Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-11-01 · Heft 11 (November 1911) · p. Seite 164

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 11 (November 1911)
Article
Der Untergang der deutschen Juden
Date
1911-11-01
Page
Seite 164 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2650397-3187691-3187701-3191450--3218-3191488
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 164 — einmal gerne mit einem anderen deutschen Bundesstaat vertauscht." Hierzu ist zu bemerken: Von 1840 bis 1871 sank die bayerische jüdische Bevölkerung von 59108 auf 50 162 d. h. um 9000. Dies bedeutet natürlich für die bayerische Juden heit einen sehr großen Verlust, da die Gesamtzahl niedrig war. Wenn man erwägt, welche Teile der Bevölkerung abwanderten, so ist es wohl erklärlich, dari auch in der Folgezeit von einer großen natürlichen Zunahme nicht die Kede sein, konnte. Theilh a b e r irrt aber sehr, wenn er glaubt, daß die bayerische Judenheit in der Folgezeit im Lande blieb. Von 1880 bis 1885 verließen etwa 2500 bayerische Juden das Land. Die Abwanderung dauerte auch noch im nächsten Jahrfünft fort. Von 1885 bis 1800 verließen ziffernmäßig ca. 1550 Juden Bayern. In Wirklichkeit war aber die Zahl noch höher, weil die damals einsetzende Einwanderung die tatsächlichen Verhältnisse verschleierte. Bei einer Gesamtzahl von etwa 50 000 Juden sind solche Verluste nicht zu verschmerzen. Sie konnten auch namentlich hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Geburtenzahl durch den Zustrom von Ausländern nicht gutgemacht werden. Auch in der Detailstatistik für Bayern hat Teilhaber nicht viel Glück. So entgeht ihm der Hauptgrund für die Abnahme der jüdischen Bevölkerung in den wichtigsten Regierungsbezirken, beispielsweise Unterfranken, Schwaben, Oberiranken. Neben dem Rückgang der Geburtliclikeit tritt als Verminderungsfaktor die Binnenwanderung auf. In meiner Arbeit: Die Entwickln ng d er jüdischen Bevölkerung in München von 1875 bis 1905, die Th ei Iii ab er kennt, habe ich auf dieses Moment hingewiesen. Es waren von 1880 bis 1890 aus Unterfranken allein 700 Juden in München eingewandert, aus Schwaben 2 200. Für die spätere Zeit besitzen wir keine Angaben mehr, sicher hat aber der Zuzug nicht nachgelassen. Noch eine Stelle möchte ich aus dem ersten Kapitel herausgreifen, die besonders deutlich zeigt, wie vorsichtig man sein muß in der Aufstellung von Behauptungen, wenn man nicht sofort statistisches Beweisniaterial zur Hand hat. Bei einem Vergleich der gegenwärtigen Auswanderung von Juden aus Deutschland mit der im vorigen Jahrhundert behauptet Teilhaber folgendes: „Die Zahl der europamüclen jüdischen Wanderer aus Deutschland ist an und für sich betrachtet gering-, prozentual stärker als sie nach der allgemeinen Auswanderung aus Deutschland betragen dürfte und ist heute von einer ziemlichen Bedeutung. Bei der großen Ueberproduktion an Kindern in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts bis in die achtziger Jahre hinein wurde die damals viel stärkere Auswanderung reichlich gedeckt." Zunächst steht nicht fest, ob die 979, 734 bezw. 869 Juden, die in den Jahren 1905/0b, 1006/07 und 1907/08 aus Deutschland nach Amerika gewandert sind, sämtlich deutsche Juden waren, da ja bei der Einwanderung in Amerika che Frage nach der Herkunft, nicht aber nach der Heimat lautet. Es mögen sich darunter auch russische und österreichische Juden befunden haben, die nur vorübergeliend sich in Deutschland aufhielten und gezwungen waren den Wanderstab weiterzusetzen. So ist bekanntlich die starke Einwanderung englischer Juden in Amerika nur darauf zurückzuführen, daß die in England eingewanderten osteuropäischen Juden nach kurzem Aufenthalt dortselbst weiterziehen. Die natürliche Zunahme der preußisch en Juden war in der angeführten Zeit in der Tat recht befriedigend, die Auswanderung dagegen verhältnismäßig gering. Von 1821 bis 1825 fand eine Abwanderungvon 517 Personen statt, 1825 bis 18-10 eine Zuwanderung von 6 129, von 1840 bis 1855 eine Abwanderung von 11257 und von 1855 bis 1864 von 10853 Personen. Der Wanderungsverlust betrug also von 1821 bis 1864 nur gegen 16000. Diese Zahl ist niedrig gegenüber der großen Abwanderung, welche Ende der siebziger Jahre einsetzte. Noch einige Worte über die falschen Zahlen. Sie sind besonders häufig in dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.