Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 159 (sequence 2)
- Language
- German
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- 159 — Kind einfach zum Arzt hingetragen werden kann und auch wird. Als zweiter Beweis für die ungenügende Konsultierung des Arztes seitens der Christen kann die hohe Sterblichkeit unter ihnen gelten, deren Prozentsatz bei den Juden 7,0 und bei den Christen 10,8 beträgt. Diese hohe Sterblichkeit ist aber teilweise auch eine Folg« davon, daß nicht alle typhuskranken Christen, wie eben festgestellt, statistisch verwertet Verden und vielleicht erst in zweiter Linie eine Folge der ungenügenden Behandlung. Daß aber auch letzterer Faktor von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist, beweist die Tatsache, daß von 100 Gestorbenen nur 21,6 Juden waren, während unter 100 Erkrankten sich 43,7 Juden befunden haben. Ein so großer Unterschied zwischen Morbidität und Mortalität der beiden Nationalitäten ist jedoch nicht gut möglich und die verhältniömäßig allzu große Zahl der erkrankten Juden beweist wiederum die Unzulänglichkeit des christlichen Teils der Statistik. Der Mortalität nach zu urteilen, scheint der Thyphus hier im Allgemeinen einen schweren Verlauf zu nehmen, obgleich Sterblichkeitsraten von 26,2, wie es die Christen 1909 zeigten, doch entschieden zu hoch gegriffen sind, wie andererseits kein einziger Sterbefall auf 64 erkrankte Jüdinnen desselben Jahres schon etwas zu niedrig ist, um der Wirklichkeit zu entsprechen. Wir haben darin einen Beweis mehr, daß unsere Statistik in mancher Beziehung hinkt Wie schon bemerkt, beträgt die Morbidität der Juden 43,7 Prozent, was ihren Anteil an der Bevölkerung um 5 Einheiten übersteigt. Die Korrektur, die infolge des Entgehens eines gewissen Teiles der christlichen Bevölkerung in die Tabelle hineinzubringen ist, läßt sich nicht genau feststellen, sie wird jedoch die Resultate kaum in entscheidendem Maße beeinflussen können und diese jedenfalls nicht in ihr Gegenteil umwenden. Wir können somit mit einem gewissen Recht behaupten, daß mit Beziehung auf den Unterleibstyphus die Morbidität der Juden der der Christen nicht nachsteht. Es muß aber auch zugegeben werden, daß die Morbidität der Juden manchmal eine höhere ist, wie z. B. im Jahre 1910, wo 124 Juden und nur 85 Christen erkrankten, welche Differenz nur durch die Nachlässigkeit der Christen nicht zu erklären ist. Hier wäre vielleicht eine detaillierte Bearbeitung des Materials nach den einzelnen Stadtteilen von Nutzen. Obgleich die Juden überall in der Stadt zerstreut wohnen, gibt es doch von ihnen bevorzugte Straßen und Bezirke, und da der Unterleibstyphus nach den neueren Anschauungen eng an die Lokalität gebunden ist, wäre es kein Wunder, wenn bei Befallensein eines von Juden dicht bewohnten Distrikts diese am meisten gelitten hätten. Und wirklich läßt sich beobachten, daß nicht alljährlich dieselben Stadtteile oder wenigstens nicht in demselben Maße ergriffen werden. Vielleicht steht auch damit die jeweilige Schwere der Epidemie im Zusammenhang, da die Mortalität in den ärmeren Distrikten immer größer sein wird als in den mehr begünstigten. So schwankte die Mortalität in den verchiedenen Jahrgängen bei den Juden zwischen etwa zwei und zehn Prozent, dagegen bei den Russen zwischen 18 und 22 Prozent. Wenn wir aber eine für beide Nationalitäten gleich große Morbidität angenommen haben, so dürfen wir mit demselben Rechte und aus denselben Gründen behaupten, daß die Mortalität der Juden eine geringere war, denn die beinahe dreifach so starke Sterblichkeit der Christen kann nicht gut durch die entgangenen Fälle allein aufgewogen werden und außerdem betragen die Juden nur 21,6 % unter allen Gestorbenen, die den Fangapparaten der Statistik doch weniger leicht als die Lebenden entschlüpfen können. Es bleibt mir nur noch übrig kurz darauf hinzuweisen, daß bei den Juden die Frauen seltsamerweise häufiger litten als die Männer, wofür sich kein plausibler Grund anführen läßt. Eine weitere bemerkenswerte Erscheinung ist die, daß die Juden den Typhus