Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
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— 177 — liehen Statistik keinen unbedingten Glauben schenken will, obgleich die große Mortalitätsdifferenz der beiden Bekenntnisse kaum durch die mangelhafte Registrierung der erkrankten Christen allein kompensiert werden kann, so ist der zweite Teil der Tabelle ein unumstößlicher Beweis für die'geringere Sterblichkeit der Juden. Im Verlaufe der Arbeit habe ich schon mehrfach darauf aufmerksam gemacht, das unsere Mortalitätsstatistik im allgemeinen zuverlässiger ist als die Morbiditätsstatistik. Nun zeigt die letzte Kolumne der Tabelle, daß die Juden nirgenes einen Mortalitätssatz haben, der ihrem Bevölkerungsanteil entspricht, obgleich ihr Morbiditätssatz nach vorletzter Kolumne ihren Prozentanteil in der Bevölkerung nicht selten bedeudent übersteigt, Die maximale Mortalität, die beim Scharlach auftritt und eine Höhe von 28,7 eireicht, steht noch immer um 10 Einheiten tiefer als der Bevölkerungsanteil der Juden (38,9) ausmacht. Wenn wir nach einer Erklärung für diese sonderbare Erscheinung forschen, so müssen wir an innere und äußere Ursachen denken. Für die ersteren. die ihren Ausdruck in der Konstitution oder Rasse haben, läßt sich eigentlich kein Grund anführen, der nicht zu bestreiten wäre, denn die Immunität gegen irgend eine Krankheit würde sich eher in einem geringeren Prozentsatz der Erkrankten, als in einem solchen der Gestorbenen manifestieren, was wir bei den Juden nicht immer finden, indem sie von manchen Krankheiten vielleicht sogar häufiger ergriffen werden als die Christen. Wenn unter solchen Verhältnissen ihre Mortalität dennoch eine verminderte ist, so bleibt nur nach äußeren Einflüssen zu suchen, die wir im gesteigerten Familiensinn der Juden, in ihrer Liebe zu den Kindern und in ihrer im allgemeinen höher stehenden Pflege der Kranken gefunden zu haben glauben, — Faktoren also, die auf eine höhere Kulturstufe hinweisen. Ich möchte noch mit einigen Worten darauf hinweisen, daß unsere Ergebnisse nicht allgemeine Gütigkeit besitzen, indem die Verhältnisse im nahen Odessa in mancher Beziehung andere sind, wie es aus meiner eingangs zitierten Arbeit zu folgen scheint. Um aber den Umfang dieser Abhandlung nicht noch, mehr zu vergrößern, möchte ich mich nicht in Details einlassen, in dem Interessenten selbst die nötigen Vergleiche hauptsächlich an der Hand der Tabelle IV über Odessa und Tabelle XVII über Elisabethgrad, anstellen können. Wenn ich nun Schlüsse ans der vorliegenden Arbeit ziehen darf, so lauten diese: 1. Die Juden sind gegen keine i m obigen behandelte Krankheit i m m u n. 2. Ihr Verhalten i s t j e nach de m Charakter der Krankheit v e r - schieden. Sie leiden weniger unter epidemischen Krankheiten, während die endemisc h e n unte r ihnen mindestens ebenso h ä u f i g auftreten als unter den Christen. 3. Ihre Sterblichkeit ist unter allen Fällen geringer. 4. Die Ursachen f ü r 2 und 3 sind eher äußerer als innerer Natur. 5. Das Verhalten der Juden ist kein konstantes und scheint von Ort zu Ort zu schwanken, was wiederum ein Beweis dafür ist, daß wir es hier nicht mit Rassesondern mit Milieu erschein un- £ e n zu tun haben. Die jüdischen Palnestinn-Bestreöiingen Im Lichte der Bevöikerangstatsacnen und der allgemeinen Landesentwickelung. Von Davis Trietsch, Berlin. Die jüdischen Paiaestina-Bestrebungen, die angenommen haben, werden heute schon von in den letzten 30 Jahren konkrete Gestalt! so vielen und verschiedenartigen Gruppen und