Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 160 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-3187691-3187701-3191449--3212-3191484- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 160 — gewöhnlich im Kindesalter bis zu 15 Jahren durchmachen, während die Christen an ihm meistens erst nach diesem Alter leiden. In Zahlen ausgedrückt erkranken etwa 2/3 der Juden und nur Vs der Christen vor dem 15. Lehensjahr. Die Ursache dafür ist vielleicht in den engen Wohnungsverhältnissen der Juden zu suchen, die zu leichterer Ansteckung; eben der Kinder Anlaß geben können. Die Diphtherie. Bis jetzt haben wir es mit Krankheilen ■ zu tun gehabt, unter denen hauptsächlich die reiferen Jahresstufen der Bevölkerung zu leiden haben, wenn auch das eigentliche Kindesalter von ihnen nicht ganz verschont bleibt. Mit der Diphtherie wird eine Reihe von Krankheitsformen eröffnet, die meistens wenn auch nicht ausschließlich Kinder im zartesten Alter trifft und aus ihrer Mitte alljährlich viele Tabeili Diphther Opfer forciert. Außer der Diphtherie zählen hierher der Scharlach und die Masern, welche Trias noch jetzt, wenigstens in manchen Gegenden, die schrecklichste Plage der Kinder ist, indem sie unter ihnen nicht nur dezimierend wirkt, sondern auch die Gesundheit manches Überlebende]} auf immer untergräbt und ihn zu einem wenig widerstandsfähigen Krüppel macht. Das Verhalten der jüdischen Bevölkerung diesen Krankheiten gegenüber ist besonders interessant, da es sich um endemisch grassierende Krankheiten handelt, bei denen Reinlichkeit das beste Vorbeugung^- und rechtzeitige Behandlung sowie gute liebevolle Pflege die besten Heilmittel sind. Die im Triermium 1908 bis 1910, vorgekommenen Diphtheriefälle sind in Tabelle VIII zusammengestellt. Diese Tabelle erinnert in mancher Beziehung an die des Unterleibs typhus. 5 VIII. lehranke. Alter 1908 juaen 1909 19 10 Chris'en ms 1909 1910 0- 1 1- 5 0-10 11-15 16 -20 21-30 31-40 41- Alter unbestimmt o 19 19 9 3 16 20 9 0 .: o 1 Ii 6 50 30 13 »-> o 1 1 O 38 46 11 1 12 16 5 1 1 1 23 II 5 3 2 I 2 \ 3 20 158 142 45 10 5 3 1 7 19 7 8 2 1 1 15 17 12 5 5 4 50 34 U 9 6 29 29 12 8 o 3 1 2 18 12 8 2 9 3 32 26 7 5 3 9 20 lü3 125 58 24 17 5 40 321 267 103 34 22 ~S 3 14 Zusammen...... Gestorben...... Gestorb. in Proz. d. Erkrankt. 46 54 107! 103 35 4 5 11. 7 4 8.7 9,3 10.3 (5.8 114: 8.7 391 35 9.0 58 106 ■ ivi 19 41: 45.2 32.8 38 7 42 : m; 92 44 79 23 17: 31!!5.0 38.6 39 2 i 150 35.0 812 185 22.8 Von 100 Erkrankten waren Von 100 Gestorbenen waren So entspricht auch hier die Morbidität der Juden mit 48,2 Prozent nicht nur ihrem Bevölkerungsanteil, sondern übersteigt sogar diesen um volle 10 Einheiten, indem die Zahl der erkrankten Juden (391) der der Russen (421) fast gleich ist. Es ist somit nach den angeführten Zahlen anzunehmen, daß die Juden viel häufiger als die Russen an Diphtherie erkranken. Dieser Annahme widerspricht 48.2 18.9 — 51.8 — : 8i.i jedoch die große Mortalitätsdifferenz der beiden Nationalitäten,indem die Zahl der gestorbenen Juden in Prozenten der erkrankten ausgedrückt nur 9,0 beträgt, dagegen die der gestorbenen Russen mit 35,6 das Vierfache davon erreicht. Nun erscheint es aber ziemlich unglaubhaft, daß bei einer so ernsthaften Krankheit wie Diphtherie nur die gute Behandlung allein den Prozentsatz der Sterblichkeit so tief herab-