Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 161 (sequence 4)
- Language
- German
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— 161 — zudrücken imstande wäre, wie es bei den Juden der Fall ist. und wir sind eher gezwungen anzunehmen, daß ein beträchtlicher Teil der erkrankten christlichen Kinder nicht zur Anzeige gelangte, was umsomelir möglich ist, als leichte DiphtheriefäJie nicht selten als einfache Halsentzündungen betrachtet werden, wegen deren es sich kaum lohnt einen Arzt zu bemühen. Andererseits läßt aber che große Zahl der jüdischen Diphtheriekranken die Vermutung zu. daß die Morbidität der Juden an Diphtherie vielleicht eine ebenso starke ist wie die der Küssen. Daß aber ein nicht unbeträchtlicher Teil der geringeren Sterblichkeit der Juden dem Umstände zuzuschreiben ist, daß sie ihren Kindern bessere Pflege an gedeihen lassen, ist daraus zu erblicken, daß unter 100Gestorbenen, deren Zahl wie schon mehrmals bemerkt, der Wirklichkeit sehr nahe steht, nur 19 Juden waren. Auch die größere Gleichmäßigkeit der jüdischen Sterblichkeitsraten, die sich von der Mittelzahl 9,0 nur wenig nach oben oder unten entfernen, würde für die mehr erschöpfende Vollständigkeit ihres statistischen Materials sprechen, dagegen ist eine Diphtheriemortalität von 45,2, wie sie die männlichen Russen für 1908 aufweisen, auch bei der größten Nachlässigkeit etwas Unmögliches und nur den Mängeln der Statistik zuzuschreiben. Der Verteilung nach den Altersstufen nach läßt sich kein Unterschied zwischen beiden Nationalitäten feststellen. Die Diphtherie befällt wie bei den Juden so auch bei den Russen hauptsächlich die Jahrgänge 1 bis 10, auf welche Lebensperiode etwa 3/4 aller Fälle kommen. Bemerkenswert ist die geringe Morbidität der eigentlichen Säuglinge. Die Diphtherie ist somit im strengsten Sinne des Wortes eine Kinderkrankheit. Was die Geschlechter anbelangt, so werden Knaben und Mädchen gleichmäßig ergriffen. Die Maser n. Die Masern zeigen hier im Allgemeinen einen sehr günstigen Verlauf, weshalb bei dem niedrigen Kulturniveau der Bevölkerung anzunehmen ist, daß sehr viele Fälle, besonders durch die auch für den Laien leichte Feststeilung der Krankheit, garnieht in ärztliche Behandlung gelangen und somit der statistischen Notierung entgehen. Andererseits kann aber gerade die Behandlung^weise dieser, wenn auch meistens leicht verlaufenden, so doch in ihren Folgen häufig nicht berechenbaren Krankheit, als Gradmesser der Kulturhöhe der ve rsehiedonen Bevölkerungsteile dienen, denn höherer Kulturstand geht mit höherer Bewertung von Gesundheit und Leben parallel. Schon beim Unterleibstyphus und bei der Diphtherie sind wir zum Schlüsse gelangt, daß die größere Beteiligung der Juden nicht zum geringsten Teil eine Folge davon ist, daß sie von ärztlicher Hilfe häufiger Gebrauch machen als die Nicht]uden. Während aber dort die Zahl der jüdischen Kranken nur um etwas den Prozentsatz der Juden in der Bevölkerung überstieg und somit noch unter der Hälfte aller Erkrankten blieb, sehen wir hier die Zahl der Juden (528) jene der Christen (405) bedeutend hinter sieh lassen. Aber auch hier ist es die große Sterblichkeit unter den Küssen, die die Unzulänglichkeit ihrer Statistik und somit indirekt die Nachlässigkeit ihrer Behandlungweise klar vor Augen, führt. Denn während der Prozentsatz der Gestorbenen unter den Juden dem normalen etwa entsprechend nur 1.9 beträgt, steigt die Mortalität unter den Christen mit 9,b auf das Fünffache und erreicht eine für die Masern unter europäischen Verhältnissen zugroßeHöhe. Daß aber dieJudenauch wirklich an den Masern weniger sterben, beweist ihr Prozentsatz unter den Gestorbenen, der 20,4 gleich ist. Das Beispiel der Masern lehrt somit und muß als unbedingt anerkannt werden, daß die Juden die Gesundheit ihrer Kleinen viel höher schätzen als die Küssen, was ihnen umsomelir zum Guten angerechnet werden muß, als sie materiell kaum besser gestellt sind als die Christen. Obgleich die Juden