelligenz verdanken, zu entgehen. Denn schon abgesehen von den Blattern, wo die Impfung, wie wir am betreffenden Orte nachgewiesen haben, die Juden vor Erkrankung schützt, ist es wahrscheinlich ihre größere Enthaltsamkeit in Speise und Trank, die sie vor der Cholera rettet und in ihrem Fernbleiben vom Vagabundentum sowie in der andersartigen gewerblichen Gliederung ist die Ursache für ihr geringeres Ergriffensein vom Fleck- und Rückfalltyphus zu erblicken. Während somit die Morbidität der Juden je nach der Krankheit eine mehr oder minder starke ist, läßt sich von ihrer Mortalität mit Bestimmtheit aussagen, daß sie überall eine bedeutend geringere ist. Tabelle XVII zeigt in ihrem ersten Teil, daß ohne Unterschied der Krankeit von 100 Erkrankten Juden viel weniger sterben als von der gleichen Zahl Christen und wenn man diesem Teil wegen der oben erwähnten Unsicherheit der christr) Es ist übrigens auch noch in Betracht zu ziehen, daß die größere Verbreitung der ansteckenden Kinder- Krankheiten unter den Juden eine Folge der größeren Kinderzahl bei ihnen sein kann, indem manche Statistik es wahrscheinlich macht, daß bei den Christen mehr Säuglinge absterben als bei den Juden. Und wo mehr Kinder, dort auch unter sonst gleichen Verhältnissen mehr Kranke.