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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1911) · p. Seite 111

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1911)
Article
Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
Date
1911-07-01
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
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— 111 — Erwerbstätigen nach Konfession und sozialer Stellung ausgeschieden und uns dadurch die Möglichkeit verschafft, wenigstens die absolute Zahl der in den handwerksmäßigen Betrieben beschäftigten Juden anzugeben. Damit kennen wir allerdings keineswegs die Lage der jüdischen Handwerker. Wir wissen nichts über die Betriebsformen der Handwerke, nichts über ihre Zu- oder Abnahme. Aus dem täglichen Leben haben wir bereits die Wahrnehmung machen können,daß die Juden sich der Bekleidungsindustrie als Schneider, Hutmacher etc. und der Genußmittelbranche als Fleischer? Bäcker usw. stark zuwenden, ferner wissen wir, daß die Juden, wenn es angängig ist. mit dem Handwerk zugleich einen offenen Laden verbinden, daß z. B. die Uhrmacher zugleich Juweliere sind, die Kürschner Pelzwarenhändler, die Buchbinder eine Buchhandlung besitzen. Wir haben allerdings keinen Grund anzunehmen, daß die Lage der jüdischen Handwerker von jener der Handwerker überhaupt wesentlich abweicht. Deshalb möge hier eine Darstellung Platz finden, die Bö liniert im „Arbeiterfreund" in einer Abhandlung: Wandlungen der deutschen Volkswirtschaft 1882—1907, Jahrg. XLVIII, von der gegenwärtigen Lage des Handwerkerstandes in Deutschland gibt. Er meint folgendes: „Unzweifelhaft hat das Handwerk seine frühere Bedeutung zum Teil eingebüßt. Die Entfaltung der Maschinenindustrie und des Großverkehrs hat der Großindustrie einen Vorsprung vor ihm verliehen, den es nicht einholen kann. Dennoch wäre es verkehrt, von einem Rückgang des Handwerks im allgemeinen zu sprechen, vielmehr zeigt uns die diesmalige Betriebszählung, daß das Handwerk zwar im Verhältnis zum Großbetrieb zurückgeblieben ist, aber nach der Gesamtzahl der ihm angehörenden Betriebe keinen Rückgang, sondern sogar noch eine Zunahme aufzuweisen hat. Eine Abnahme zeigen nur die Betriebe mit einer Person, bei allen anderen Betriebsformen sind beträchtliche Zunahmen festzustellen, auch bei den von 2—5 Personen, die wir als die eigentlichen normalen Formen des Handwerks bezeichnen können. Die Betriebe mit : nur einer Person stellen eine nicht mehr | zeitgemäße Betriebsform dar, sie mögen für i junge Anfänger eine Daseinsberechtigung | haben, bei der großen Masse handelt es sich | jedoch um Personen, deren Lebenshaltung i als rein proletarisch bezeichnet werden muß, j sodaß ihr Verschwinden keinen Nachteil für die Gesamtheit bedeutet. Selbstverständlich liegen die Verhältnisse bei den einzelnen Handwerken verschieden. Viele sind durch die moderne Entwicklung mehr oder weniger verdrängt worden, andere haben ihre Stellung behauptet, aber keine Vermehrung aufzuweisen, bei einer letzten Gruppe findet noch heute eine starke Entwicklung statt." B ö h m e r t I zählt nun jene Handwerke auf, die einen I Rückgang, Stillstand oder Fortschritt aufweisen, i Wir greifen jene heraus, die auch für die i Juden in Frage kommen. Einen Rückgang weisen auf: Steinmetze, Goldschmiede, Uhrmacher, Gerber, Schuhmacher, einen Stillstand: Buchbinder. Tischler, Bürstenmacher, Kürschner, Hutmacher, eine Zunahme: Klempner, Sattler, Tapezierer, Drechsler,; Bäcker und Konditor, Schlächter, Schneider, , Handschuhmacher, Barbiere und Friseure, Maurer und Bauunternehmer, Glaser und Stubeni maier. Wir zählen in folgender Tabelle 22 handwerksmäßige Betriebe auf: Gokl-und Silberschmiede, i Klempner, Schlosser, Uhrmacher, Buchbinder, Gerber, Sattler, Tapezierer, Tischler, Drechsler, : Bürstenmacher, Bäcker, Fleischer, Schneider,; Putzmacher, Schuhmacher, Barbiere, Maurer und Bauunternehmer, Glaser. Stubennialer, : Näher, Steinsetzer. Sie umfassen insgesamt; über 38000 erwerbstätige Personen. Da es jedoch noch eine ganze Zahl von Handwerken ' gibt, in denen sich die Juden betätigen, die wir aber wegen der kleinen Zahl von Berufszugehörigen außer acht gelassen haben, so können wir die Zahl der jüdischen Handwerker : mit 40000 annehmen. Davon sind Selbständige : 17108, Angestellte 5795, mithelfende Familienangehölige 2237, sonstige Arbeiter 13 332.

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