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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 175

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
Date
1911-12-01
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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- 175 — obgleich die Russen als physisch mehr arbeitender Teil der Bevölkerung doch eher durch verschiedene Verletzungen Gelegenheit haben an Rotlauf zu erkranken als die Juden. Es ist somit auch hier anzunehmen, daß die Juden duch die Statistik ergreifbarer sind als die Christen. Bemerkenswert ist, daß bei beiden Nationalitäten die Zahl der erkrankten Frauen größer war als die der erkrankten Männern. Srgebniss e. Nachdem wir die einzelnen Krankheitsfornien auf Grund tabellarischer Zusammenstellungen behandelt und gefunden haben, daß das Verhalten der Juden und Christen nicht immer das gleiche ist, wofür wir auch an einigen Stellen die Ursachen angegeben haben, bleibt uns hier nur einen allgemeinen Überblick über die gewonnenen Resultate zu werfen und die Ergebnisse der Arbeit in einigen Sätzen kurz zu präzisieren. Bevor wir aber dies tun, scheint mir nützlich zu sein, die sozialen und kulturellen Verhältnisse der in Rede stehenden Völkerschaften, der Juden und Russen, mit einigen Worten zu charakterisieren, denn die Morbidität ist, wie auch manches andere im Leben eines Volkes, von vielen äusseren Einflüßen und Umständen abhängig und auch die Mikroben, die kleinsten Lebewesen und Erreger der ansteckenden Krankheiten, brauchen zu ihrer gedeihlichen Entwickelung ein gewisses ihnen zusagendes Milieu. Jeder Mittelmensch hat seine sozialen und kulturellen Bedürfnisse, die nur in der Gemeinschaft Gleichgesinnter befriedigt werden können. Das ist der Grund dafür, daß überall dort, wo die Bevölkerung nach Nationalität und Religion nicht einheitlich ist, die einzelnen Gruppen sich freiwillig gegen einander abgrenzen, welches natürliche Bestreben erst in zweiter Linie zur Schaffung künstlicher Ghettos führte. So sieht man im Osten nicht nur jüdische und christliche Viertel, sondern innerhalb dieser kleinere Unterabteilungen, wie z. B. armenische, griechische oder auch sephardische und.. aschkenasische entstehen. Es entspricht deshalb nur dem allgemeinen Kulturtrieb, daß die Juden in den russischen Städten in größeren kompakten Massen wohnen und wenn sie keine eigenen Viertel behaupten, so trägt doch mancher Stadtteil ein exquisit jüdisches Gepräge. Diese Stadtteile sind leider nicht die schönsten und deshalb auch nicht die gesündesten. Während die ärmere christliche Bevölkerung meistens außerhalb der Stadt in Einzelhäuschen, zu denen gewöhnlich ein kleinerer Garten gehört, wohnt, sind die Juden in der Stadt selbst in dicht bebauten Höfen zusammengepfercht. Ob die Juden oder die Christen im Allgemeinen ärmer sind, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, denn es gibt unter beiden Bevölkerungsgruppen sehr viele arme Teufel, jedenfalls läßt sich aber ganz sicher sagen, daß die Christen in jeder Beziehung bedürfnisloser sind, was zu einem mehr sorgenfreien Leben führt. Der Jude braucht nicht nur für seine Ernährung zu sorgen, sondern er hat noch Ausgaben zu bestreiten, die mit seinen Kult- und Kultureinrichtungen in Verbindung stehen. Dadurch wird der Schein erweckt, daß der Christ materiell besser, während der Jude kulturell besser gestellt ist. Behalten wir diese Unterschiede immer im Auge, so haben wir sichere Leitpunkte zur Beurteilung des abweichenden Verhaltens der Juden während der verschiedenen Epidemien, worüber uns Tabelle XVII eine kurze orientierende LHbersicht gibt. Was zuerst auffällt, ist das verschiedene Verhalten zur Zeit der eigentlichen Epidemien einerseits und zu der der sogenannten Endemien andererseits. Während die Juden unter den epidemischen Krankheiten verhältnismäßigwenig zu leiden haben, in dem ihr Prozentsatz der Erkrankten zwischen 9 (Cholera) und 15 (Blattern) schwankt, wenden sie von den endemischen Krankheiten nicht nur in einem viel stärkeren Maße getroffen sondern meistens in einem Prozentsatze, der ihren Bevölkerungs-

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